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„Du musst dein Fach lieben“

In einem Schrank mit vielen Fächern liegen Materialien für Lehrer bereit.
Ein Lehramtsstudium auf Grund von guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu beginnen, ist laut Josef Kraus nicht empfehlenswert.
Foto: Martin Rehm

Lehrer – Interview

„Du musst dein Fach lieben“

Was sollte man für den Lehrerberuf mitbringen und wie steht es um die Arbeitsmarktchancen? abi» sprach mit Josef Kraus, Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbands.

abi>> Wie gefragt sind Lehrer derzeit?

Josef Kraus: Das ist unterschiedlich. Grundsätzlich kann man sagen: In den ostdeutschen Ländern, allen voran Berlin, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, ist es für die Schulen generell schwierig, genügend Lehrer zu bekommen. Sie bieten im Vergleich zu anderen Ländern oft schlechtere Arbeitsbedingungen, beispielsweise bezüglich Besoldung oder Beamtenstatus.

abi>> Wie können junge Leute herausfinden, ob der Lehrerberuf das Richtige für sie ist?

Ein Porträt-Foto von Josef Kraus

Josef Kraus

Foto: privat

Josef Kraus: Ich nenne hier immer drei Kriterien. Erstens: Du musst die Fächer, die du unterrichten willst, lieben. Wenn Schüler merken, dass der Lehrer sein Fach mit Begeisterung unterrichtet, ist das schon der halbe Erfolg. Zweitens: Du musst gern mit jungen Leuten umgehen. Und drittens: Du musst ein gutes Nervenkostüm haben. Wenn eines der Kriterien nicht erfüllt ist, wird es problematisch. Dann hält man den Beruf nicht 30, 40 Jahre lang durch.

abi>> Welche weiteren Fähigkeiten sind für Lehrer wichtig?

Josef Kraus: Lehrer sollten von Natur aus eine Autorität haben, damit die Schüler sie akzeptieren. Das heißt nicht, dass ein Lehrer autoritär auftreten sollte, es ist vielmehr eine gewisse natürliche Ausstrahlung, die von den Schülern geschätzt wird. Außerdem sollten Lehrer eine eher extrovertierte Persönlichkeit haben und gern auf andere zugehen.

abi>> Welche Trends sehen Sie derzeit beim Lehrerberuf?

Josef Kraus: Die Schülerschaft ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Das liegt zum einen an der starken Mediennutzung, die die Kinder unkonzentrierter macht. Zum anderen ist die ethnische Zusammensetzung der Schülerschaft viel heterogener, oft versammeln sich viele verschiedene Nationalitäten in einem Klassenraum. Und auch die familiären Hintergründe der Schüler sind nicht mehr so stabil wie früher. Das alles macht das Unterrichten für Lehrer oft zu einer Herausforderung.

abi>> Wie sieht es mit der Digitalisierung aus?

Josef Kraus: Natürlich hält dieser Trend auch in den Unterricht Einzug. Das ist aber in den einzelnen Schulformen, Altersstufen und Fächern ganz unterschiedlich. Vor allem in beruflichen Schulen wird schon viel mit Übungsfilmen und Computerprogrammen gearbeitet. Das bedeutet nicht, dass ein Lehrer ein halber Informatiker sein muss, denn die pädagogische und didaktische Software ist heutzutage sehr benutzerfreundlich. Allerdings sollte man so fit sein, dass nicht am Ende der Schüler dem Lehrer Nachhilfe erteilen muss.

abi>> Würden Sie Berufseinsteigern insgesamt zum Lehrerberuf raten?

Josef Kraus: Das muss jeder selbst entscheiden. Über Jahre hinweg gab es die sogenannten Schweinezyklen. In einigen Jahren hieß es: „Wir haben Lehrermangel.“ Dann haben wieder sehr viele auf Lehramt studiert – mit der Folge, dass es zu viele Lehrer auf dem Markt gab. Mein Rat ist: Wer unbedingt Lehrer werden möchte, sollte es auch tun, weil er dann aller Voraussicht nach einen guten Abschluss machen wird. Wer ein Lehramt nur wegen der vermeintlich guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt studieren will, sollte lieber die Finger davon lassen. Damit tut er sich selbst und auch den Schülern keinen Gefallen.

abi>> 21.08.2017