Projekte planen und Baugruppen herstellen

Der auszubildende Industriemechaniker arbeitet in der Lehrwerkstatt. Er baut eine Schlauchverbindung auf.
Ausbildungswerkstatt und Schulungsraum: Seine Ausbildung zum Industriemechaniker ergänzt Andre Klett um eine Zusatzqualifikation im Projektmanagement.
Foto: Christof Stache

Zusatzqualifikation Projektmanagement

Projekte planen und Baugruppen herstellen

Andre Klett (19) wird in jeder Hinsicht auf den betrieblichen Alltag vorbereitet: Während seiner Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Siemens AG qualifiziert er sich zusätzlich in Sachen Projektmanagement.

Am Unternehmensstandort in Berlin werden unter anderem Zugsicherheitssysteme und Weichenantriebe produziert. Im Rahmen der Ausbildung zum Industriemechaniker wird Andre Klett vermittelt, wie entsprechende Baugruppen hergestellt werden. „Damit das auf möglichst effektive Weise erfolgt, lernen wir parallel, wie man das jeweilige Projekt managt“, erklärt er. „Das bedeutet, wir bekommen von unserem Ausbilder einen Auftrag und planen dann erst einmal den gesamten Ablauf. Dazu gehört zum Beispiel auch das Zeitmanagement, wer welche Aufgaben übernimmt, wie viel Platz wir benötigen und welche Materialien beschafft werden müssen.“

Dreigeteilte Ausbildung

Ein Porträtfoto von Andre Klett

Andre Klett

Foto: privat

An die reguläre duale Ausbildung zum Industriemechaniker ist im Fall von Andre Klett eine Zusatzqualifikation im Projektmanagement gekoppelt. Die jeweiligen Inhalte werden während der gesamten dreieinhalb Ausbildungsjahre eng miteinander verzahnt und auf dreierlei Weise vermittelt: In der hauseigenen Berufsschule – der Werner-von-Siemens Vocational School Berlin – stehen unter anderem Mathematik, Physik und spezielles Fachwissen sowie Deutsch und Sport auf dem Lehrplan. Der praktische Teil verteilt sich auf die interne Ausbildungswerkstatt und den eigentlichen Betrieb, wo die Auszubildenden verschiedene Abteilungen kennenlernen.

„Letzte Woche haben wir etwa den Auftrag erhalten, 27 Heißluftmotoren herzustellen“, berichtet Andre Klett, der sich im zweiten Ausbildungsjahr befindet. „Dafür haben wir zunächst im Schulungsraum das Projektmanagement erarbeitet und wurden dabei von einem Ausbilder angeleitet. Anschließend haben wir das Projekt in der Werkstatt mit dem dort zuständigen Ausbilder praktisch umgesetzt.“

Ein Plus im Lebenslauf

Ähnlich läuft es bei anderen Aufträgen ab, die die Auszubildenden gemeinsam realisieren. „Das Wissen rund um Projektmanagement wird zunächst jeweils aufgefrischt, bevor das konkrete Projekt dann geplant wird.“ Insgesamt entfallen während der gesamten Ausbildung circa zwei Wochen im Jahr auf die Zusatzqualifikation. „Weil die Planung jeweils dazugehört, ist es natürlich mehr Arbeit und Lernstoff, als wenn wir nur die Baugruppen herstellen würden. Daher muss man häufig mehr Zeit investieren. Aber am Ende wissen wir genau, worauf es nach dem Abschluss im Betrieb ankommt“, sagt Andre Klett. Mit dem Lernpensum kommt er gut zurecht. „Ich habe vor, die Ausbildung um ein halbes Jahr zu verkürzen, was dank meines Abiturs möglich ist.“

Andre Klett ist froh darüber, sich für dieses Modell entschieden zu haben. „Mir ging es in erster Linie um die Ausbildung zum Industriemechaniker. Aber die Zusatzqualifikation ist auf jeden Fall eine sinnvolle Bereicherung“, stellt er fest. Pläne für die Zeit nach dem Abschluss hat er auch schon: „Ich möchte gern noch ein Studium im Bereich Maschinenbau oder Technische Physik anschließen, am liebsten berufsbegleitend hier bei Siemens, dann kann ich parallel arbeiten und weiter Praxiserfahrung sammeln.“

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Industriemechaniker + Projektmanagement – Tagesablauf

So kann ein Arbeitstag aussehen

Andre Klett (19), der bei der Siemens AG zum Industriemechaniker ausgebildet wird und parallel eine Zusatzqualifikation im Projektmanagement erwirbt, gewährt abi» Einblick in einen Arbeitstag.

6.45 Uhr

Andre Klett betritt das Betriebsgelände. Vor Beginn der Arbeitszeit muss er Arbeitssicherheitsschuhe und -hose anziehen.

7 Uhr

Der Ausbilder prüft, ob alle Auszubildenden anwesend sind und stellt den aktuellen Projektauftrag vor.

7.45 Uhr

Die Auszubildenden setzen sich zusammen, klären, welche Aufgaben anstehen und teilen sich in Gruppen auf. Andre Klett muss eine Auftragsanalyse erstellen.

8.40 Uhr

Während der zwanzigminütigen Frühstückspause stärkt sich der 19-Jährige in der hauseigenen Kantine.

