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„Fachliche und persönliche Bereicherung“

Skyline von New York bei Nacht.
Ob New York, Paris, oder London - ein Auslandsaufenthalt ist immer ein unvergessliches Erlebnis.
Foto: Martin Rehm

Interview

„Fachliche und persönliche Bereicherung“

abi>> sprach mit Ulrike Schröder, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB). Die NA koordiniert unter anderem das Programm Erasmus+, das 2015 schon über 22.000 Auszubildenden zu einem Auslandsaufenthalt verholfen hat.

abi>> Warum lohnt es sich, als Auszubildender ins Ausland zu gehen?

Ulrike Schröder: Im Ausland in einem Unternehmen zu arbeiten, ist eine ganz andere Erfahrung als dort nur Urlaub zu machen. Je länger ein Auslandsaufenthalt dauert, umso größer ist die fachliche Bereicherung: Man lernt neue berufliche Techniken und wird souveräner bei den Aufgaben. Bei kürzeren Aufenthalten hingegen entwickelt man sich hauptsächlich persönlich weiter. Nach ihrer Rückkehr sind die jungen Leute meist gut vernetzt, motiviert und selbstbewusster.

abi>> Wie funktioniert das Programm Erasmus+?

Ulrike Schröder: Erasmus+ wendet sich an Auszubildende aller Branchen. Die Aufenthalte dauern zwischen zwei Wochen und zwölf Monaten und können auf verschiedene Phasen während der Ausbildung verteilt werden. Neu ist, dass junge Leute nun auch nach der Ausbildung und in der gesetzlich geregelten Weiterbildung Zuschüsse für einen Auslandsaufenthalt bekommen können. Das ist zum Beispiel für diejenigen interessant, die nicht von ihrer Ausbildungsfirma übernommen werden oder vor ihrem Wechsel in eine feste Stelle noch mal ins Ausland gehen wollen.

abi>> Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

Ulrike Schröder: Die einzige formale Voraussetzung ist, eine duale oder vollzeitschulische Ausbildung zu absolvieren oder gerade abgeschlossen zu haben. Auch wer parallel zur Berufsausbildung studiert, kann von Erasmus+ profitieren. Alle weiteren Anforderungen legen die jeweiligen Bildungseinrichtungen und Organisationen fest.

abi>> Wie läuft ein Auslandsaufenthalt ab?

Ulrike Schröder: Vor der Abreise werden die Teilnehmer von den entsendenden Organisationen auf ihren Aufenthalt vorbereitet. Es werden zum Beispiel Themen wie Heimweh, Krankheit oder Verhaltensregeln im Ausland besprochen. Wer länger als einen Monat im Ausland bleibt, kann zudem das Sprach-Lern-Tool der Europäischen Kommission nutzen, denn sprachliche Vorbereitung gehört dazu. Manchmal bekommen die jungen Leute auch im Ausland noch Sprachunterricht, bevor sie ihr betriebliches Praktikum oder den Schulbesuch beginnen. Was die Auszubildenden im Ausland erlernen, stimmen sie mit ihrem Arbeitgeber und dem Unternehmen im Ausland ab und halten es in einer Lernvereinbarung fest. Da Erasmus+ ein Teil der Ausbildung ist, muss man dafür keinen Urlaub nehmen, und die Ausbildungsvergütung wird weiterbezahlt. Dazu kommt dann noch der Erasmus+- Zuschuss für Anreise und Unterkunft.

abi>> Man kann sich seinen Auslandsaufenthalt im Europass dokumentieren lassen. Worum handelt es sich dabei?

Ulrike Schröder: Der Europass besteht aus fünf Dokumenten: Lebenslauf, Sprachenpass, Zeugniserläuterungen, dem Europass Mobilität, in dem die Auslandsaufenthalte dokumentiert werden, und dem Diploma Supplement für den Hochschulbereich. Im Europass Mobilität schreibt das Unternehmen im Ausland auf, was der Azubi während des Aufenthalts gelernt hat und bestätigt dies ganz offiziell mit Stempel und Unterschrift. Manche Träger stellen sogar Zertifikate aus, die man, ebenso wie den Europass, für eine spätere Bewerbung nutzen kann.

abi>> 07.12.2015