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Einfach mal weg

Paris, Eiffelturm, Pont Alexandre III
Auf nach Frankreich! Tobias Gerharz bekam von seinem Arbeitgeber die Möglichkeit an einem zweiwöchigen Auslandsaustausch teilzunehmen.
Foto: Manuela Meier

In der Ausbildung ins Ausland – Hintergrund

Einfach mal weg

Während der Ausbildung für ein paar Wochen ins Ausland gehen: Das machen immer mehr Azubis. Immerhin hat das so manche Vorteile – es bringt einen selbst voran und kommt auch bei Arbeitgebern gut an.

Als ihm sein Ausbildungsleiter bei der Deutschen Bahn einen Auslandsaufenthalt anbot, sagte Tobias Gerharz sofort zu. Bei dem Unternehmen beendet der 20-Jährige gerade seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik in Mainz. Zusammen mit 19 anderen Azubis nahm er vergangenen Juli am zweiwöchigen Austausch teil: Es ging zur französischen Eisenbahngesellschaft SNCF nach Paris und zu deren Ausbildungszentrum in Le Mans.

„Zuerst hatte ich Bedenken, dass mein Schulfranzösisch nicht reichen würde“, sagt Tobias Gerharz. „Doch das hat sich sehr schnell verbessert und selbst Fachbegriffe konnte ich nach kurzer Zeit sicher verwenden.“ Außerdem bekam er einen Einblick in eine andere Kultur, lernte Kollegen im Ausland kennen und erfuhr, wie deren Ausbildung abläuft. „Da Bahn-Azubis aus ganz Deutschland dabei waren, hat das den Teamgeist gestärkt“, ergänzt er.
Lehrreich war auch die Erfahrung, in fremder Umgebung alleine klar zu kommen. „Trotz der Betreuung waren wir immer wieder auf uns allein gestellt und mussten uns in neuen Situationen zurechtfinden“, erzählt der Auszubildende. „Das hat bestens geklappt und mich noch selbstständiger gemacht.“

Zahl hat sich verdoppelt

Einen ähnlichen Weg wie Tobias Gerharz gehen immer mehr Auszubildende. „Von denjenigen, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen haben, waren rund 31.000 im Ausland“, sagt Stefan Metzdorf, Leiter der Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS) bei der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung. Das entspreche 5,3 Prozent des Jahrgangs.

„Das klingt noch nach nicht viel, immerhin hat der Deutsche Bundestag 2013 die Zielmarke beschlossen, dass es bis 2020 mindestens zehn Prozent der Azubis sein sollen.“ Doch die Zahlen seien eine positive Entwicklung: „In den vergangenen acht Jahren hat sich die Quote der international mobilen Azubis mehr als verdoppelt.“ Interessanterweise sank dabei aber der Anteil der jungen Leute mit Studienberechtigung: Machten sie 2011 noch 62 Prozent der Azubis mit Auslandserfahrung aus, hatten 2017 nur noch 38 Prozent die Hochschulreife.

Viele Möglichkeiten und Programme

Die Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen, sind dabei vielfältig. „Das Erasmus+-Programm ist die wichtigste Säule“, meint der Experte. Ein Großteil der Auszubildenden nutzt diese Unterstützung, die für alle EU-Länder sowie für Island, Liechtenstein, Norwegen, die Türkei und die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien gilt.

Wer hingegen weiter weg möchte, kann sich das Pilot-Programm „AusbildungWeltweit“ anschauen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. „Dort werden weltweit Aufenthalte in Ländern gefördert, die nicht bei Erasmus+ sind.“ Besonders beliebt sei derzeit etwa China, gefolgt von Nordamerika.

Hinzu kommen private Stiftungen und Austauschprogramme, die ebenfalls Auslandsaufenthalte im Rahmen einer Ausbildung ermöglichen. Allerdings können sie spezifischer ausgerichtet sein, zum Beispiel auf ein bestimmtes Bundesland oder auf bestimmte Berufe beschränkt sein. Einen guten Überblick bietet die Internetseite www.go-ibs.de der Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen Bildung (IBS).

Unterstützung in der Schule und im Betrieb suchen

Für die Vorbereitung und Organisation eines Auslandsaufenthaltes sollte man genügend Zeit einplanen. „Für Ziele in Europa gut sechs Monate Vorlauf und für Ziele in Übersee rund ein Jahr, um alle Formalitäten wie Visa und die Abstimmung mit Betrieb und Berufsschule regeln zu können“, empfiehlt Stefan Metzdorf.

