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Zwischen Klinik und Praxis

Junge Frau arbeitet an einem Mikrokop.
In der Medizin ist es sehr wichtig, über ein breites Grundlagenwissen zu verfügen.
Foto: Nicole Schwab

Humanmediziner – Hintergrund

Zwischen Klinik und Praxis

Von der Landarztpraxis bis zum Universitätsklinikum, von der Augenheilkunde bis zur Urologie – der Arztberuf bietet vielfältige Karrierechancen.

Derzeit arbeite ich auf der HNO-Kinderstation. Dort werden geplante Eingriffe wie zum Beispiel an den Rachenmandeln vorbereitet, die dann am nächsten Tag im OP-Saal stattfinden. Ich darf diese Operationen auch selbstständig unter Aufsicht eines Facharztes durchführen“, erklärt Dr. Anke Mertens.

Die 33-jährige Assistenzärztin absolviert seit 2012 in der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg das fünfte Jahr ihrer Ausbildung zur Fachärztin für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde (HNO) – unterbrochen von zwei Elternzeiten. Ihr Arbeitstag beginnt meist um 7 Uhr mit der Frühbesprechung: „Es folgt die Visite, bevor ich entweder im OP stehe oder die Patienten auf der Station behandle.“

Abwechslung und Vielfalt

Ein Porträt-Foto von Anke Mertens

Dr. Anke Mertens

Foto: Elisabeth Mertens

Ihre Arbeitstage verlaufen meist sehr abwechslungsreich: „Ich nehme zum Beispiel neue Patienten auf, untersuche sie per Ultraschall und schreibe Entlassbriefe. An manchen Tagen arbeite ich in der Klinikambulanz.“ Gegen 16 Uhr endet ihr Dienst. „Überdies bin ich jeden Monat für bis zu sechs Bereitschaftsdienste mit je 24 Stunden Dauer eingeteilt. Nach 16 Uhr und an den Wochenenden werden hier vor allem Notfälle versorgt“, ergänzt sie. Zur HNO kam sie erst im Praktischen Jahr, das im letzten Jahr des Medizinstudiums stattfindet. An diesem Bereich gefiel ihr besonders die Vielfältigkeit.

Breites Grundlagenwissen ist wichtig

„Ich wollte schon immer Medizin studieren und klinisch arbeiten“, erinnert sich Anke Mertens. Ihr Humanmedizinstudium in Magdeburg begann sie 2005 und schloss es Ende 2011 mit der Approbation ab. Während des Studiums famulierte sie in Magdeburg und in der Schweiz, das heißt, sie absolvierte dort das für angehende Ärzte vorgeschriebene Praktikum. 2013 promovierte sie im Fach Mikrobiologie. „Mein Studium vermittelte mir das für meine Arbeit unabdingbare medizinische Grundlagenwissen über alle Fachrichtungen. Heute aktualisiere ich es kontinuierlich mit Fortbildungen.“

Entscheidend für ihren Beruf sind für sie: „Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie eine rasche Auffassungsgabe. Dazu kommt eine hohe körperliche Belastbarkeit – auch für die regelmäßigen Nachtdienste. Außerdem gilt es, sich einerseits empathisch auf unterschiedliche Patienten einzulassen und sich gleichzeitig von ihrem Schicksal abzugrenzen.“ Ihre Facharztausbildung wird sie voraussichtlich 2020 abschließen.

Vollbeschäftigung trotz Anstiegs der Arbeitslosen

Wie Dr. Anke Mertens arbeiteten laut Mikrozensus 2017 insgesamt rund 381.000 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Sozialversicherungspflichtig angestellt waren laut Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Jahr 2018 rund 253.000 Ärzte. Die Zahl der arbeitslosen Ärzte stieg 2018 gegenüber dem Vorjahr um 300 oder sieben Prozent an – bei einem Jahresdurchschnitt von 4.800 Arbeitslosen. „Dabei gibt es in den Großstädten vergleichsweise viele arbeitslose Humanmediziner, während zahlreiche Stellenangebote im ländlichen Raum unbesetzt bleiben. Zugleich bewegt sich die Arbeitslosenquote allerdings mit rund einem Prozent auf Vollbeschäftigungsniveau. Die Mehrheit beendet innerhalb von weniger als drei Monaten die Arbeitslosigkeit“, erläutert Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin bei der BA. „Wie im Vorjahr wurden 2018 der BA 5.000 neue Stellenangebote gemeldet. Der monatsdurchschnittliche Stellenbestand belief sich auf 2.000 Angebote.“

Im Trend: Arbeiten als angestellter Arzt

Immer mehr Ärzte arbeiten als Angestellte – auch im ambulanten Bereich. „Die Zahl der Angestellten wächst in den letzten Jahren deutlich stärker als die Zahl der Ärzte insgesamt, zuletzt um drei Prozent“, bestätigt Arbeitsmarktexpertin Claudia Suttner. Nach der Ärztestatistik 2018 der Bundesärztekammer (BÄK) waren 39.816 der 157.288 ambulant tätigen Ärzte angestellt – über 25 Prozent. 2013 betrug dieser Anteil lediglich 15,3 Prozent – rund 22.300 von knapp 146.000 Ärzten in der ambulanten Versorgung. Eine Anstellung ist demnach besonders für ambulant tätige Frauen im Arztberuf eine Option. Denn 2018 waren laut BÄK fast 35 Prozent der 71.876 Ärztinnen in ambulanten Praxen angestellt.

Der Arztberuf im Generationenwechsel

Zugleich nimmt die Teilzeitarbeit unter den angestellten Ärzten zu: 2018 war es jede vierte angestellte ärztliche Fachkraft – vor zehn Jahren nur jede sechste. „Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist heute nicht ausschließlich für weibliche, sondern auch für immer mehr männliche Ärzte wichtig“, stellt Dr. Andreas Botzlar klar. Er ist zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes e. V., dem Berufsverband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte.

Die jüngste Mitgliederbefragung des Marburger Bundes – der MB-Monitor 2017 – bestätigte, dass eine Arbeitszeitreduktion bis zu 75 Prozent einer Vollzeitbeschäftigung auch für Männer infrage kommt. Und: „Wir stehen mitten in einem tiefgreifenden Generationenwechsel in der Ärzteschaft“, bringt es Dr. Andreas Botzlar auf den Punkt.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Arzt, Medizin).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Medizin).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: Medizin).
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu medizinischen Berufen findest du beispeilsweise im Teilberufsfeld „Humanmedizin“.
berufsfeld-info.de

Bundesärztekammer, Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern

www.bundesaerztekammer.de

Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd)

www.bvmd.de

Deutscher Ärztinnenbund e.V.

www.aerztinnenbund.de

Hartmannbund e. V.

www.hartmannbund.de

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) KdöR

www.kbv.de

Marburger Bund e.V.

www.marburger-bund.de

NAV-Virchow-Bund, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e.V.

www.nav-virchowbund.de

Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V.

www.vlk-online.de

abi>> 10.06.2019