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Im Osten viel Neue

Ein Lehrer schreibt an eine Tafel.
Für einen gelungenen Unterricht ist viel Vorbereitung notwendig.
Foto: Uwe Niklas

Lehrer

Im Osten viel Neue

Viel Freizeit, 60 Urlaubstage, Jobgarantie auf Lebenszeit – wer das Lehrerdasein nur aus der Schülerperspektive kennt, hält das Unterrichten für einen Traumberuf. Die Realität sieht allerdings doch etwas anders aus. Nicht alle Lehrer sind Beamte und nicht jeder Referendar findet später auch eine Stelle.

Michael Gleißner ist Referendar im zweiten Ausbildungsjahr an der Berufsschule Passau. Hier bringt der 29-Jährige seinen Schülern die doppelte Buchführung, das Steuern von Geschäftsprozessen, betriebswirtschaftliche Unternehmensformen und andere kaufmännische Themen bei. Der Wirtschaftspädagoge unterrichtet außerdem katholische Religion. „Ich hätte nach dem Studium auch die Möglichkeit gehabt, bei einem Unternehmen einzusteigen. Das Gehalt wäre verlockend gewesen. Ich habe mich trotzdem für das Lehramt entschieden. Die Arbeit an der Schule ist irgendwie menschlicher. Hier habe ich das Gefühl, meine Arbeit bewirkt etwas“, sagt Michael Gleißner. Die Referendar-Stelle wurde ihm nach dem Studium zugeteilt.

Ganz unterschiedliche Schüler

Ein Porträt-Foto von Michael Gleißner

Michael Gleißner

Foto: Privat

Seine Schüler sind zwischen 15 und 22 Jahre alt – allerdings sind auch einige ältere dabei. Sie alle absolvieren gerade eine duale kaufmännische Ausbildung in einer Bank, bei einer Versicherung, in der Industrie- oder im Einzelhandel. „In der einen oder anderen Klasse sitzt auch mal ein 40-Jähriger. Diese Bandbreite, auch was die Vorbildung der Schüler angeht, ist einerseits schwierig, andererseits aber auch reizvoll. Einige haben Abitur, andere haben die Mittelschule besucht. Ich muss mir deshalb immer genau überlegen, wie ich den Unterrichtsstoff am besten aufbereite.“

Beim Stichwort Aufbereitung schluckt der angehende Berufsschullehrer: „Während meines Studiums an der Ludwig-Maximilians-Universität in München hätte ich nicht gedacht, dass die Vorbereitung so aufwändig ist.“ Seine Entscheidung für den Lehrerberuf bereut Michael Gleißner trotzdem nicht. „Mir gefällt es, dass ich ganz alleine dafür verantwortlich bin, wie ich meinen Unterricht gestalte. Außerdem finde ich die Arbeit mit Jugendlichen einfach prima und die Aussicht auf eine Verbeamtung beruhigt auch ungemein“, sagt der 29-Jährige.

Gute Chancen für Berufsschullehrer

Michael Gleißner hat in der Tat gute Chancen, nach seinem Referendariat im Herbst 2016 eine feste Lehrerstelle zu finden – und zu behalten. Die Kultusministerkonferenz (KMK) rechnet damit, dass vor allem an beruflichen Schulen in Zukunft Lehrkräfte gesucht werden – besonders im Osten Deutschlands. Von etwa 200 fehlenden Berufsschullehrern in ostdeutschen Ländern geht die KMK in ihrer „Modellrechnung 2012 – 2025“ aus. Nicht nur deshalb findet Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, dass man als Abiturient eine Berufsschullaufbahn in Erwägung ziehen sollte: „Die wenigsten wissen, dass man an einer Berufsschule die gleiche Laufbahn anstreben kann wie an einem Gymnasium. Studienräte und Berufsschullehrer sind finanziell in etwa gleichgestellt. Außerdem: Hier werden Lehrer aller Fachrichtungen gesucht. Das ist an allgemeinbildenden Schulen anders. Dort sind vor allem Mathe und Naturwissenschaften gefragt – und das liegt nicht jedem“, merkt der Verbandspräsident an (siehe Interview).

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abi>> 30.06.2015