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An ungewöhnlichen Orten im Einsatz

Jemand stellt für eine Vermessung ein Tachymeter ein.
Laserscanner, Stative, Prismen, Referenzpunkte für Scanner – Vermessungsingenieure benötigen für Außeneinsätze jede Menge Ausrüstung.
Foto: Axel Jusseit

Vermessungsingenieure und -ingenieurinnen

An ungewöhnlichen Orten im Einsatz

Umwelt, Bauindustrie, Stadtentwicklung, Katastrophenschutz – Vermessungsingenieure finden in den unterschiedlichsten Branchen Arbeit. Statt für eine Festanstellung entscheiden sich viele für den öffentlichen Dienst oder die Selbstständigkeit.

Schleppen gehört dazu: Laserscanner, Stative, Prismen, Referenzpunkte für Scanner – wenn Hanna Duppel zu einem Außeneinsatz fährt, hat sie jede Menge Ausrüstung dabei. Mal ist die Vermessungsingenieurin in einem Chemiewerk beschäftigt, mal ist ihr Arbeitsplatz ein einsturzgefährdeter Stollen. Für das Stuttgarter Unternehmen Intermetric bearbeitet sie vor allem Projekte im Bereich 3-D- und Industrievermessung. „Ein Laserscanner legt eine Art Raster über die Umgebung und erfasst bei einer einzelnen Messung 40 Millionen Punkte, aus denen sich anschließend detailgetreue 3-D-Modelle, Schnittzeichnungen und Grundrisse entwickeln lassen“, erklärt die 27-Jährige.

Etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie bei Außeneinsätzen, die restliche Zeit verarbeitet sie die gesammelten Daten mit Hilfe spezieller Programme am Computer. Nach ihrem Bachelorabschluss 2013 an der Hochschule für Technik Stuttgart in Vermessung und Geoinformatik bewarb sie sich bei ihrem Arbeitgeber. Zu dessen Auftraggebern zählen vor allem Ämter, Verkehrsbetriebe sowie Bau- und Industrieunternehmen in ganz Deutschland.

Häufig vermisst Hanna Duppel Industrieanlagen oder Tunnel; manchmal auch alte, denkmalgeschützte Häuser, von denen keine Baupläne mehr existieren. Auch die Bühne des Staatstheaters Stuttgart hat sie schon vermessen. „Der Beruf führt mich an Orte, wo ich sonst nicht hinkommen würde – das finde ich spannend.“

Von der Navigation bis zur Städteplanung

Ein Porträt-Foto von Hanna Duppel

Hanna Duppel

Foto: Privat

Etwa 13.000 Vermessungsingenieure waren 2014 laut Mikrozensus in Deutschland erwerbstätig. Rund 7.000 von ihnen arbeiteten als Angestellte, knapp 4.000 als Beamte und fast 2.000 als Selbstständige. Das Vermessungswesen oder die Geodäsie, wie die Wissenschaft der Vermessung auch genannt wird, lässt sich grob in drei Fachbereiche unterteilen: Die Ingenieur-, die Landes- sowie die Katastervermessung. Während es bei der Ingenieurvermessung vor allem um das Bauen von Gebäuden, Straßen, Brücken und Tunneln geht, beschäftigt sich die Landesvermessung mit der kartenmäßigen Erfassung der Umgebung. Bei Katastervermessungen geht es meist darum, die Grenzen eines Grundstücks zu ermitteln oder neue Gebäude einzumessen, also ihre Größe zu ermitteln, damit sie in Karten auftauchen können.

Ob Laserscanning, Nahbereichsvermessung oder Erdbeobachtung durch Satelliten – die Methoden, die Vermessungsingenieure nutzen, sind genauso vielfältig wie ihre Einsatzgebiete. Sie arbeiten bei Unternehmen sowie in Ingenieur- und Architekturbüros, als Beamte im gehobenen oder höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst oder als Freiberufler, zum Beispiel als Berater oder Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure. Letztere sind an der Schnittstelle zwischen öffentlichem Dienst und freier Wirtschaft angesiedelt und agieren als Freiberufler. Sie werden jeweils von ihrem Bundesland bestellt (außer in Bayern) und mit der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben betraut.

Diplom-Ingenieur Wilfried Grunau, Präsident des Verbandes Deutscher Vermessungsingenieure (VDV), erklärt, welche Aufgaben die spezialisierten Ingenieure übernehmen: „Im Bereich Grund und Boden sind Vermessungsingenieure vor allem in der Städteplanung und -entwicklung tätig, in der Industrie kümmern sie sich zum Beispiel um die Planung und Überwachung von Bauwerken und Industrieanlagen. Wer Spaß an technischen Fragestellungen hat, ist hier richtig. Wer sich insbesondere für Informatik interessiert, sollte sich im Bereich Mobilität und Navigation umschauen.“

„Zukunftsträchtig sind alle Bereiche“

Ein Porträt-Foto von Wilfried Grunau

Wilfried Grunau

Foto: Privat

Auch im Umwelt- und Katastrophenschutz sind Vermessungsingenieure gefragte Experten: „Sie können etwa aus dem Sonnenstand und den -stunden in einer Siedlung ableiten, ob und wo sich die Installation von Solardächern lohnt. Auch an der Planung von Hochwasserschutzmaßnahmen sind sie beteiligt“, schildert Wilfried Grunau und ergänzt: „Zukunftsträchtig sind alle Bereiche.“ Das bestätigen auch die Zahlen der Arbeitsmarktstatistik. 2015 waren durchschnittlich rund 210 Vermessungsingenieure arbeitslos gemeldet. Dem gegenüber standen 170 Stellenangebote. „Alles in allem kann man also von einer guten Arbeitsmarktentwicklung sprechen“, kommentiert Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit.

Eine Unternehmensgründung unmittelbar nach dem Studium ist laut VDV-Präsident Wilfried Grunau keine Seltenheit: „Viele angehende Vermessungsingenieure entwickeln zum Beispiel im Rahmen ihrer Masterarbeit eine bestimmte Methodik, mit der sie sich dann selbstständig machen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Vermessungsingenieur/in)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Arbeitsplatz Erde

Initiative mehrerer Verbände mit Infos zu Studium, Ausbildung und dem Arbeitsalltag von Vermessungsingenieuren.
www.arbeitsplatz-erde.de

Verband Deutscher Vermessungsingenieure (VDV)

Berufsverband für Geodäsie und Geoinformatik
www.vdv-online.de

DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement

Berufsverband für Vermessungsingenieure
www.dvw.de

Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure (BDVI)

Verband mit mehr als 1.300 Mitgliedern
www.bdvi.de

abi>> 10.03.2016