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Vom Entwurf bis zum Bauwerk

Ein Mann sieht sich auf einer Baustelle mit einem Kollegen einen Bauplan an.
Während Architekten als Generalisten alle Fachplanungen koordinieren, führen Bauingenieure spezialisierte Arbeiten aus.
Foto: Martin Rehm

Bauingenieure und Architekten

Vom Entwurf bis zum Bauwerk

Die Baubranche boomt. Davon profitieren auch Bauingenieure und Architekten, die auf dem Arbeitsmarkt gute Perspektiven haben. Zudem erwartet sie ein abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld.

Als Bauingenieurin im Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Erlangen ist Tanja Zischler für alles zuständig, was mit der Verkehrsmittelplanung und dem Öffentlichen Personennahverkehr zu tun hat. Sie plant also, welche Bahnen und Busse wohin fahren, sorgt dafür, dass die Haltestellen die verkehrlichen und baulichen Standards erfüllen und unter anderem barrierefrei sind, hält Kontakt zu Verkehrsunternehmen und beantwortet Fragen von Bürgern und ÖPNV-Kunden. Außerdem beschäftigt sie sich zum Beispiel mit Planfeststellungsverfahren, wenn es etwa um den Ausbau von Autobahnen geht. „Manchmal beschweren sich Bürger über bestimmte Linien oder informieren sich über die Lärmbelastung, die durch eine geplante Straße bevorsteht. Da ist es manchmal eine Herausforderung, kühlen Kopf zu bewahren, fachlich zu antworten und sich nicht persönlich angegriffen zu fühlen, falls der Ton mal rauer wird“, erzählt die 29-Jährige.

Ein Porträt-Foto von Tanja Zischler

Tanja Zischler

Foto: Ludmilla Pieper

Ursprünglich hatte Tanja Zischler Architektin werden wollen, weil sie sich als Schülerin für Gestaltung und Technik interessierte. Doch die Jobaussichten waren für Bauingenieure besser, so dass sie sich für diesen Studiengang entschied: „Mathe und Naturwissenschaften hatten mir in der Schule immer viel Spaß gemacht und der Studiengang war sehr vielfältig. Besonders interessant fand ich den Bereich Infrastruktur und Verkehrswesen, der im Architekturstudium kaum Raum einnimmt“, erklärt sie. Schon während ihres Bachelor-Studiengangs an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm hatte Tanja Zischler ein Praktikum auf einer Tunnelbaustelle in Norwegen und ein Praxissemester bei der Autobahndirektion Nordbayern in Nürnberg gemacht. Nach dem Abschluss stieg sie dann zunächst beim Service- und Dienstleistungskonzern Bilfinger SE in Wiesbaden ein, bevor sie vor drei Jahren zur Stadt Erlangen wechselte. „Gerade in der Verkehrsplanung ist viel in Bewegung, so dass es nicht langweilig wird. Der öffentliche Dienst bietet mir aber nicht nur spannende und vielfältige Aufgaben, sondern auch ein gutes Gehalt und geregelte Arbeitszeiten“, erklärt die Bauingenieurin. Zurzeit ist sie noch als Sachbearbeiterin tätig, irgendwann würde sie sich gerne als Sachgebietsleiterin neben der fachlichen Arbeit auch der Personalführung widmen.

Räume planen, Brücken bauen

Während Architekten als Generalisten alle Fachplanungen koordinieren, führen Bauingenieure spezialisierte Arbeiten aus. „Architektur ist die Kunst, Räume zu artikulieren, so ähnlich hat es der Schriftsteller Umberto Eco zum Ausdruck gebracht“, erklärt Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. Angehende Architekten sollten Kreativität, Empathie, gestalterische Fähigkeiten, wirtschaftliches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen mitbringen. Aber auch beste Kenntnisse der Technik und ein Überblick über den Markt der Bauprodukte sind Grundvoraussetzungen.

