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„Schlau alleine genügt nicht“

Infotafel über die menschliche Anatomie
Der Trend in der Humanmedizin geht in Richtung Technisierung und Spezialisierung.
Foto: Martin Rehm

Interview

„Schlau alleine genügt nicht“

Dr. Andreas Botzlar ist zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes und Chirurg an der Unfallklinik in Murnau. Im Interview mit abi>> erklärt er, welche Voraussetzungen man für den Arztberuf erfüllen sollte und welche aktuellen Entwicklungen es im Bereich Humanmedizin gibt.

abi>> Herr Dr. Botzlar, worauf kommt es beim Arztberuf an und was sollte man dafür mitbringen?

Dr. Andreas Botzlar: Zunächst ist hier ein sehr gutes Abitur zu nennen, wobei das ein strittiges Thema ist: Ob jemand ein guter Arzt ist, hängt natürlich nicht so sehr von der Abiturnote ab, sondern von anderen Qualitäten. Im Normalfall gilt aber, dass jemand, der gut in der Schule ist, auch ein schwieriges Studium gut über die Bühne bringt. Außerdem ist für den Arztberuf ein hohes Maß an Empathie und Sozialkompetenz nötig. Man muss mit kranken Menschen und auch mit den damit verbundenen Erscheinungen zurechtkommen. Es gibt beispielsweise immer wieder Medizinstudierende, die feststellen, dass sie kein Blut sehen können! Grundsätzlich gilt also: Schlau alleine genügt nicht.

abi>> Welche aktuellen Entwicklungen gibt es im Bereich Humanmedizin?

Ein Porträt-Foto von Dr. Andreas Botzlar

Dr. Andreas Botzlar

Foto: privat

Dr. Andreas Botzlar: Derzeit sind drei grundlegende Entwicklungen zu beobachten. Zum einen gibt es einen Trend zur Hochspezialisierung. Zum anderen werden die Behandlungsverfahren immer technischer. Die dritte Entwicklung betrifft die Frage, welche Vorstellung Ärzte von ihrer Arbeitswelt haben. Immer mehr Humanmediziner wollen weg von der Selbstständigkeit und hin zur Angestelltentätigkeit. Dort sind Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten kalkulierbarer und bürokratische Tätigkeiten überschaubar.

abi>> Wie beeinflussen diese Entwicklungen die Arbeit von Ärzten?

Dr. Andreas Botzlar: Die Arbeit von Ärzten wird vor allem von dem dritten gerade erwähnten Trend beeinflusst: Obwohl die Kopfzahl an Ärzten immer größer wird, wird die Gesamtarbeitsleistung immer weniger. Immer mehr Mediziner wollen in Teilzeit arbeiten. Konkret bedeutet das, dass wir mehr Ärzte brauchen, um diese Veränderungen zu kompensieren. Gleichzeitig ist festzustellen, dass sich der Versorgungsanspruch der Bevölkerung verändert hat. Die Menschen möchten nicht mehr montags bis freitags zwischen acht und 16 Uhr behandelt werden, sondern dann, wenn sie Zeit haben. Auch das beeinflusst die Arbeit von Ärzten.

abi>> Was sollte jemand, der sich für ein Medizinstudium entscheidet, vorab wissen?

Dr. Andreas Botzlar: Dass die Zulassungshürden recht hoch sind, habe ich bereits erwähnt. Allerdings bieten manche Universitäten hier mittlerweile alternative Möglichkeiten an, bei denen andere Auswahlkriterien als nur der Numerus clausus entscheidend sind. Zusätzlich ist zu bedenken, dass das Medizinstudium sehr umfangreich ist und Durchhaltevermögen erfordert.

abi>> Haben Sie noch ein paar Tipps für den Berufseinstieg?

Dr. Andreas Botzlar: Die Neigung zur Selbstausbeutung bei Humanmedizinern ist groß. Es ist deshalb wichtig, einen hohen Grad an Achtsamkeit gegenüber sich selbst mitzubringen. Man muss lernen, auch mal „Nein“ zu sagen, denn der, der sich am meisten ausbeuten lässt, macht nicht unbedingt die beste Karriere. Zusätzlich empfehle ich, sich gut anzuschauen, wo man arbeiten möchte. Als Mediziner kann man sich heutzutage seinen Arbeitsort ganz gut aussuchen. Da lohnt es, vorab zu fragen, wie die Arbeit dort abläuft.

abi>> 06.03.2017