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Top-Aussichten für (Innen-)Architekten

Sony-Center am Potsdamer Platz in Berlin
Mehr als Funktionsbauten: Kreative Architekten erschaffen Kunstwerke, wie das Sony-Center in Berlin.
Foto: Martin Rehm

Architekten – Hintergrund

Top-Aussichten für (Innen-)Architekten

Der anhaltende Bauboom beschert Architekten und Innenarchitekten einen stabilen Arbeitsmarkt mit guten Einstiegschancen. Das gilt nicht nur für die Privatwirtschaft, sondern auch für den öffentlichen Dienst.

Eine sanft geschwungene Bank, Schatten spendende Bäume, spritzige Wasserspiele: Die Neugestaltung des Wuppertaler Von-der-Heydt-Platzes ist Nalan Ciceks großes Projekt. Zusammen mit Kollegen des Ressorts Stadtentwicklung und Städtebau kümmert sich die 32-Jährige um die Organisation der Umbauarbeiten. Federführend war die Architektin für die Auslobung eines Wettbewerbs zuständig, der Landschaftsarchitekten aufforderte, ihre Vorschläge einzureichen: Ein Büro aus Lübeck gewann. Nun folgen Genehmigungs- und Ausführungsplanung, bei der der Entwurf detailliert ausgearbeitet wird. Später werden die Gewerke ausgeschrieben, also die einzelnen bautechnischen Arbeiten, Angebote gesichtet, Gespräche mit Firmen geführt und die Bauarbeiten betreut. „Wir begleiten das Projekt, bis der letzte Stein verlegt ist“, sagt Nalan Cicek.

Ein Porträt-Foto von Nalan Cicek

Nalan Cicek

Foto: privat

Die motivierte Planerin hat an der TU Dortmund ein Diplom-Architekturstudium mit Schwerpunkt Städtebau und Bauen im Bestand absolviert. Danach arbeitete sie in Architekturbüros, die in beiden Bereichen aktiv waren, sodass sie heute als Architektin und Stadtplanerin in der Architektenkammer eingetragen ist – ein Vorteil für ihre jetzige Anstellung, bei der Fachwissen beider Professionen gefragt ist.

Geschützte Berufsbezeichnung

Ein Porträt-Foto von Inga Stein-Barthelmes

Inga Stein-Barthelmes

Foto: Fred Wagner

Architekt, Innenarchitekt, Stadtplaner und Landschaftsarchitekt sind landesrechtlich geschützte Berufsbezeichnungen. Ein einschlägiges Studium allein berechtigt nicht dazu, diese Titel zu tragen. „Erst nach mindestens zwei Jahren Berufspraxis kann man einen Antrag auf Eintragung bei den Kammern einreichen“, erklärt Inga Stein-Barthelmes, Leiterin des Referats Wirtschaftspolitik bei der Bundesarchitektenkammer. Zwar könne man auch ohne Kammereintrag angestellt oder unter dem Label „Designer“ oder „Planungsbüro“ freiberuflich arbeiten. Manche Tätigkeiten, etwa das Stellen von Bauanträgen, seien dann aber nicht möglich. Zudem sei der Titel ein Signal an Kunden, da eingetragene Kammermitglieder sich beispielsweise regelmäßig fortbilden und eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen müssen.

Nach dem Studium ist in der Regel also zunächst die Arbeit in einem Angestelltenverhältnis angesagt. Aufgrund der guten Arbeitsmarktlage haben Absolventen derzeit gute Einstiegschancen, sagt Vera Schmitz, Präsidentin des bunds deutscher innenarchitekten (bdia): „Die Auftragslage in den Büros ist sehr gut, viele suchen Mitarbeiter.“

Fachkräfte gesucht

2017 habe die Nachfrage nach abhängig beschäftigten Architekten und Innenarchitekten einen neuen Hochstand im Zehnjahresvergleich erreicht, bestätigt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der im Jahresverlauf neu gemeldeten Arbeitsstellen lag bei 4.400. Die Arbeitslosigkeit wiederum falle mit 2.000 Arbeitslosen im Jahr 2017 sehr gering aus – und sei weiter rückläufig. Entsprechend beliebt ist das Studium, die Studierendenzahlen steigen: Im Wintersemester 2009/10 waren laut Statistischem Bundesamt 30.568 Studierende für Architektur und 3.242 für Innenarchitektur eingeschrieben, im Wintersemester 2016/17 bereits 37.755 beziehungsweise 3.557.

