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„Design steckt überall drin“

Eine junge Frau entwirft ein Maschinenbauteil am Zeichenbrett.
Um Dinge ansprechend und funktional zu gestalten, muss man um die Ecke denken, Begebenheiten hinterfragen, Anforderungen verstehen und sich in den Nutzer hineinversetzen.
Foto: Hans-Martin Issler

Designer – Interview

„Design steckt überall drin“

Während Designer früher vor allem Dinge gestalteten, denken sie heute vermehrt über die Gestaltung von Dienstleistungen, Prozessen und sogar Gesellschaftsstrukturen nach. Das betont Susanne Lengyel, Vize-Präsidentin des Dachverbands Deutscher Designtag. Im abi» Interview geht sie unter anderem darauf ein, was dies für Studium und Berufseinstieg bedeutet.

abi>> Frau Lengyel, sind Designer die neuen Unternehmensberater?

Susanne Lengyel: Dinge ansprechend und funktional zu gestalten, damit meine ich auch Broschüren, Websites oder Benutzeroberflächen, ist weiterhin die Kernaufgabe eines Designers. Allerdings beobachten wir, dass all die Fähigkeiten, die ein Designer besitzt, auch vermehrt gefragt sind, wenn es darum geht, Innovations- oder Veränderungsprozesse in einem Unternehmen oder in einer Gesellschaft anzustoßen. Damit ist gemeint: um die Ecke denken, Begebenheiten hinterfragen, Anforderungen verstehen, vom Nutzer und Nutzen aus denken, sich in andere hineinversetzen und kreativ ganz neue Lösungen finden. Die derzeit in der Unternehmensberater-Szene gehypte Methode „Design Thinking“ bringt das auf den Punkt. Wir Designer staunen darüber, dass das für Unternehmen und Politiker etwas Neues ist. So zu arbeiten und zu denken, ist für uns schon immer selbstverständlich.

abi>> Wie erklären Sie sich, dass Designer nun auch in strategischen Prozessen gefragt sind?

Ein Porträt-Foto von Susanne Lengyel

Susanne Lengyel

Foto: Helen Sobiralski

Susanne Lengyel: Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt. Die Aufgabe eines Designers ist und war es schon immer, Komplexes für alle verständlich und nutzbar zu machen. Bei allem, was wir gestalten, orientieren wir uns an den Bedürfnissen des späteren Nutzers. Übrigens nicht nur aus einem Bauchgefühl heraus, sondern auch auf Basis von Methoden, Fakten und Informationen, zum Beispiel mit Studien zur Benutzerfreundlichkeit und Big Data. Sie sehen, es ist eine Mischung aus Wissen, Interesse und Begabung, man kann auch sagen zwischen Kopf und Bauchgefühl.

abi>> Design hat sich also auch durch die neuen Technologien verändert?

Susanne Lengyel: Ja und nein. Für uns macht es in der Herangehensweise keinen Unterschied, ob wir ein Produkt, eine Virtual-Reality-Anwendung oder eine Website gestalten – in der Umsetzung allerdings schon. Wir nutzen dafür unterschiedliche Tools und Designelemente und müssen verschiedene Faktoren und Rahmenbedingungen berücksichtigen. Deshalb gibt es neben neuen Studiengängen wie Design- oder Servicemanagement, die den Entstehungsprozess in den Mittelpunkt stellen, auch weiterhin diverse Studiengänge beispielsweise für Kommunikationsdesign, Modedesign oder Industriedesign. Aber nicht nur in diesen Studiengängen kommen Studierende heutzutage mit Design in Berührung, auch in der Informatik und bei den Wirtschaftswissenschaften. Da tut sich gerade viel.

abi>> Bleiben wir bei den Designern: Haben sich die Arbeitsmarktchancen durch das erweiterte Aufgabengebiet verbessert?

Susanne Lengyel: Die neuen Aufgabengebiete sind vor allem für erfahrene Kollegen interessant. Trotzdem: Wenn man etwas kann und mit Leidenschaft dabei ist, dann sieht es auch für Berufseinsteiger gut aus. Allerdings muss man wissen, dass gerade dieser moderne Designtypus langfristig eher selbstständig als festangestellt arbeitet. Ich sage bewusst, langfristig gesehen. Ich empfehle jungen Leuten nach dem Studium, erstmal in einer größeren Einheit, also in einer Agentur oder einem Unternehmen zu arbeiten, oder sich einer Bürogemeinschaft anzuschließen. Am Anfang fehlt es einfach noch an der Sicherheit, die eigenen Ideen zu verkaufen. Und ‚Frischlinge‘ können viel von erfahrenen Designern lernen, insbesondere was den Umgang mit Kunden betrifft.

abi>> 26.12.2018