Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Liebe zum Tier reicht nicht“

Eine Frau untersucht Ferkel mit einem Stetoskop.
Interesse an naturwissenschaftlichen und medizinischen Themen ist in der Tiermedizin genauso wichtig wie die Liebe zu Tieren.
Foto: Nancy Heusel

Tiermediziner – Interview

„Liebe zum Tier reicht nicht“

Welche Trends bestimmen die Tiermedizin? Und wie gelingt der Berufseinstieg für Tiermediziner? Prof. Theodor Mantel steht abi>> Rede und Antwort. Außerdem äußert sich der Ehrenpräsident der Bundestierärztekammer zum Thema Tierversuche.

abi>> Herr Professor Mantel, welche Anforderungen und Fähigkeiten sollten angehende Tierärzte mitbringen?

Theodor Mantel: Die Liebe zum Tier ist wichtig, aber das allein reicht nicht. Es sollte noch Interesse an naturwissenschaftlichen und medizinischen Fragestellungen dazukommen; ebenso an interdisziplinärer Zusammenarbeit, vor allem mit der Humanmedizin. Außerdem ist eine gewisse Flexibilität notwendig. Damit meine ich zum einen eine regionale Flexibilität – man kann nicht erwarten, genau am Wunschort eine Stelle zu bekommen –, zum anderen hinsichtlich der Tätigkeit. Es wäre verkehrt, zu sagen „Ich will in die Kleintiermedizin, weil ich früher Meerschweinchen hatte“. Berufliche Laufbahnen verlaufen häufig anders, dafür ist Offenheit erforderlich. Hinzu kommt eine psychische Belastbarkeit: Wer als Tiermediziner Dutzende oder Hunderte Rinder wegen Maul- und Klauenseuchenverdacht töten muss, muss das psychisch aushalten. Körperlich anstrengend ist der Beruf dagegen nicht so sehr, wie häufig angenommen wird. Dafür gibt es heute viele Hilfsmöglichkeiten. Auch Frauen können also bestens in die Großtiermedizin gehen.

abi>> Welche Tipps können Sie geben, damit der Berufseinstieg gelingt?

Ein Porträt-Foto von Prof. Theodor Mantel

Prof. Theodor Mantel

Foto: privat

Theodor Mantel: Man sollte sich vor und während des Studiums informieren, welche Bereiche es überhaupt gibt. Gut sind etwa Praktika in einer Klinik oder einer Tierpraxis. Es kann ebenfalls nützlich sein, sich die Arbeit in einem Forschungsinstitut oder in einem Veterinäramt anzuschauen. In der Tiermedizin ist ja auch das gesamte Spektrum des gesundheitlichen Verbraucherschutzes mit Lebensmittelhygiene angesiedelt. All diese Einblicke können helfen, herauszufinden, ob einem das wirklich gefällt. Außerdem ermöglichen sie erste Kontakte zu möglichen Arbeitgebern.

abi>> Welche Trends gibt es in der Tiermedizin?

Theodor Mantel: Die gehen eindeutig in Richtung Spezialisierung. In der Tiermedizin haben wir mehr als 35 verschiedene Fachtierarztbezeichnungen. Man kann sich nach vier- bis fünfjähriger Weiterbildungszeit nach dem Studium und erfolgreich abgelegter Prüfung jeweils für einen Bereich spezialisieren. Das ist nach den verschiedenen Tierarten unterteilt und geht von der Biene bis zu Zoo- und Wildtieren. Hinzu kommen unterschiedliche Fächer wie Radiologie, Anästhesie oder Intensivmedizin. Die Spezialisierung nähert sich in dieser Hinsicht immer mehr den Methoden der Humanmedizin an.

abi>> Das Arbeiten mit Versuchstieren in der Industrie beziehungsweise Forschung kann für Tiermediziner ein schwieriges Thema sein. Was muss man dafür mitbringen?

Theodor Mantel: Hier sind höchste Anforderungen an den Tierschutz gefragt. Fachtierärzte für Versuchstierkunde müssen wissen, wie sie die unvermeidbaren Schmerzen der Versuchstiere auf ein absolutes Minimum beschränken. Außerdem muss man die Fähigkeit des medizinischen Denkens und der Zusammenarbeit mit der Humanmedizin mitbringen. Human- und Tiermediziner führen meist gemeinsam die Experimente durch. Wichtig ist auch, dass man ein massives Grundwissen über die Bedürfnisse der einzelnen Versuchstiere hat. Immerhin arbeitet man mit Fischen und weißen Mäusen, mit Hunden, Katzen sowie Primaten.

abi>> 19.11.2018