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„Der Bedarf an Designern steigt“

Ein Computerbildschirm, auf dem eine Farbpalette zu sehen ist.
Wer während des Studiums viel Praxiserfahrung sammelt, hat im Anschluss gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Foto: Andreas Herrmann

Interview

„Der Bedarf an Designern steigt“

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Absolventen von Designstudiengängen aus? Diese und weitere Fragen rund um den Berufseinstieg beantwortet Susanne Lengyel, Vizepräsidentin des Deutschen Designertags und Sprecherin der Initiative Deutscher Designverbände, im Gespräch mit abi».

abi>> Welche unterschiedlichen Teilbereiche finden sich in der Designwirtschaft?

Susanne Lengyel: Nach wie vor gibt es die großen Bereiche Industrie-, Kommunikations-, Mode- und Textil- sowie Fotodesign. Allerdings verändert sich die Designwirtschaft gerade stark. Die Grenzen zwischen den klassischen Bereichen verschwimmen immer mehr. Das hat viel mit der Digitalisierung zu tun, Stichworte sind beispielsweise „User Experience“, übersetzt etwa „Anwendererlebnis“, und „Interfacedesign“, eine Disziplin, die sich mit der Gestaltung von Benutzeroberflächen beschäftigt. Fast jedes Produkt hat mittlerweile ein Interface. So gibt es beispielsweise kaum noch gute Kaffeemaschinen ohne Touchscreen, über den ich Stärke und Menge bestimme. Ein weiteres Beispiel sind Navigationsgeräte. In diesen Bereichen überschneiden sich also Kommunikations- und Industriedesign.

abi>> Wie sehen derzeit die Arbeitsmarktchancen in der Designbranche aus?

Susanne Lengyel: Das kommt auf den Bereich an. Einige explodieren geradezu. Gute Chancen hat man etwa im digitalen Bereich, also bei der Gestaltung von Internetseiten, Apps und Applikationen. Hier investieren immer mehr Unternehmen. Aber auch beim klassischen Industriedesign legen Firmen zunehmend Wert auf Qualität. Der Bedarf an Designern steigt also.

abi>> Wie gelingt der Berufseinstieg?

Ein Porträt-Foto von Susanne Lengyel

Susanne Lengyel

Foto: Privat

Susanne Lengyel: Wichtig ist, dass man viel Praxiserfahrung mitbringt, zum Beispiel durch Projekte im Studium oder Praktika. Bei vielen Studiengängen sind diese sowieso verpflichtend. Zwar ist der Einstieg mit einem Bachelor nicht unüblich, dennoch ist ein Master zu empfehlen, weil man dann noch mehr (Lebens-)Erfahrung mitbringt. Nach dem Abschluss sollte man sich direkt auf reguläre Arbeitsplätze bewerben und möglichst nur noch ein kurzes „Kennenlern-Praktikum“ machen. Eine Ausbildung, zum Beispiel zum Mediengestalter, ist per se bereits sehr praxisbezogen, ein Studium erweitert den Horizont aber zusätzlich und bietet noch mehr Anregungen.

abi>> Wie klappt es mit der Selbstständigkeit?

Susanne Lengyel: Sich direkt nach dem Studium selbstständig zu machen, halte ich für eher schwierig. Es sei denn, man hat während des Studiums viel Erfahrung in der praktischen Projektarbeit gesammelt. Grundsätzlich ist es sinnvoll, zunächst in einem Unternehmen oder einer Agentur als Angestellter in einem Team die Prozesse mitzuerleben.

abi>> Welche Karrieremöglichkeiten gibt es?

Susanne Lengyel: Viele Unternehmen haben sehr große Designabteilungen, in denen man auch aufsteigen kann. Bei manchen sind Designer auch im Vorstand vertreten. Auch innerhalb von Agenturen, die ja ebenfalls hierarchisch aufgebaut sind, kann man gut weiterkommen.

abi>> Welche Soft Skills und Fähigkeiten brauche ich als Designer?

Susanne Lengyel: Neugierde und Offenheit sind ganz wichtig. Und Überzeugungskraft: Ich muss meine Idee präsentieren und verkaufen können. Außerdem erfordert der Beruf Leidenschaft: Sein Umfeld zu gestalten ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Und die kann auch täglich aufs Neue begeistern.

abi>> 13.01.2016