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Im Büro, bei Gericht und bei der Polizei

Portrait eines Juristen. In der Hand hält er ein Gesetzbuch. Im Hintergrund sind Regale mit Gesetzbüchern zu sehen.
Betrugsdelikte, Körperverletzungen, Diebstahl oder Beleidigungen: Das sind die Fälle, mit denen sich Staatsanwälte in der Regel beschäftigen.
Foto: Christof Stache

Staatsanwältin

Im Büro, bei Gericht und bei der Polizei

Im Referendariat hat Jana Birrer das Strafrecht als praktische Tätigkeit am besten gefallen. Die Konsequenz: Die 28-Jährige entschied sich nach ihrem Jurastudium für einen Einstieg in die Staatsanwaltschaft.

Seit fast zwei Jahren ist Jana Birrer nun als Staatsanwältin in München tätig. In der dortigen allgemeinen Abteilung befasst sie sich unter anderem mit Betrugsdelikten, Körperverletzungen, Diebstahl oder Beleidigungen. Andere Berufseinsteiger in der Staatsanwaltschaft München I beginnen in der Verkehrsabteilung. Nach zwei Jahren geht es für sie alle in der Regel in eine Spezialabteilung. „Ich werde mich demnächst mit Betäubungsmittelkriminalität beschäftigen“, weiß Jana Birrer schon jetzt. Eine Besonderheit in Bayern ist zudem: Wer sich für die Tätigkeit als Staatsanwalt entscheidet, wechselt innerhalb einiger Jahre als Richter an ein Gericht.

Viel Büro, meist geregelte Arbeitstage

Die meiste Zeit bearbeitet die Juristin Akten im Büro. „Ich entscheide, welche Ermittlungen durchgeführt werden und erwirke bei Gericht Beschlüsse – zum Beispiel zur Überwachung von Telekommunikation, zu Durchsuchungen oder DNA-Analysen“, nennt sie einige Beispiele.

Ein- bis zweimal pro Woche nimmt sie den Sitzungsdienst wahr. Dabei vertritt sie die Anklage vor Gericht. Alle paar Wochen hat sie zudem in München Dienst im Polizeipräsidium. „Dort muss ich über die Haftfrage für die in den vergangenen 24 Stunden festgenommenen Personen entscheiden – also ob ich beim Ermittlungsrichter einen Haftbefehlsantrag stelle.“ Außerdem nimmt sie an Durchsuchungen teil und führt Zeugen- und Beschuldigtenvernehmungen durch. „In den Wochen, in denen wir Rufbereitschaft haben, kann es sein, dass wir auch mal zu ungewöhnlichen Arbeitszeiten raus müssen. Ansonsten habe ich einen recht geregelten Arbeitstag“, erklärt sie.

„Als Staatsanwältin arbeitet man relativ selbstständig, weil man seine eigenen Fälle betreut. Trotzdem findet ein reger Austausch mit den Kollegen und eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei statt“, erklärt sie. Gereizt hat sie auch, dass die Justiz einen sicheren Arbeitsplatz bietet – nach einer Probezeit werden Staatsanwälte Beamte auf Lebenszeit. Also bewarb sie sich beim Justizministerium, wurde zu einem Gespräch eingeladen und erhielt sogar Angebote für zwei Stellen: eine Richterstelle im Zivilrecht und die Stelle bei der Staatsanwaltschaft München I – sie entschied sich für Letztere.

Selbstbewusst entscheiden und argumentieren

Ihr Studium hat sie gut auf ihre Aufgaben in der Staatsanwaltschaft vorbereitet: „Wenn mir ein Verfahren vorgelegt wird, prüfe ich den Sachverhalt rechtlich. Hierzu brauche ich das im Studium erworbene Wissen zum materiellen Strafrecht“, erläutert die Juristin. „Im Rahmen des Verfahrens und auch bezüglich der Beweisbarkeit der Tatvorwürfe benötige ich vor allem die im Referendariat angeeigneten Kenntnisse zum Prozessrecht.“ Außerdem hat sie in ihrer juristischen Ausbildung gelernt, sich schnell in fremde Sachverhalte einzuarbeiten. Staatsanwälte müssen zudem entscheidungsfreudig sein, vor allem im Sitzungsdienst vor Gericht schlüssig argumentieren können und eine gewisse Portion Selbstbewusstsein haben. „Das braucht man, um sich durchzusetzen, insbesondere, wenn man vor Gericht die Anklage vertritt.“

Doch woher kommt bei Jana Birrer die Begeisterung für die Juristerei? „Ich habe mir ein Studium gewünscht, bei dem es ein konkretes Berufsbild gibt, man aber trotzdem noch nicht komplett festgelegt ist. Da hat sich Jura angeboten“, erinnert sie sich an ihre Studienwahl. Nach ihrem ersten Staatsexamen an der Ludwig-Maximilians-Universität München lernte sie im Referendariat die Arbeit in einer Staatsanwaltschaft kennen. „Besonders der Sitzungsdienst hat mir gefallen, also die Vertretung der Anklage vor Gericht“, sagt die 28-Jährige.

abi>> 02.03.2018