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Vom Marketing bis zum Personal

Junge Frau am Arbeitsplatz
Kaufmännische Qualifikationen sind in vielen unterschiedlichen Berufen gefragt.
Foto: Michael Neuner

Kaufleute

Vom Marketing bis zum Personal

Es muss nicht immer ein Studium sein: Kaufmännische Ausbildungen sind bei Abiturienten besonders beliebt und bieten attraktive Karrierechancen in den unterschiedlichsten Bereichen.

Carolin Sonnenschein mag die Abwechslung in ihrem Job. „Kein Projekt ist wie das andere, ich stehe in Kontakt mit vielen Menschen“, erzählt die 23-jährige Kauffrau für Marketingkommunikation. Nach ihrer Ausbildung bei Jung von Matt im Hamburger Hauptsitz der Werbeagentur wurde sie direkt übernommen. Inzwischen ist sie als Junior Project Managerin Bindeglied zwischen Kunden und Agentur. „Sobald ich ein Kundenbriefing zu einer gewünschten Werbemaßnahme erhalten habe, prüfe ich, ob sie sich zeitlich und kostenmäßig realisieren lässt. Welcher Werbekanal für den Auftraggeber der beste ist, entscheiden wir gemeinsam. Möglich sind Anzeigen, Plakate, TV- oder Radiospots, aber auch Mailings und digitale Maßnahmen“, sagt die Kauffrau für Marketingkommunikation.

Ein Porträt-Foto von Carolin Sonnenschein

Carolin Sonnenschein

Foto: Privat

Was mit dem Kunden vereinbart wurde, fasst Carolin Sonnenschein in einem Briefing zusammen und gibt es an die Kreativ-Abteilung weiter. Das ist ein Team aus Texter und Art Director, je nach Projekt sind auch Konzepter dabei. Haben diese gemeinsam eine Werbeidee ausgearbeitet, wird sie dem Kunden vorgestellt. „Um die Auftraggeber von einer Idee zu überzeugen, ist viel Präsentations- und Argumentationsstärke gefordert“, sagt die 23-Jährige.

Viele kaufmännische Professionen

Kauffrau für Marketingkommunikation ist nur einer der möglichen Berufe im breiten Spektrum der kaufmännischen Professionen. „Neben den besonders bekannten Berufen der Industrie- oder Bankkaufleute gibt es auch weniger bekannte wie Immobilienkaufleute, Personaldienstleistungskaufleute oder Kaufleute für Tourismus und Freizeit“, sagt Simon Grupe vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Laut DIHK-Statistik gab es 2014 insgesamt 51.762 Ausbildungsverträge für angehende Industriekaufleute, 34.507 Verträge für künftige Bankkaufleute und 14.234 junge Leute befanden sich in einer Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen.

Viel oder wenig Kundenkontakt

Jeder der kaufmännischen Berufe hat ein eigenes Profil und ist branchenspezifisch ausgeprägt. „Industriekaufleute arbeiten in allen Unternehmen, in denen Waren produziert, Rohstoffe eingekauft und fertige Produkte auf den Markt gebracht werden. Kaufleute für Marketingkommunikation finden sich in Werbeagenturen oder den Marketingabteilungen großer Unternehmen“, erklärt Manuela Stock, akademische Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit in München. „In allen Berufen spielen der Umgang mit Zahlen und Tätigkeiten wie Buchführung sowie das Verfassen von Geschäftsbriefen eine wichtige Rolle.“

Es gibt natürlich auch Punkte, in denen sich die einzelnen kaufmännischen Berufe unterscheiden, wie die Berufsberaterin ausführt: „Kaufleute für Marketingkommunikation haben viele kommunikative Aufgaben in der Werbung, Kaufleute für Logistik und Speditionsdienstleistungen kümmern sich um den Versand von Waren und brauchen in den meisten Fällen sogar Fremdsprachenkenntnisse. Immobilienkaufleute hingegen können auch Arbeitsbereiche finden, in denen sie weniger Kundenkontakt haben, wenn sie mit der Hausverwaltung beschäftigt sind. Sie kontrollieren den Eingang der Mieten, verwalten den Immobilienbestand, erstellen Abrechnungen oder organisieren Instandhaltungsarbeiten in der Wohnanlage. Andererseits gibt es auch Arbeitsbereiche im Einkauf oder Vertrieb, wo Verkaufsgespräche im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit stehen.“

Wer eine kaufmännische Ausbildung erfolgreich absolviert hat, kann sich weiterbilden und damit seine Karriere voranbringen. „Durch eine Weiterqualifikation zum Fachwirt vertieft man spezielle Kenntnisse, zum Beispiel im Bereich Personal. Auch eine berufsbegleitende oder Vollzeitweiterbildung zum Praktischen Betriebswirt ist möglich. Sie stellt ein Sprungbrett zu verantwortungsvolleren Tätigkeiten dar, etwa zur Teamleitung in einem Großunternehmen“, weiß die Berufsberaterin. Nach Weiterbildungsangeboten suchen kannst du übrigens auch mit BEN, dem Berufsentwicklungsnavigator der Bundesagentur für Arbeit oder mithilfe der Mappenreihe „durchstarten“, die du in deinem örtlichen BiZ findest.

 „Last but not least“ kann man nach der Ausbildung immer noch in ein Studium starten. „Häufig entscheiden sich Studieninteressenten mit einer kaufmännischen Ausbildung für ein klassisches BWL-Studium, aber auch spezialisierte BWL-Studiengänge wie Marketingmanagement, Steuer- oder Wirtschaftsrecht bieten sich an“, sagt Manuela Stock.

Positive Arbeitsmarkttrends

Weil kaufmännische Qualifikationen in vielen unterschiedlichen Berufen zu finden sind, ist eine allgemeingültige Einschätzung der Berufsaussichten schwierig. Konkrete Aussagen können jedoch für einzelne Berufsgruppen getroffen werden. „Positiv entwickelt hat sich vor allem der Arbeitsmarkt für Büro- oder Industriekaufleute“, weiß Susanne Lindner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.„Die Beschäftigung ist gestiegen und die Arbeitslosigkeit zurückgegangen. Sie befindet sich generell auf einem niedrigen Niveau.“ Laut Statistik lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Büro- und Industriekaufleute am Stichtag 30. Juni 2014 bei gut 2,5 Millionen. „Auch die Nachfrage nach kaufmännischem Personal ist hoch. 2014 waren jahresdurchschnittlich knapp 12.000 freie Stellen gemeldet. Die hohe Dynamik der Nachfrage zeigt sich auch darin, dass Stellen innerhalb kurzer Zeit besetzt werden können“, erklärt die Expertin.

Nicht ganz so erfreulich hat sich der Arbeitsmarkt für Bankkaufleute entwickelt. So ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2014 laut Statistik im Vergleich zu 2013 leicht gesunken und die Arbeitslosigkeit gestiegen. Jahresdurchschnittlich waren bei der Bundesagentur für Arbeit knapp 1.000 Stellen für Bankkaufleute gemeldet. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten belief sich zum Stichtag 30. Juni 2014 auf rund 474.000.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte: Kaufmann, Kauffrau).
http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/

KURSNET

Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (Suchworte: Kaufmann, Kauffrau).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Berufsentwicklungsnavigator der Bundesagentur für Arbeit (BEN)

http://ben.arbeitsagentur.de

Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)

www.dihk.de

abi>> 30.09.2015