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"Auf dem Arbeitsmarkt zählt das gesamte Profil"

Detailaufnahme von Büchern in einem Bücherregal.
Psychologen ergänzen ihre Kompetenzen häufig durch Fortbildungen oder durch ein Selbststudium.
Foto: Hans-Martin Issler

Interview

"Auf dem Arbeitsmarkt zählt das gesamte Profil"

Wie gelingt der Berufseinstieg als Psychologe? Darüber sprach abi>> mit Fredi Lang vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).

abi>> Psychologen können in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig werden. Wie wichtig ist eine Spezialisierung während des Studiums, damit der Berufseinstieg gelingt?

Ein Porträt-Foto von Fredi Lang

Fredi Lang

Foto: Privat

Fredi Lang: Auf dem Arbeitsmarkt zählt vorrangig nicht die hohe Spezialisierung, sondern das gesamte Profil. Es ist sinnvoll, sich erst mit der Wahl eines Masterstudiums auf einen Bereich festzulegen und die Bachelorzeit zu nutzen, die unterschiedlichen Anwendungsfelder kennenzulernen. Für den Zugang zum Arbeitsmarkt sind die praktischen Erfahrungen, die man beispielsweise während des Masters sammelt, sowie der Schwerpunkt wichtig, den man in der Abschlussarbeit wählt. Der Arbeitsmarkt goutiert vor allem Absolventen, die einen Master mit zwei Schwerpunkten – etwa klinische und Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie – machen. Unternehmen, die einen Psychologen einstellen, erwarten, dass dieser neben fachlichen Aufgaben eventuell auch Leitungsfunktionen übernehmen kann.

abi>> Gibt es Felder, in denen der direkte Einstieg nach dem Studium nicht so sinnvoll ist, weil sie Berufserfahrung erfordern?

Fredi Lang: Zur Bewältigung hochkomplexer Aufgaben und für den Umgang mit Erwartungshaltungen und Belastungen sind Kompetenzen aus langjähriger praktischer Arbeit erforderlich. Auf einer Palliativstation betreut man beispielsweise sowohl das Team aus Ärzten, Pflegepersonal und Ehrenamtlichen, als auch Angehörige und Sterbende. Bei solchen Aufgaben ist eine Anleitung und Einarbeitung sinnvoll und notwendig. Je komplexer und spezieller die Aufgaben sind, umso mehr Berufserfahrung ist hilfreich und erforderlich, um sich nicht zu überfordern.

abi>> Sind Fortbildungen üblich?

Fredi Lang: Psychologen waren schon immer neugierig, also Fortbildungen sehr zugeneigt. In vielen Bereichen hat man bereits hohe Kompetenzen, aber man kann sein Repertoire sowohl auf der Wissens- als auch auf der Ebene der Interventionstechniken durch Fortbildungen oder Selbststudium vertiefen. An Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen sowie im höheren öffentlichen Dienst wird oft ein Doktortitel erwartet.

abi>> Wie sehen die Karrierechancen grundsätzlich aus?

Fredi Lang: Grundsätzlich ist es wichtig, bei der Berufswegplanung die gesellschaftlichen Entwicklungen im Blick zu behalten. Man muss wissen, wo sich zukünftig ein Bedarf entwickelt. Wenn man mit Themen wie Stressbewältigung, Diversity (Anm. d. Red.: Diversity bedeutet Vielfalt und beschreibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Menschen), Vereinbarkeit von Beruf, Kindern und Pflege zum richtigen Zeitpunkt auf Unternehmen zugeht, dann ist man gefragt. Die Psychologie ist aber nicht unbedingt eine Disziplin, mit der man reich werden kann. Es gibt Bereiche, in denen man richtig gut verdient, in anderen verdient man „ordentlich“. Das hängt auch vom – unternehmerischen – Ehrgeiz ab.

abi>> 10.09.2015