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„Ein Beitrag zum Aufstieg auf der Karriereleiter“

Frau sitzt in Bibliothek und macht sich beim Lernen Notizen
Wer sich für eine Zusatzqualifikation entscheidet, sollte sich auch des erhöhten Lernpensums bewusst sein.
Foto: Julia Hendrysiak

Interview

„Ein Beitrag zum Aufstieg auf der Karriereleiter“

Antje Winkler, Projektleiterin von AusbildungPlus, spricht im Interview über Ausbildungen mit Zusatzqualifikationen und verrät, warum diese gerade für Abiturienten interessant sind.

abi>> Frau Winkler, was genau bedeuten Zusatzqualifikationen und wie kann man diese in die Ausbildung einbinden?

Antje Winkler: Unter Zusatzqualifikationen versteht man Kenntnisse und Fähigkeiten, die über das Ausbildungsberufsbild hinausgehen. Im Rahmen der beruflichen Erstausbildung sind das zusätzliche Bildungsangebote, die nicht in der Ausbildungsordnung eines Berufes verankert sind und parallel zur Ausbildung absolviert werden – entweder spezielle, auf den eigenen Ausbildungsberuf zugeschnittene Qualifikationen oder auch übergreifende Qualifikationen wie Fremdsprachen, Computerkenntnisse oder betriebswirtschaftliche Kenntnisse.

abi>> Wo erwirbt man diese Zusatzqualifikationen?

Antje Winkler: Meist werden sie nicht direkt im Ausbildungsbetrieb vermittelt, sondern von externen Bildungsanbietern, etwa Bildungszentren oder Lehrwerkstätten. In vielen Fällen findet auch eine externe Prüfung statt, beispielsweise vor einer Industrie- und Handels- oder Handwerkskammer. Die Auszubildenden sollten sich die Zusatzqualifikation in jedem Fall bescheinigen lassen, damit sie sie später nachweisen können.

abi>> Warum ist diese Art von Ausbildung gerade für Abiturienten interessant?

Ein Porträt-Foto von Antje Winkler

Antje Winkler

Foto: Privat

Antje Winkler: Die Ausbildung kann so fachlich vertieft oder ergänzt werden und ist damit ein attraktives Bildungsangebot für leistungsstarke Jugendliche, die neben einer beruflichen Erstausbildung ein zusätzliches Lernpensum bewältigen können. Außerdem bietet sie eine interessante Alternative zum Studium: Mit einer Ausbildung und weiteren Qualifikationen oder Fortbildungsabschlüssen aus der beruflichen Bildung, die einem Hochschulabschluss gleichgestellt sind, wie zum Beispiel dem Techniker, Betriebswirt oder Meister, stehen die Chancen auf eine adäquate Beschäftigung sehr gut. Gerade umfangreiche Zusatzqualifikationen wie etwa der Handelsfachwirt, die einer Weiterbildung entsprechen, sind interessant. Wer sich für diesen Weg entscheidet, hat am Ende zwei Abschlüsse in der Tasche – den der regulären dualen Ausbildung und den des Fortbildungsberufes.

abi>> Welche Anforderungen stellt so eine Zusatzqualifikation?

Antje Winkler: Das ist ganz unterschiedlich, da es Zusatzqualifikationen gibt, die nur aus einem mehrtägigen Kurs bestehen und solche, die sich über ein oder zwei Jahre erstrecken und mehrere hundert Stunden umfassen. Deshalb sind auch die Kosten in Abhängigkeit von Inhalten und Dauer sowie die Anbieter sehr unterschiedlich. Viele Betriebe stellen ihre Auszubildenden für die Zusatzqualifikationen frei oder übernehmen die Kosten voll beziehungsweise teilweise. Ein Betrieb ist jedoch nicht verpflichtet, Zusatzqualifikationen für seine Auszubildenden anzubieten. Diese können aber durchaus selbst die Initiative ergreifen und ihrem Betrieb die Teilnahme an einer Zusatzqualifikation vorschlagen. Wer sich für eine Zusatzqualifikation entscheidet, sollte sich auch des erhöhten Lernpensums bewusst sein, dieses aber als Investition in die Zukunft betrachten.

abi>> In welchen Branchen nehmen solche Zusatzqualifikationen eine große Bedeutung ein?

