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In bester Gesellschaft

Ein leerer Hörsaal
Forschung an Hochschulen ist nur eine Berufsmöglichkeit, die Soziologen nach dem Studium haben.
Foto: Thorsten Thiel

Soziologen

In bester Gesellschaft

Ob in der Sozial- und Meinungsforschung, in Verbänden und Gewerkschaften oder in politischen Parteien und im Bildungsbereich – das Fachwissen von Soziologen ist in vielen Berufsfeldern gefragt. Dabei geht es grundsätzlich stets um den Menschen in der für ihn relevanten Gesellschaft.

Mich hat interessiert, wie die Gesellschaft die Menschen in ihren Aktivitäten beeinflusst“, erklärt Moritz Niehaus seine Studienwahl. Deshalb hat er an den Universitäten in Jena und Santiago de Chile Soziologie, Psychologie und Marketing studiert: „Dabei lag mein Schwerpunkt auf der Betriebssoziologie.“ Diese befasst sich mit sozialen Strukturen und sozialem Verhalten im Betrieb. So wundert es wenig, dass der Soziologe nach einem Zwischenstopp als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden inzwischen als Gewerkschaftssekretär für die IG Metall in Köln arbeitet. Dort setzt er sich für Beschäftigte in Industrie und der Dienstleistungsbranche ein.

Für Arbeitnehmerinteressen eintreten

Moritz Niehaus

Moritz Niehaus

Foto: Privat

Bereits 2012 begann er bei der IG Metall ein einjähriges Traineeprogramm. Währenddessen durchlief er mehrere Stationen, bevor er seine aktuelle Stelle in Köln antrat. Zu seinen Aufgaben zählt dort die Beratung von Mitgliedern: „Zum Beispiel berate ich einzelne Mitglieder bei Fragen zu Arbeitsvertragsregelungen oder Betriebsräte, wenn es um eine neue Betriebsvereinbarung geht.“ Darüber hinaus spricht er bei Betriebsversammlungen und organisiert die Arbeit mit Ehrenamtlichen.

Wichtig ist dabei die Motivation, Arbeitnehmerinteressen zu vertreten. „Ein hohes Maß an Flexibilität für sich rasch ändernde Aufgabenprioritäten und eine gewisse Belastbarkeit sind ebenfalls entscheidend“, fasst Moritz Niehaus das Anforderungsprofil zusammen. An seiner Arbeit gefällt ihm die große Themenvielfalt und die damit verbundenen Entwicklungsmöglichkeiten: „Zum Beispiel absolviere ich derzeit eine Weiterbildung im Bereich Arbeitsrecht“, sagt der Soziologe.

Versteckte Karrierechancen

Laut Mikrozensus waren 2012 rund 66.000 Studienabsolventen der Sozialwissenschaften erwerbstätig. Allerdings arbeiteten nur etwa 6.000 als Sozialwissenschaftler im engeren Sinne. „Viele Stellenausschreibungen richten sich nicht explizit an Sozialwissenschaftler, werden jedoch durch sie besetzt, weil die konkrete Tätigkeit viele sozialwissenschaftliche Kenntnisse erfordert“, stellt Bernd Vonhoff klar, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Soziologinnen und Soziologen e.V.

Christian Mackenrodt, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt: „2014 führte die Beschäftigungsstatistik 2.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf, die explizit ‚Soziologe‘ als Beruf nannten – bei insgesamt 53.000 Menschen mit einem Beruf in den Gesellschaftswissenschaften.“ 1.600 Arbeitslose gaben im genannten Jahr „Soziologe“ als Zielberuf an, verglichen mit insgesamt 5.500 arbeitslos gemeldeten Gesellschaftswissenschaftlern. „Dem stehen lediglich rund 100 Stellenangebote für Soziologen und 450 für Gesellschaftswissenschaftler gegenüber“, erläutert der Arbeitsmarktexperte.

Wenn es um Menschen geht

Im Wintersemester 2013/14 begannen 2.764 Studierende ein Soziologiestudium an einer deutschen Hochschule, ermittelte das Statistische Bundesamt. Und 2.957 Studierende absolvierten im selben Jahr erfolgreich ihre Prüfungen. Die Berufsmöglichkeiten nach dem Studium gestalten sich vielfältig. Sie reichen von der Markt- und Meinungsforschung über den redaktionellen Bereich bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit sowie zur Forschung an Hochschulen und Instituten. Auch der (Weiter-)Bildungssektor gehört zu den typischen Tätigkeitsfeldern von Soziologen. Bernd Vonhoff erweitert das Bild: „Unabhängig vom inhaltlichen Kontext sind Soziologen in der Lage, komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen. Viele Unternehmen möchten Sozialwissenschaftler daher nicht mehr missen, zum Beispiel im Projektmanagement.“

Wer im Studium schon weiß, in welchem Bereich er später gerne arbeiten würde, kann durch die Wahl bestimmter Fächer bereits an der Hochschule Schwerpunkte setzen. Wer etwa eine Tätigkeit in der Markt- und Meinungsforschung anstrebt, profitiert von Statistikseminaren, während beispielsweise für das Feld Interessensvertretung oder Personalmanagement rechtswissenschaftliche Vorlesungen relevant sind.
Nur eine Minderheit der Soziologie-Absolventen promoviert. „Viel wichtiger ist es, sich ständig weiterzubilden. Gerade wenn Soziologen in augenscheinlich fachfernen Bereichen arbeiten, ist ein vertieftes Verständnis der jeweiligen Branche unerlässlich, um erfolgreich zu sein“, empfiehlt Bernd Vonhoff.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Soziologie)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Soziologie)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET der Bundesagentur für Arbeit

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Soziologie)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen e.V.

http://bds-soz.de

Deutsche Gesellschaft für Soziologie

www.soziologie.de

European Sociological Association (ESA)

www.europeansociology.org

International Sociological Association

www.isa-sociology.org

Verein zur Förderung sozialwissenschaftlicher Praxis (SOPRA) der Ruhr-Universität Bochum

www.sowi.rub.de/sopra/index.html.de

Sowionline.de – Jobportal für Sozialwissenschaftler

www.sowionline.de

abi>> 29.07.2015