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„Bauingenieure sind eher die kühlen Rechner“

Detailaufnahme von einem Bauplan.
Da die Baubranche boomt, sind Bauingenieure und Architekten am Arbeitsmarkt derzeit gefragt.
Foto: Martin Rehm

Interview

„Bauingenieure sind eher die kühlen Rechner“

Diplomingenieur und Architekt Christoph Schild ist Präsidiumsmitglied beim Bund deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. Im Interview mit abi>> beantwortet er Fragen zu Studium und Arbeitsmarkt.

abi>> Welche aktuellen Trends dominieren die Baubranche?

Christoph Schild: Wir haben derzeit eine konjunkturell sehr gute Lage, so dass es einen hohen Bedarf an Bauingenieuren und Architekten gibt und die Arbeitgeber um die Absolventen konkurrieren. Auch Kommunen und Städte stellen wieder verstärkt ein. Insbesondere im Bezug auf die Infrastruktur, also Straßenbau und Tiefbau, ist die Nachfrage groß. Aber auch im Energiebereich, also wenn es um den Bau von Windanlagen auf dem Land oder Wasser geht, sind Bauingenieure gefragt. Und schließlich ist gerade der Wohnungsbau eine der großen Zukunftsaufgaben für Architekten.

abi>> Welche Kenntnisse und Soft Skills müssen Bauingenieure und Architekten mitbringen, um in diesen Tätigkeitsfeldern erfolgreich zu sein?

Ein Porträt-Foto von Christoph Schild

Christoph Schild

Foto: privat

Christoph Schild: Während in größeren Ingenieur- oder Architekturbüros auch Spezialkenntnisse gefragt sind, arbeiten in kleineren Teams die Allrounder. Teamfähigkeit ist dabei sehr wichtig, denn Bauingenieure und Architekten müssen von Anfang an vernetzt arbeiten. Darüber hinaus gilt es, Aufgaben zu koordinieren, Ergebnisse zu präsentieren und Projektgespräche zu leiten. Bauingenieure und Architekten müssen sich auf unterschiedliche Zielgruppen einstellen können. Außerdem müssen Bauingenieure und Architekten bereit sein, ihr Wissen selbständig zu erweitern, da die Anforderungen, Gesetze und Techniken sich immer wieder verändern.

abi>> Wie gelingt der Berufseinstieg?

Christoph Schild: Während Architekten im Studium eine allgemeine Ausbildung genießen, können sich Bauingenieure schon früh beispielsweise auf den Straßenbau, den Wasser- oder Hafenbau oder auf die Tragwerksplanung spezialisieren. Ich persönlich rate Interessierten, vor dem Studium eine handwerkliche Ausbildung zu absolvieren oder im Studium viel Praxiserfahrung zu sammeln – auch wenn sich die Studienzeit dadurch verlängert. Denn durch die Pflichtpraktika bekommen die Studierenden meiner Meinung nach einen zu geringen Einblick in die Arbeitswelt. Darüber hinaus empfehle ich Bachelorabsolventen, einen Master anzuschließen. Insbesondere für Architekten ist der zweite Abschluss wichtig, weil sie sich sonst nicht in der Kammer eintragen lassen und keine eigenen Bauanträge stellen können.

abi>> Was müssen Abiturienten außerdem wissen, wenn sie sich für eine Tätigkeit in der Baubranche interessieren?

Christoph Schild: Bauingenieure waren schon immer eher die kühlen Rechner: Sie wählen den Arbeitgeber, der ihnen die besten Bedingungen bietet und fahren damit nicht schlecht. Wenn es um den Beruf des Architekten geht, haben viele Abiturienten dagegen immer noch ein verklärtes Bild von einem Künstler, der viel Geld verdient. Doch die Umfragen der Bundesarchitektenkammer zeigen, dass die durchschnittlichen Gehaltsperspektiven für den Beruf wesentlich weniger attraktiv sind als früher. Auch inhaltlich ist dieser Beruf viel stärker von rechtlichen und technischen Anforderungen eingefasst, als es viele von einem eher gestalterischen Beruf erwarten würden. Das sollten Abiturienten bei der Studien- und Berufswahl im Kopf haben.

abi>> 01.08.2016