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„Mehr als Husten, Schnupfen, Heiserkeit“

Stetoskop, Überweisungsschein und Rezept.
Jeder vierte Arzt ist 55 Jahre oder älter. In den kommenden Jahren müssen daher viele Stellen neu besetzt werden.
Foto: Nicole Schwab

Humanmediziner

„Mehr als Husten, Schnupfen, Heiserkeit“

Rund 371.000 berufstätige Humanmediziner gibt es in Deutschland, mit steigender Tendenz. Gleichzeitig zeichnet sich vor allem in ländlichen Gebieten ein erhöhter Bedarf an Ärzten ab. Nachwuchskräfte haben also gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Philipp Schatz arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Der hausärztliche Internist ist im kleinen Städtchen Niedereschach tätig, das mit seinen etwa 6.000 Einwohnern am Rande des Schwarzwalds liegt. „Ich weiß es sehr zu schätzen, in einer ländlichen Gegend zu arbeiten“, erzählt der 39-Jährige. „Die Arbeit hier ist weit weniger anonym als in der Stadt. Hier kann ich langfristige Patientenbeziehungen aufbauen und nicht nur einzelne Menschen, sondern ganze Familienverbände betreuen. Das freut mich jeden Tag aufs Neue.“

Ein Porträt-Foto von Philipp Schatz

Philipp Schatz

Foto: Philipp Schatz

Ein weiterer Vorteil: Ärzte auf dem Land sind extrem gefragt. Laut Bundesagentur für Arbeit ist heute gut jeder vierte Arzt 55 Jahre oder älter und wird demnach in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen – viele von ihnen in ländlichen Gegenden. Die meisten jungen Mediziner zieht es allerdings lieber in die Stadt, sodass der erhöhte Ärztebedarf auf dem Land schon jetzt deutlich wird. Dabei ist gerade dort der Beruf des Hausarztes besonders vielseitig, findet Philipp Schatz: „Als Hausarzt tätig zu sein, ist mehr als nur Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Im ländlichen Bereich sind wir für die meisten die allererste Anlaufstelle. Zu uns in die Sprechstunde kommen ungefiltert alle Arten von Patienten, vom Kind bis zum Hochbetagten. Ebenso breit ist auch unsere Palette an diagnostischen Aufgaben: Neben Fragestellungen aus der Allgemein- oder Inneren Medizin sind beispielsweise auch orthopädische und gynäkologische Sachverhalte keine Seltenheit. Das erfordert sehr viel geistige Flexibilität, Durchhaltevermögen und oftmals auch den richtigen Riecher.“ Außerdem ist Empathie gefragt: „Man muss gut zuhören können. Die Menschen schon alleine durch ein Gespräch zu entlasten, ist eine unserer Hauptaufgaben.“

Selten und kurz arbeitslos

Etwa 16.000 angehende Mediziner schließen pro Jahr ihr Studium erfolgreich ab. Die Berufsaussichten für sie sind gut. Für den wachsenden Ärztebedarf gibt es mehrere Gründe. Dazu zählt etwa die zunehmende Zahl älterer Menschen, die häufigere und aufwändigere Behandlungen mit sich bringen. Außerdem gibt es auch unter den Ärzten inzwischen mehr Teilzeitbeschäftigte als früher – Stichwort Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Arbeitslosenquote bei den Humanmedizinern ist sehr niedrig und bewegt sich auf Vollbeschäftigungsniveau. Im Jahr 2015 waren laut Bundesagentur für Arbeit beispielsweise lediglich 3.600 Ärzte arbeitslos gemeldet. Und: Wenn Ärzte arbeitslos sind, bleiben sie es in der Regel nicht lange.

Insgesamt verzeichnete die Statistik der Bundesärztekammer zum 31. Dezember 2015 rund 371.000 berufstätige Ärzte in Deutschland. Damit setzte sich der Wachstumstrend der letzten Jahre unvermindert fort. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 gab es noch ein Fünftel weniger Humanmediziner.

Frauen im Kommen

Von allen Ärzten sind laut Bundesärztekammer übrigens 40 Prozent in einer Praxis angestellt oder verfügen über eine eigene Praxis. 51 Prozent sind in Krankenhäusern beschäftigt. Der Rest arbeitet bei Behörden oder in anderen Bereichen. Aufschluss gibt die Statistik der Bundesärztekammer auch über die Fachgebiete, in denen Humanmediziner tätig sind. So arbeiten etwa ein Viertel als Allgemeinärzte und Fachärzte für Innere Medizin. Der Rest verteilt sich auf Bereiche wie Chirurgie, Radiologie und Augenheilkunde.

Das Studium ist dabei übrigens für alle Fachrichtungen zunächst gleich (siehe Artikel „Wegweiser zum Traumjob Arzt“). Es umfasst maximal 13 Semester und endet mit dem Staatsexamen. Die hohen Zulassungshürden für ein Medizinstudium nehmen jährlich etwa 9.000 Abiturienten. Im Wintersemester 2016/2017 lagen die Auswahlgrenzen für Studienbewerber beispielsweise bei einer Durchschnittsnote zwischen 1,0 und 1,1 – je nach Bundesland. Auch das Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests, etwa des Tests für medizinische Studiengänge (TMS), kann bei der Zulassung eine Rolle spielen. Während 53 Prozent aller berufstätigen Ärzte in Deutschland männlich sind, sieht es bei den Medizinstudierenden ganz anders aus: Hier sind regelmäßig etwa 60 Prozent der Studienanfänger weiblich. Bei allen angehenden Ärzten ist viel Fleiß gefragt, denn an der Hochschule wird ihnen geballtes Wissen vermittelt. Philipp Schatz weist jedoch darauf hin, dass man „im Studium bei Weitem nicht die Verantwortung hat, die später im Beruf an der Tagesordnung steht“. Er gibt zu bedenken: „Das Studium bereitet nicht hundertprozentig auf die Realität im späteren Beruf vor. Da wächst man erst mit der Zeit rein.“

abi>> 06.03.2017