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Was macht Politikwissenschaftler für Arbeitgeber interessant?

Junger Mann überprüft einen Ausdruck. Foto: Isabella Fischer
Nur ein Einsatzort von vielen: Politikwissenschaftler in der Verwaltung.
Foto: Isabella Fischer

Politikwissenschaftler – Interview

Was macht Politikwissenschaftler für Arbeitgeber interessant?

Felix W. Wurm ist Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW). Er erzählt, warum Politikwissenschaftler für Arbeitgeber interessante Mitarbeiter sind und wie Studierende ihren Berufseinstieg vorbereiten können.

abi>> Wie beurteilen Sie aktuell die Arbeitsmarktchancen von Absolventen der Politikwissenschaft?

Felix W. Wurm: Mir liegen zwar keine aktuellen, bundesweiten Absolventenstudien vor, aber aus den Rückmeldungen von Kollegen hier an der Universität und aus unserer Vereinigung, die etwa 1.800 Mitglieder zählt, habe ich den Eindruck, dass die Möglichkeiten gut sind. Manche Absolventen finden zwar erst mit einer gewissen Verzögerungszeit eine studienadäquate Tätigkeit, aber nichtsdestotrotz: Gute Jobmöglichkeiten sind vorhanden.

abi>> Was verstehen Sie unter studienadäquaten Stellen?

Ein Porträt-Foto von Felix W. Wurm

Felix W. Wurm

Foto: privat

Felix W. Wurm: Darunter verstehe ich Stellen, in denen die Absolventen ihre im Studium erworbenen Qualifikationen anwenden können. Zu diesen Qualifikationen gehören vor allem analytisches Denken sowie der strukturierte Umgang mit bestimmten Fragestellungen. Die Absolventen sind Generalisten. Sie wissen, wie man sich systematisch in neue Themengebiete einarbeitet und können dabei auch mal gegen den Strich denken. Das sind Kompetenzen, die von Arbeitgebern sehr geschätzt werden.

abi>> In welchen Arbeitsbereichen kommen Politikwissenschaftler unter?

Felix W. Wurm: Klassische Einsatzfelder finden sich etwa in der öffentlichen Verwaltung, bei Verbänden, Parteien, Kommunen und Landtagen, aber auch in den Büros der Bundestagsabgeordneten oder in Institutionen der EU. Darüber hinaus kommen auch viele Absolventen in Wirtschaftsunternehmen unter, etwa in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder im Projektmanagement.

abi>> Das ist ja eine enorme Bandbreite …

Felix W. Wurm: Diese Bandbreite ist Vor- und Nachteil zugleich. Absolventen haben viele Möglichkeiten, sollten sich aber gleich zu Beginn des Studiums Gedanken machen, in welche Richtung sie später gehen wollen und sich dann auch entsprechende Zusatzqualifikationen aneignen.

abi>> An welche Zusatzqualifikationen denken Sie dabei?

Felix W. Wurm: Unter anderem an typische Büroqualifikationen wie den Umgang mit EDV. Angefangen vom Erstellen von Serienbriefen bis zur Buchhaltung. Wenn Sie zum Beispiel in kleineren Verbänden tätig sind, ist es ein Vorteil, wenn Sie sich mit Themen wie Buchführung und dem Geschäftsabschluss auskennen. Viele Studierende sammeln ja auch bereits erste praktische Erfahrungen, indem sie während ihres Studiums etwa bei NGOs aktiv sind, sich bei Greenpeace, Amnesty International oder Attac engagieren oder verschiedene Praktika absolvieren.

abi>> Aktuell sind so viele Studierende im Fach Politikwissenschaft eingeschrieben wie seit 2006 nicht mehr. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Felix W. Wurm: Es wäre sicherlich interessant, das einmal zu untersuchen. Mein Eindruck ist, dass das Fach Politikwissenschaft in den vergangenen 20 Jahren bekannter geworden ist, weil Politikwissenschaftler in den Medien präsenter sind. Ob Trump, Koalitionsverhandlungen oder Ukraine-Konflikt: In Diskussionsrunden analysieren sie das Zeitgeschehen und schreiben in den Feuilletons bekannter Zeitungen. Ich kann mir vorstellen, dass das einen Effekt hat.

abi>> Und Fernsehserien wie „House of Cards“?

Felix W. Wurm: Ganz ehrlich? (lacht) Die habe ich noch nie gesehen.

abi>> 18.01.2018