Unterstützung bekommt man dabei an verschiedenen Stellen. So gibt es in einigen Industrie- und Handelskammern (IHK) Ansprechpartner, die sich im Beraternetzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ zusammengeschlossen haben und Azubis individuell beraten. Oft helfen auch Berufsschulen: Viele haben Austauschprogramme oder Kontakte ins Ausland. Das gilt übrigens ebenfalls für Berufsfachschüler, die sich in einer vollzeitschulischen Ausbildung befinden.

Gute Anlaufstellen sind darüber hinaus die Ausbildungsunternehmen und -betriebe. Nicht selten haben sie Beziehungen zu einem Partnerunternehmen oder eine Niederlassung im Ausland. Außerdem kann man sich an die Kollegen von Stefan Metzdorf bei der IBS wenden: Sie beraten Interessierte telefonisch oder per E-Mail, welche Programme für sie infrage kommen, was sie bei der Bewerbung und Planung berücksichtigen müssen und wie sie vorgehen sollten.

Blick über den Tellerrand wichtig

Wer bereits vor Beginn der Ausbildung weiß, dass er ins Ausland möchte, kann sogar noch früher die Weichen dafür stellen. Robert Rauchstein, Berater bei der Agentur für Arbeit im nordrhein-westfälischen Coesfeld, rät: „Interessierte können sich gezielt bei Unternehmen bewerben, die einen solchen Aufenthalt fest in ihrer Ausbildung verankert haben.“ Das könnten solche sein, die international aufgestellt sind oder Zweigstellen im Ausland haben. Außerdem gebe es Ausbildungen, bei denen ein Auslandsaufenthalt dazugehöre. Sogar deutsche Ausbildungen, die komplett im Ausland angeboten werden, gibt es – beispielweise in Hongkong oder Spanien, wo man Berufe wie Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel lernen kann.

„Grundsätzlich kann man bei jeder Ausbildung einen Teil im Ausland absolvieren“, erläutert der Berater. Das ist auch im Berufsbildungsgesetz verankert: Demnach muss der Aufenthalt aber dem Ausbildungsziel dienen und soll ein Viertel der Ausbildungsdauer nicht überschreiten. „Das muss man jedoch mit seinem Ausbildungsbetrieb, der Schule und der IHK absprechen – einen rechtlichen Anspruch auf einen Auslandsaufenthalt hat man nicht.“ Robert Rauchsteins Erfahrung nach unterstützen allerdings viele Unternehmen solche Pläne und helfen bei der Organisation.

„Die Märkte werden internationaler, da ist der Blick über den Tellerrand für jeden wichtig“, fasst der Berater zusammen. Für den Auslandsaufenthalt müsse man nicht unbedingt weit reisen, auch wenn dieser theoretisch weltweit möglich ist. Oft sei die Organisation allerdings wegen Visa und anderer Formalitäten aufwendiger und mit höheren Kosten verbunden. „In Europa ist es als EU-Bürger dagegen einfach, in einem anderen Land zu arbeiten.“ Der Experte ist sich jedenfalls sicher: „Die erworbene interkulturelle Kompetenz und die sich in der Praxis bewährenden Sprachkenntnisse können später als Turbo in der Karriere wirken.“

Keine Hemmungen haben!

Auch Stefan Metzdorf ermutigt Azubis zu diesem Schritt. „Viele haben Hemmungen und denken, dass sie sehr gute Noten brauchen, dass das viel Geld kostet oder dass ihre Sprachkenntnisse nicht ausreichen.“ Das stimme aber nicht. Programme wie Erasmus+ seien keine Bestenförderung, sondern haben zum Ziel, möglichst vielen einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen – die Zugangsvoraussetzungen seien eher niedrigschwellig und die Kosten würden meist gut gedeckt.

„Gut ausgestaltete Lernaufenthalte im Ausland bewirken einen Sprung in der Persönlichkeitsentwicklung. Die Erfahrung, verschiedene Arbeitssituationen im Ausland bewältigt zu haben, kann sehr stolz machen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung

www.na-bibb.de

ZAV Auslandsvermittlung

www.zav-auslandsvermittlung.de

Erasmus+

www.machmehrausdeinerausbildung.de
www.erasmusplus.de

Mobilitätscoachs bei Berufsbildung ohne Grenzen

www.mobilitaetscoach.de

Wege ins Ausland

www.go-ibs.de

Europass

www.europass-info.de

Ausbildung international

www.ausbildunginternational.de

xChange

www.xchange-info.net

abi>> 25.06.2018