9 Uhr

Der Ausbilder gibt den angehenden Industriemechanikern technische Zeichnungen und Tipps für die Fertigung der Einzelteile.

10 Uhr

Die Auszubildenden bereiten nun die Fertigung vor. Andre Klett hat die Aufgabe übernommen, mit seiner Gruppe einen Meilensteinplan zu erstellen.

11.50 Uhr

Die vierzigminütige Mittagspause nutzt er, um sich die Beine zu vertreten und in der Kantine zu essen.

12.30 Uhr

Nachdem der Meilensteinplan abgeschlossen ist, helfen Andre Klett und seine Kollegen beim Erstellen der Arbeitspläne.

14.30 Uhr

Die Auszubildenden tragen zusammen, was sie heute erledigt haben und besprechen den Plan für den nächsten Tag. Anschließend räumen sie die Werkstatt auf.

15 Uhr

Der Ausbilder ruft die Gruppe zusammen und verabschiedet sie in den Feierabend.

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Zusatzqualifikationen in der Ausbildung – FAQ

Ein Mehrwert durch Qualifikation

Was genau ist eigentlich eine Ausbildung mit Zusatzqualifizierung? Welche Vorteile bringt sie? Und mit welchem zusätzlichen Aufwand ist sie verbunden? abi» hat bei Silvia Hofmann von AusbildungPlus nachgefragt und die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

Was ist unter einer Zusatzqualifikation zu verstehen?

„Zusatzqualifikationen richten sich an Auszubildende in einem staatlich anerkannten dualen Ausbildungsberuf und ergänzen die Ausbildung durch zusätzliche Inhalte. Sie finden während der Berufsausbildung statt oder beginnen unmittelbar nach Abschluss der Ausbildung – maximal ein halbes Jahr später – und umfassen mindestens 40 Stunden. Sie können durch das Zertifikat eines Betriebes, eines Bildungsträgers oder einer Kammer belegt werden.“

Welche Vorteile bringt mir eine Zusatzqualifikation auf dem Arbeitsmarkt?

„Die Möglichkeit schon während der Ausbildung Zusatzqualifikationen zu erwerben, zum Beispiel in Form von Zertifikaten im kaufmännischen Bereich, IT-Qualifikationen oder Auslandsaufenthalten, sind für Jugendliche eine attraktive Möglichkeit, ihren Berufsabschluss aufzuwerten.“
Warum sind derartige Ausbildungswege gerade für Abiturienten interessant?
„Zusatzqualifikationen können ein wirksames Mittel zur Steigerung der Attraktivität der beruflichen Bildung sein. Sie bieten insbesondere leistungsstarken Jugendlichen die Möglichkeit, über die Ausbildungsinhalte hinausgehende Qualifikationen zu erwerben.“

Welcher Zeitaufwand kommt auf mich zu?

„Der zeitliche Umfang von Zusatzqualifikationen ist sehr unterschiedlich: Die Spannweite reicht von 40 bis über 1.000 Stunden. Die meisten Zusatzqualifikationen verteilen sich relativ gleichmäßig auf Angebote von 40 bis 500 Stunden.“

Brauche ich spezielle Vorkenntnisse, um eine Zusatzqualifikation zu erlangen?

„Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ob Vorkenntnisse gefordert sind, kann den jeweiligen Beschreibungen der Zusatzqualifikation entnommen werden.“

Wo finde ich geeignete Angebote?

„Zusatzqualifikationen werden in erster Linie von Berufsschulen, Industrie- und Handelskammern sowie von Ausbildungsbetrieben angeboten. Auf den Webseiten dieser Institutionen finden sich entsprechende Angebote ebenso wie im Fachportal AusbildungPlus (www.ausbildungplus.de).“

Welche Entwicklungen und Trends bei Zusatzqualifikationen lassen sich aktuell beobachten?

„Im Bereich der Berufsausbildung ist in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung zu beobachten, die den gestiegenen Anforderungen der Arbeitswelt durch zahlreiche innovative Qualifizierungsmodelle begegnet. Hierzu zählen auch Zusatzqualifikationen.

Beispielsweise beinhalten internationale Zusatzqualifikationen meist mehrere Bausteine, die in der Kombination eine umfassende internationale Qualifizierung der Auszubildenden bedeuten. Hierzu zählen unter anderem Fremdsprachenunterricht, die Vermittlung internationaler Wirtschaftskenntnisse oder Auslandsaufenthalte.

Zusatzqualifikationen tragen außerdem zu einer besseren Verzahnung von Ausbildung und Weiterbildung bei. In jeder elften Zusatzqualifikation werden Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die auf aufbauende Weiterbildungen oder Fortbildungen anrechenbar sind, diese ganz beinhalten oder vergleichbare Inhalte darstellen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Beschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Abiturientenausbildung)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für berufliche Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
www.kursnet.arbeitsagentur.de

AusbildungPlus

Die Plattform des Bundesinstituts für Berufsbildung bietet einen Überblick über duale Studiengänge und Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen.
www.ausbildungplus.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Infoseite des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Thema Zusatzqualifikationen.
www.bibb.de/de/703.php

Deutscher Industrie- und Handelskammertag

www.dihk.de

 


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Stand: 21.09.2019