Nicht nur (Innen-)Architekturbüros und Unternehmen aus der Immobilienbranche stellen ein, auch der öffentliche Dienst „sucht händeringend nach Architekten“, so Inga Stein-Barthelmes. Dort würden Bewerber vermehrt mit einer attraktiven Arbeitsplatzgestaltung gelockt – Möglichkeit zum Homeoffice, gute technische Ausstattung, Fort- und Weiterbildungen. Denn beim Gehalt habe der öffentliche Dienst keinen Spielraum. Anders die (Innen-)Architekturbüros: „Das Anspruchsniveau der Absolventen an Arbeitsplatz und Gehalt sind gestiegen und viele Arbeitgeber sind zu Verhandlungen bereit“, beobachtet Dr. Thomas Welter, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA).

Da die Büros mit vielen anderen Arbeitgebern aus dem Bereich Immobilien um die Absolventen buhlten, herrsche erhöhter Fachkräftebedarf – und das trotz vieler Studierender und der Tatsache, dass auch der Weg in die Freiberuflichkeit meist in einem Angestelltenverhältnis beginnt. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte zunächst Berufserfahrung sammeln, Kontakte knüpfen sowie „Klinkenputzen und Klappern“, rät der Experte. Dr. Welter empfiehlt außerdem, Kooperationen mit anderen Architekten oder mit einem Innenarchitekten oder Stadtplaner einzugehen: „Drei Gründer können sich schneller den ersten Angestellten leisten als einer.“

Faire Arbeitsbedingungen

Ein Porträt-Foto von Thomas Welter

Thomas Welter

Foto: Till Budde

Die gute Baukonjunktur, bedingt etwa durch die starke Nachfrage nach neuem Wohnraum in Ballungszentren, sei abhängig von Faktoren wie dem günstigen Kapitalmarkt und der Niedrigzinspolitik. Sie führten zu vermehrten Kapitalanlagen in Immobilien, erklärt Dr. Welter. Er prognostiziert, dass die Konjunktur sich in den nächsten drei bis vier Jahren abkühlen wird.
Die gute Arbeitsmarktsituation sei aber neben der hohen Baunachfrage auch noch auf andere Aspekte zurückzuführen: „Die Zahl der Absolventen sinkt aufgrund des demografischen Wandels mittelfristig.“ Zudem beobachtet er einen Wertewandel: Die Absolventen legten deutlich mehr Wert auf faire Arbeitsbedingungen, die Zeit für Freunde und Familie lassen. „Das bedeutet unter anderem, dass man für eine Aufgabe, die früher von einer Person erledigt wurde, heute 1,2 Mitarbeiter berechnet. In größeren Büros kann das dazu führen, dass eine Stelle mehr geschaffen werden muss.“ Deswegen werden laut Dr. Welter auch diejenigen, die gerade erst mit dem Studium begonnen haben, „auf einen verhältnismäßig fairen Markt mit relativ fairen Einstiegskonditionen treffen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Architekt).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Architektur).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: Architektur).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Bundearchitektenkammer (BAK)

Die Bundesarchitektenkammer e.V. ist ein Zusammenschluss der 16 Länderarchitektenkammern in Deutschland. Sie vertritt auf nationaler und internationaler Ebene die Interessen von fast 135.000 Architekten gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
www.bak.de

Bund Deutscher Architekten (BDA)

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) ist eine Vereinigung von rund 5.000 freischaffenden Architekten und Stadtplanern. Er gliedert sich in 16 Landesverbände sowie regionale und städtische Untergruppen.
www.bda-bund.de

bund deutscher innenarchitekten (bdia)

Der bund deutscher innenarchitekten (bdia) ist der Berufsverband der Innenarchitekten in Deutschland und setzt sich für sie in der Öffentlichkeit und gegenüber Wirtschaft und Politik ein.
www.bdia.de

Verband Deutscher Architekten (VDA)

Der Verband Deutscher Architekten (VDA) ist ein bundesweit tätiger Berufsverband auf freiwilliger Basis für alle Angehörigen des Architekturberufs.
www.vda-architekten.de

BauNetz

BauNetz ist ein deutschsprachiges Online-Architekturmagazin mit täglichen Meldungen zu den wichtigsten Themen der internationalen Architekturszene sowie unter anderem Bürorankings, Infos zu Wettbewerben und Stellenmarkt.
www.baunetz.de

abi>> 03.09.2018