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Als Azubi die Welt entdecken

Hochhäuser und belebte Straßen in Shanghai.
China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde.
Foto: Julia Grimminger

In der Ausbildung ins Ausland

Als Azubi die Welt entdecken

Den Alltag in einem fremden Land erleben, kulturelle Besonderheiten kennenlernen und sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen erwerben – was im Studium als selbstverständlich betrachtet wird, erfreut sich auch bei Auszubildenden immer größerer Beliebtheit.

Nicht nur den Auszubildenden selbst bietet ein beruflicher Auslandsaufenthalt viele Vorteile, auch Unternehmen profitieren von den positiven Effekten. Gerade große Konzerne setzen auf Mobilität, Internationalität und Weltoffenheit.

Ein Porträt-Foto von Christine Martin

Christine Martin

Foto: Privat

So war es auch bei Christine Martin, die als Mechatronikerin bei Bosch in Bamberg tätig ist. In ihrem zweiten Lehrjahr ging es für sie sechs Wochen nach China: „Ich habe in unserem Bosch Werk in Nanjing im Bereich Technische Funktionen gearbeitet und dort unter anderem Wartungspläne für die Maschinen erstellt“, erzählt die 21-Jährige, die nach dem Abitur auf jeden Fall im Ausland arbeiten wollte. Die Verständigung mit den chinesischen Kollegen lief sehr gut: In den Büros sprachen sie Englisch, der Werkleiter und der Leiter Technische Funktionen waren Deutsche. „In der Fertigung sprachen die Mitarbeiter häufig nur Chinesisch. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, oder ein chinesischer Kollege ist eingesprungen und hat übersetzt“, berichtet Christine Martin. Ein besonderes Erlebnis war das tägliche Kantinenessen: „Oft wussten wir nicht, was genau wir gegessen haben – aber es war immer lecker.“

Aufgefallen ist Christine Martin der besonders leidenschaftliche Arbeitseinsatz der chinesischen Kollegen: „Am Abend oder am Wochenende zu arbeiten ist für sie ganz normal.“ Da die Maschinen ähnlich funktionierten wie die, die sie von zu Hause kannte, war die Arbeit für die Auszubildende kein Problem. Dazu gelernt hat die junge Frau dennoch viel: „Ich bin weltoffener geworden und gehe schneller auf fremde Menschen zu – sonst wäre ich in China oft aufgeschmissen gewesen.“ Weil sie den ganzen Tag Englisch geredet hat, hat ihr der Auslandsaufenthalt auch sprachlich viel gebracht.

Internationale Kontakte knüpfen

Claudia Klaßen, Berufsberaterin für Abiturienten bei der Agentur für Arbeit Rheine, hält Auslandsaufenthalte für Auszubildende grundsätzlich für sehr sinnvoll: „Die jungen Leute erwerben neue Fähigkeiten und Kenntnisse und gewinnen an Selbstbewusstsein.“ Sie verbessern ihre Sprachkenntnisse mitsamt den im Beruf notwendigen Fachbegriffen, sie arbeiten mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zusammen und knüpfen internationale Kontakte. „Im Zeitalter der Globalisierung sind das auch wertvolle Erfahrungen für das spätere Berufsleben“, ist sich Claudia Klaßen sicher. Im Europass können sich die Auszubildenden ihre Fähigkeiten, Qualifikationen und Kompetenzen, die sie während des Auslandsaufenthaltes erworben haben, offiziell bestätigen lassen (siehe das Interview „Fachliche und persönliche Bereicherung“).

Derzeit nutzen etwas mehr als vier Prozent eines Ausbildungsjahres die Chance, berufliche Auslandserfahrung zu sammeln. Wege, einen Teil oder sogar die komplette Ausbildung im Ausland zu verbringen, gibt es viele: Austauschprogramme, Gemeinschaftsprojekte, Stipendienprogramme oder auch Doppelabschlüsse wie die Kombination aus dem deutschen IHK-Abschluss Industriekaufmann/-frau und dem französischen Brevet de Technicien Supérier (BTS) Comptabilité/Gestion. Interessierte können sich auch gezielt für einen Ausbildungsberuf entscheiden, bei dem ein Auslandsaufenthalt als Ausbildungsbestandteil vorgesehen ist. Dies gilt etwa für Eurokaufleute oder Europa-Wirtschaftsassistenten. „Man kann sich auch gezielt ein Ausbildungsunternehmen mit Niederlassungen im Ausland suchen“, so der Tipp der Berufsberaterin. Informationen dazu erhalten die Auszubildenden zum Beispiel bei den Industrie- und Handelskammern beziehungsweise den Handwerkskammern. Auch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit ist eine gute Anlaufstelle.

Laut Berufsbildungsgesetz können Auszubildende bis zu einem Viertel der Ausbildungszeit in einem anderen Land verbringen und sich in Deutschland anrechnen lassen. Auslandshandelskammern bieten aber auch einige Ausbildungsgänge in kaufmännischen und gastronomischen Berufen an, die komplett im Ausland, beispielsweise in Portugal oder Hongkong, absolviert werden können.

Es muss nicht immer Amerika sein

Wer plant, während seiner Ausbildung ins Ausland zu gehen, sollte rechtzeitig mit der Organisation beginnen. Mindestens ein Jahr Vorlaufzeit empfiehlt Claudia Klaßen. „Außerdem ist es besser, nach der Zwischenprüfung zu gehen und volljährig zu sein – das macht vieles im Ausland leichter. Natürlich muss der Arbeitgeber über die Pläne informiert werden. Die Ausbildungsvergütung wird in der Regel weiter gezahlt.“ Wichtig ist es auch, mit der Berufsschule zu klären, ob man für die Dauer des Auslandsaufenthaltes freigestellt werden kann und bei der Berufsgenossenschaft Infos über die Absicherung im Ausland einzuholen. Vor allem, wer seinen Auslandsaufenthalt selbst organisiert, sollte unbedingt sicherstellen, dass er über einen ausreichenden Versicherungsschutz verfügt. In jedem Fall ist eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung ratsam. Besonders wichtig findet die Berufsberaterin übrigens Flexibilität: „Es muss nicht immer Amerika oder Australien sein. Auch europäische Länder können unvergessliche Auslandsaufenthalte bieten.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit
http://berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

ZAV Auslandsvermittlung

www.arbeitsagentur.de/ZentraleAuslandsundFachvermittlung

Erasmus+

www.mach-mehr-aus-deiner-ausbildung.de
www.erasmusplus.de

Mobilitätscoachs bei Berufsbildung ohne Grenzen

www.mobilitaetscoach.de

Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung

www.na-bibb.de

Wege ins Ausland

www.go-ibs.de

Europass

www.europass-info.de

Azubis im Handwerk

www.letsgoazubi.de

Ausbildung international

www.ausbildunginternational.de

xChange

www.xchange-info.net

abi>> 07.12.2015