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Den Dingen auf den Grund gehen

Ein junger Mann schreibt Formeln auf ein Whiteboard.
Vor allem bei Mathematikern und Physikern bewegt sich die Arbeitslosenquote auf sehr niedrigem Niveau.
Foto: Oliver Dietze

Mathematiker und Naturwissenschaftler

Den Dingen auf den Grund gehen

Naturwissenschaftler sind gefragte Mitarbeiter in allen möglichen Branchen: Neben dem Klassiker Forschung findet man sie beispielsweise in Behörden, in der IT sowie in der Politik.

In fast allen elektronischen Geräten stecken Platinen, die häufig mit Zinn gelötet werden. Dr. Pierre Eckold (27) hat seine Promotion über das Korrosionsverhalten von Zinnoberflächen an der Universität Stuttgart geschrieben. Seine Doktorarbeit erstellte der Chemiker in Kooperation mit einem Automobilzulieferer, bei dem er nach Abschluss des Projektes einsteigen konnte.

„Traditionell promovieren rund neunzig Prozent aller Absolventen der Chemie“, sagt Dr. Karin Schmitz, die den Karriereservice der Gesellschaft Deutscher Chemiker leitet. Für eine Tätigkeit in Forschung und Entwicklung ist die Promotion eine Voraussetzung. Tatsächlich geht aber nur ein Bruchteil der Absolventen in die Forschung. Für Pierre Eckold war seine Promotion die Gelegenheit, Kontakt zu einem Wirtschaftsunternehmen zu knüpfen.

„Großer Teil arbeitet interdisziplinär“

Ein Porträt-Foto von Dr. Pierre Eckold

Dr. Pierre Eckold

Foto: Fotografie-Deluxe, Leipzig

Ein Chemiker und ein Automobilzulieferer – das klingt nach einer ungewöhnlichen Kombination, ist es aber nicht. Ebenso wie Chemiker findet man auch Mathematiker, Physiker, Biologen und Geowissenschaftler in sämtlichen Bereichen: „Die gemeldeten Stellenangebote, die sich explizit an Naturwissenschaftler richten, sind sehr überschaubar. Gleichzeitig hat sich die Zahl der in Deutschland tätigen Naturwissenschaftler in den letzten Jahren stetig erhöht“, erklärt Ralf Beckmann von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Der Grund für dieses Ungleichgewicht laut dem Arbeitsmarkt-Experten: „Ein großer Teil arbeitet interdisziplinär in Berufsfeldern, die oft nicht den Naturwissenschaften zugeordnet sind.“

Mathematiker und Naturwissenschaftler findet man etwa im Vertrieb, in der Produktion und Konstruktion, in Software- und Beratungsunternehmen, in Wissenschaftsverlagen und Behörden. Die Hochrechnungen des Mikrozensus wiesen 2013 insgesamt rund 489.000 Erwerbstätige mit einem naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss aus.

Zwischen Schulbuch und Softwareentwicklung

Vor allem bei Mathematikern und Physikern bewegt sich die Arbeitslosenquote mit 2,6 Prozent (2013) auf sehr niedrigem Niveau. Dr. Udo Weigelt ist selbst Physiker, gleichzeitig Patentanwalt und in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft Vorstand für Industrie, Wirtschaft und Berufsfragen: „Nur etwa ein Viertel der Physiker bleibt in der Forschung. Andere gehen in ganz unterschiedliche Bereiche, die nicht unbedingt etwas mit Physik zu tun haben müssen. Vor allem die Fähigkeit, methodisch an komplexe Probleme heranzugehen, macht sie für Arbeitgeber interessant.“

Das bestätigt Thomas Vogt, Pressesprecher der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, auch für die Mathematiker: „Sie arbeiten heute in der Finanz- und Versicherungswirtschaft, in den Bereichen Konstruktion und Simulation in Unternehmen der Fahrzeug- und Flugzeugbranche, in Unternehmensberatungen, in Schulbuchverlagen und in der Softwareentwicklung; traditionell natürlich in der Wissenschaft, in der Forschung sowie als Lehrer.“

In Zeiten von Big Data finden sie auch immer häufiger Beschäftigung in den Bereichen Suchmaschinen(optimierung) und Internetsicherheit. Mathematiker promovieren weit weniger als Chemiker: „Promotion und Auslandserfahrung sind allerdings zum Beispiel empfehlenswert, wenn sich jemand in Richtung Management entwickeln will“, so Thomas Vogt.

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abi>> 06.07.2015