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Jobs für Zahlenakrobaten

Ein Mann ist in einer Besprechung mit zwei Kollegen.
Egal, ob in der Versicherungsbranche, bei Banken oder als Lehrer: Mathematiker können in vielen verschiedenen Berufen arbeiten.
Foto: Sonja Brüggemann

Mathematiker – Hintergrund

Jobs für Zahlenakrobaten

Klar: Mathe ist nicht jedermanns Lieblingsfach. Aber wer sich für Zahlen und Algorithmen interessiert und für ein Mathematikstudium entscheidet, hat im Anschluss daran gute Chancen auf einen spannenden Beruf.

Pan Scheunemann fand Mathe schon in der Schule gut. Allerdings wollte er nicht nur die reine Theorie studieren, sondern lieber Mathematik in der Praxis anwenden. Daher entschloss er sich für ein Studium der Wirtschaftsmathematik an der Universität Hamburg, das zu rund 70 Prozent aus Mathematik und etwa 30 Prozent aus Wirtschaft besteht. „Während meines Studiums habe ich mich zudem mit Pokern beschäftigt und fand dadurch Zugang zur Wahrscheinlichkeitstheorie“, erinnert sich der 30-Jährige. „Und genau dafür habe ich schließlich einen Anwendungsbereich in der Wirtschaft gesucht.“

Neue Berufsfelder im Software-Bereich

Ein Porträt-Foto von Pan Scheunemann

Pan Scheunemann

Foto: privat

Fündig wurde er in der Versicherungsbranche. Dort werden Mathematiker gesucht, die berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für ein Risiko ist, das der Kunde bei ihnen versichern will. Nach dem Masterabschluss ist Pan Scheunemann bei der Signal Iduna Gruppe in Hamburg eingestiegen und arbeitet seitdem dort in der Produktentwicklung. „Ich analysiere bestehende Lebensversicherungsprodukte und überlege, wie wir diese besser machen können“, erklärt der Wirtschaftsmathematiker.

Dazu muss er nicht nur mathematisch denken, sondern auch den Markt betrachten und sich mit IT auskennen. „Ich vermittle zwischen dem Marketing und den Versicherungsmathematikern, den sogenannten Aktuaren“, sagt Pan Scheunemann. „Wir müssen komplexe mathematische Themen für alle Nicht-Mathematiker im Haus verständlich formulieren.“ Er selbst plant auch eine Weiterbildung zum Aktuar, um noch tiefer in die Versicherungsmathematik einzusteigen. Aktuare verfügen als wissenschaftlich ausgebildete Sachverständige nicht nur über spezielle mathematische Fähigkeiten, sondern auch über umfassende Kenntnisse des Versicherungswesens.

Die Versicherungswirtschaft, die Bankenbranche und das Lehramt sind klassische Einstiegsfelder für Mathematiker. Viele bleiben auch an den Hochschulen in der Forschung oder arbeiten in der angewandten Wissenschaft. „Darüber hinaus entstehen zahlreiche neue Berufsfelder, vor allem rund um Software“, sagt Thomas Vogt von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. „Die Einsatzbereiche reichen von der Softwareentwicklung und der IT-Sicherheit über die Bildbe- und -verarbeitung bis zur Logistik, wo zum Beispiel Warenströme oder Fahrrouten optimiert werden.“ Auch Suchmaschinenoptimierung und -programmierung oder die Entwicklung von Computerspielen können interessante Einsatzbereiche für Mathematiker sein. „Wenn es um Big Data geht, also darum, große Datensätze auszulesen und zu analysieren, sind Mathematiker gefragt. Ebenso bei der Entwicklung sicherer Konzepte und Systeme für internetbasierte Dienste“, so Thomas Vogt.

Wichtig: Praxisluft schnuppern!

Auch Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit, sieht gute Chancen für Mathematik-Absolventen: „Der Arbeitsmarkt ist sehr aufnahmefähig, weil die analytischen Kompetenzen von Mathematikern und Statistikern in vielen Tätigkeitsfeldern gefragt sind.“ Rund 111.000 Erwerbstätige verfügten 2016 über einen Studienabschluss in Mathematik oder Statistik – über ein Drittel mehr als zehn Jahre zuvor. Die Arbeitslosigkeit ist mit einer Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent sehr gering. „Allerdings richten sich nur sehr wenige Stellenangebote explizit an Mathematiker. Im Jahr 2016 waren es nur knapp 700“, sagt Ralf Beckmann. „Viele üben ihren Beruf daher gar nicht als Mathematiker aus, sondern arbeiten in der Lehre und Forschung, in der Unternehmensführung und -organisation, in der Informations- und Kommunikationstechnik oder in der technischen Entwicklung und Produktion.“

Wer schon weiß, in welche Richtung es später beruflich gehen soll, kann sich statt für das reine Mathematikstudium auch für ein Bindestrich-Fach entscheiden: Wirtschaftsmathematik, Computermathematik, Biomathematik, Technomathematik und Finanzmathematik stehen zur Wahl. Grundsätzlich haben natürlich auch zahlreiche Studiengänge anderer Fachbereiche mit Mathe zu tun. Und: Auch wer nur ein durchschnittlicher Schüler in Mathematik war, kann für ein Mathestudium geeignet sein.

Dass Absolventen von MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gesucht sind, hat sich auch bei den Studierenden herumgesprochen, deren Zahl ansteigt: Im Wintersemester 2015/16 waren laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) knapp 59.400 Menschen in Mathematik und rund 2.460 in Mathematische Statistik/Wahrscheinlichkeitsrechnung eingeschrieben. Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann empfiehlt Mathematikern, flexibel zu sein und bereits im Studium Praxisluft zu schnuppern. „Hierzu bieten sich Projekte an der Hochschule und Kooperationen mit Unternehmen sowie die Mitarbeit als Praktikant oder Werkstudent an.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Mathematiker)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Mathematik)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: Mathematiker).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Deutsche Mathematiker-Vereinigung e.V.

www.mathematik.de

Deutsche Aktuarvereinigung e.V.

www.aktuar.de

abi>> 13.11.2017