Ein Porträt-Foto von Barbara Ettinger-Brinckmann

Barbara Ettinger-Brinckmann

Foto: privat

„Dass man unternehmerisch denken und handeln können muss, wenn man sein eigenes Büro führen möchte, dürfte auf der Hand liegen. Managementprinzipien und wirtschaftliches Know-how sind dafür unerlässlich. Ebenso wie die intensive Auseinandersetzung mit der Digitalisierung, permanentes Controlling zur Steuerung von Kosten, Terminen und Qualität sowie die Organisation von Kommunikation sowie Marketingkenntnisse“, sagt Barbara Ettinger-Brinckmann.
Etwa die Hälfte der Architekten entscheidet sich für den Gang in die Selbständigkeit. Wer das nicht möchte, findet unter anderem in Architektur-, Ingenieur- und Konstruktionsbüros, in Unternehmen der Bauindustrie, bei Bauträger- und Wohnungsbaugesellschaften und in Immobilienfirmen eine Anstellung. Auch eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst ist möglich, etwa in Bauämtern.

Die Berufsbezeichnung Architekt/in ist geschützt. So darf sich nur nennen, wer in die Architektenliste der Architektenkammer eines Bundeslandes eingetragen ist. Die Voraussetzungen dafür bestimmen die einzelnen Länder. In der Regel werden jedoch ein mindestens vierjähriges Vollzeitstudium sowie zwei Jahre Berufspraxis vorausgesetzt. Heißt im Klartext: Der Bachelor alleine reicht für den Titel des/der Architekten/-in im Normalfall nicht aus.

Für Mathefreaks mit Kommunikationstalent

Das Tätigkeitsfeld des Bauingenieurs ist im Gegensatz dazu technischer ausgerichtet. Bauingenieure setzen sowohl im Verkehrs-, Wasser- und Tiefbau als auch im Hochbau Entwürfe von Bauwerken um. Manchmal entwerfen sie diese Pläne auch selbst – etwa bei Brücken. Beschäftigung finden Bauingenieure zum Beispiel bei Betrieben des Hoch- und Tiefbaus, in der Immobilienwirtschaft oder in Architektur- und Ingenieurbüros. Außerdem arbeiten sie im öffentlichen Dienst, etwa in kommunalen Baureferaten und -ämtern sowie in Betrieben der Baustoffindustrie.

Wer im Bauwesen arbeiten möchte, braucht vielfältige Kompetenzen. „Voraussetzung sind solide Fachkenntnisse, die bei Bauingenieuren schwerpunktmäßig im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich liegen. Dabei spielt natürlich auch die Digitalisierung der Bauprozesse eine immer größere Rolle. Mindestens ebenso wichtig wie fachliche Grundlagen sind soziale Kompetenzen. Teamarbeit beziehungsweise die Bereitschaft, mit anderen eng zusammenzuwirken, ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit am Bau“, sagt Diplom-Ingenieur Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V. Auch Fremdsprachkenntnisse seien von Vorteil, weil viele Bauunternehmen auch international tätig sind. „Verständigung auf der Baustelle ist das A und O“, so der Verbandssprecher. Das Wichtigste sei aber natürlich die Freude und das Interesse an der Tätigkeit des Bauingenieurs.

Wer als Architekt oder Bauingenieur in den Arbeitsmarkt einsteigen will, hat gute Chancen. „Die Erwerbstätigkeit steigt und die Nachfrage nach Architekten und Bauingenieuren liegt auf dem höchsten Niveau der vergangenen Jahre. Die Arbeitslosigkeit fällt sehr gering aus und ist zudem rückläufig“, sagt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Angesichts steigender Studierendenzahlen sei für die nächsten Jahre allerdings von zunehmendem Fachkräftepotenzial auszugehen: Seit sieben Jahren ist ein verstärktes Interesse am Studium des Bauingenieurwesens zu spüren; in der Architektur steigen die Studierendenzahlen seit sechs Jahren. Der Frauenanteil betrug im Bauingenieurwesen 28 Prozent und war damit so hoch wie in kaum einem anderen ingenieurwissenschaftlichen Fach. Nur in den Studiengängen Architektur und Innenarchitektur waren Frauen mit 58 Prozent stärker vertreten.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte: Bauingenieur/-in, Architekt/-in).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchworte: Bauingenieur/-in, Architekt/-in).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie
www.bauindustrie.de

Bundesarchitektenkammer

www.bak.de

Bund deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V.

www.baumeister-online.de

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Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 1 „Bauwesen, Architektur, Vermessung“ in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter
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abi>> 01.08.2016

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