Antje Winkler: Inhaltlich betrachtet sind Zusatzqualifikationen aus den Bereichen „Internationales“ „Technik“ und „Informationstechnologie“ innerhalb der Ausbildung am stärksten verbreitet. Während in den Bereich „Technik“ Qualifikationen wie der „Staplerschein“ oder „Schweißerpass“ fallen, zählen zur „Informationstechnologie“ beispielsweise spezielle Softwareschulungen. In der letzten Umfrage von AusbildungPlus im Jahr 2008 gaben rund ein Viertel der Auszubildenden an, bereits Zusatzqualifikationen während der Ausbildung erworben zu haben. Besonders häufig nahmen Fachinformatiker/-innen, Industriemechaniker/-innen, Mechatroniker/-innen, Medizinische Fachangestellte und Industriekaufleute an solchen Maßnahmen teil.

abi>> Inwiefern verbessern sich die Arbeitsmarkt- und Karrierechancen für Auszubildende, die während der Ausbildung Zusatzqualifikationen erwerben?

Antje Winkler: Die Ausbildung lässt sich nach eigenen Wünschen mitgestalten – über die Inhalte der Ausbildungsordnung hinaus. Dadurch, dass einige Zusatzqualifikationen vollständig oder teilweise auf spätere Fort- und Weiterbildungen, wie zum Beispiel Betriebswirt oder Meister, angerechnet werden können, lässt sich Zeit sparen, wenn man diese Abschlüsse erwerben möchte. Absolventen einer Zusatzqualifikation haben nach der Ausbildung sehr gute Übernahmechancen im Ausbildungsbetrieb und auch generell auf dem Arbeitsmarkt. So können Zusatzqualifikationen auch zu einem schnelleren Aufstieg auf der Karriereleiter beitragen.

abi>> Wohin geht der aktuelle Trend? Inwieweit werden die Angebote für Zusatzqualifikationen genutzt?

Antje Winkler: Die Anzahl der Auszubildenden, die das Angebot einer Zusatzqualifikation 2013 genutzt haben, ist laut AusbildungPlus im Vergleich zum Vorjahr nur gering gestiegen. Im Verhältnis zur großen Anzahl an Ausbildungsangeboten ist die Zahl der Azubis pro Angebot sogar leicht zurückgegangen. Mit 85.699 Auszubildenden in Zusatzqualifikationen kamen 2013 durchschnittlich 37 Auszubildende auf ein Modell – 2012 waren es noch 38. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, ist die Zahl aber deutlich gestiegen. So nutzen das Angebot heute über 20.000 Auszubildende mehr als noch vor zehn Jahren.

abi>> Können Sie exemplarisch einige für Abiturienten besonders interessante Zusatzqualifikationen nennen und einen Tipp geben, wo man sich informieren kann?

Antje Winkler: Interessant sind etwa der Handelsassistent beziehungsweise der Handelsfachwirt. Auch der Betriebsassistent im Handwerk, mit dem sich Auszubildende in Handwerksberufen parallel zur Ausbildung kaufmännisch qualifizieren und auf spätere Führungsaufgaben vorbereiten können, ist eine gute Option. Informieren kann man sich auf der Internetseite www.ausbildungsplus.de, aber auch bei den Berufsberatern der Arbeitsagenturen, bei den Kammern und Berufsschulen oder den Ausbildungsbetrieben.

abi>> Manche Zusatzqualifikationen werden unter dem Schlagwort „Studium“ angeboten. Was ist dabei zu beachten?

Antje Winkler: Die angesprochenen Abiturientenprogramme findet man an den Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien. Dadurch, dass diese nicht dem Hochschulbereich zugerechnet werden, nehmen sie eine Art „Zwitterstellung“ ein und werden unter Zusatzqualifikationen geführt und nicht als Studium.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit
(Viele Zusatzqualifikationen sind unter dem Suchwort „Abiturientenausbildung“ zu finden)
http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchwort: Zusatzqualifikation)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

AusbildungPlus

Onlineauftritt von AusbildungPlus mit interessanten Erfahrungsberichten von Auszubildenden und einer umfangreichen Liste an Zusatzqualifikationsmöglichkeiten.
www.ausbildungplus.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Infoseite des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Thema Zusatzqualifikationen.
www.bibb.de/de/703.php

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Thema Zusatzqualifikation.
www.jobstarter.de/de/zusatzqualifikationen-49.php

abi>> 20.11.2015