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Das richtige Studium!

Schild mit der Aufschrift "Soziales" steht in einem Flur.
Ein Studium der Sozialen Arbeit oder der Sozialpädagogik ist der Türöffner für eine Anstellung im Sozialwesen.
Foto: Hans-Martin Issler

Sozialarbeiter/Sozialpädagogen – Interview

Das richtige Studium!

Vom Stellenangebot über die Bezahlung bis hin zu Karriereoptionen: Der Arbeitsmarkt im Sozialwesen sieht gut aus, erklärt Gabriele Stark-Angermeier im abi>> Interview. Die zweite Bundesvorsitzende des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) betont aber auch, dass der Zugang ohne fachspezifisches Studium schwierig ist.

abi>> Frau Stark-Angermeier, der Arbeitsmarkt für Sozialpädagogen und Absolventen des Studiengangs Soziale Arbeit sieht seit Jahren sehr gut aus. Wo besteht der größte Bedarf?

Gabriele Stark-Angermeier: Zwischen 60 und 75 Prozent aller Stellen kommen aus der Kinder- und Jugendhilfe. In den vergangenen drei Jahren sind im Bereich der Asylarbeit viele Stellen geschaffen worden, vor allem in der Sozialberatung und Begleitung. Da die Anzahl der ankommenden Flüchtlinge aber wieder zurückgegangen ist, verändert sich die Situation. Viele dieser Stellen waren häufig auf drei Jahre befristet und laufen nun aus. Meist wird versucht, das Personal zu qualifizieren und in andere Bereiche zu vermitteln. Das funktioniert aber nur, wenn jemand zum Beispiel Soziale Arbeit studiert hat. Ohne den Abschluss ist es schwierig, dauerhaft angestellt zu werden.

abi>> Warum ist das Studium so wichtig für den Berufszugang?

Ein Porträt-Foto von Gabriele Stark-Angermeier

Gabriele Stark-Angermeier

Foto: privat

Gabriele Stark-Angermeier: Die meisten Stellenangebote richten sich an Absolventen der Studiengänge „Soziale Arbeit“ und „Sozialpädagogik“. Die Bezeichnungen der Studiengänge können je nach Bundesland und Hochschule ganz unterschiedlich sein – wichtig ist, dass der Studiengang eine staatliche Anerkennung beinhaltet. Das bedeutet, dass unter anderem ein 20-wöchiges Praktikum im Sozialwesen integriert ist und auch Rechtskenntnisse im Sozialwesen sowie Methodenlehre vermittelt werden. Dieses Wissen ist notwendig, wenn man später zum Beispiel im öffentlichen Dienst etwa im Kinder- und Jugendbereich tätig werden möchte.
Auch Universitäten bieten den Studiengang Sozialpädagogik an, jedoch ohne staatliche Anerkennung. (siehe Reportage „‚Verhandeln‘ zum Wohl der Kinder“) Das wirkt sich dann später auf den Zugang zum Arbeitsmarkt und auch auf den Verdienst und die Aufstiegsmöglichkeiten aus. Insofern ist der Abschluss wirklich wichtig! Man kann dieses 20-wöchige Praktikum auch nicht so einfach nachholen.

abi>> Werden die Verdienstmöglichkeiten häufig unterschätzt?

Gabriele Stark-Angermeier: Wir reden hier zwar nicht von hohen Managergehältern, aber die großen Arbeitgeber wie der öffentliche Dienst, die Wohlfahrtsverbände und konfessionsgebundene Arbeitgeber richten sich nach dem gemeinsamen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Einsteiger können im Schnitt 2.700 Euro brutto verdienen, nach fünf Jahren liegen sie dann bei über 4.000 Euro. Häufig kommen Sonderleistungen hinzu. Über Weiterqualifizierungen kann man sich zudem auf eine Leitungsfunktion vorbereiten.

abi>> Warum sind Teilzeitstellen und befristete Stellen so weit verbreitet?

Gabriele Stark-Angermeier: Befristete Stellen hängen stark vom Arbeitsfeld ab. Oftmals geht es dabei um zeitlich begrenzte Projekte oder um Aufbaustellen. Da aktuell der Bedarf an Fachkräften hoch ist, gibt es aber auch sehr viele unbefristete Angebote.
Die Teilzeitfrage ist eine ganz andere und hängt oft mit den Bedürfnissen der Bewerber zusammen. Manche möchten nicht Vollzeit arbeiten, weil sie ein Hobby, ein Ehrenamt oder andere Interessen haben. Hinzu kommt, dass nach wie vor sehr viele Frauen im Sozialwesen tätig sind, die je nach Familiensituation ihre Stunden nach Bedarf runter- und wieder raufstufen. Natürlich nehmen auch Männer, die im Sozialwesen arbeiten, diese Option in Anspruch.

abi>> Warum verzeichnen Studiengänge im Sozialwesen, allen voran „Soziale Arbeit“, ein so deutliches Plus bei den Anfängerzahlen?

Gabriele Stark-Angermeier: Zum einen hat es sich herumgesprochen, dass die Verdienstmöglichkeiten nicht so schlecht sind wie oft behauptet. Zum anderen ist es ein sinnstiftendes Arbeitsfeld. Sich für Menschen und die Gesellschaft zu engagieren, ist für viele ein wichtiges Argument. Wenn man sich aus uneigennützigen Motiven für diesen Bereich entscheidet, muss man jedoch aufpassen, dass man sich nicht aufarbeitet.

abi>> 19.06.2017