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Mit Modellen die Welt erklären

Notizen im Detail
Neben der Arbeit mit Zahlen ist in der Volkswirtschaft auch verbale und soziale Kompetenz von großer Bedeutung.
Foto: Sonja Trabandt

Volkswirte – Interview

Mit Modellen die Welt erklären

Volkswirte analysieren wirtschaftliche Prozesse. Warum das gerade heute wichtig ist, welche Anforderungen ein Volkswirt erfüllen muss und wie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind, erklärt Dr. Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte e.V. (bdvb).

abi>> Herr Meyer-Schwarzenberger, warum empfehlen Sie jungen Menschen, Volkswirtschaftslehre zu studieren?

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Weil es ein faszinierendes Fach ist. Es kombiniert mathematische Problemlösungen mit dem Blick auf das große Ganze sowie mit gesellschaftlicher Verantwortung. Volkswirte beschreiben die Realität mit Hilfe von Modellen. Außerdem beschäftigt man sich mit topaktuellen Themen, die gesellschaftlich wichtig sind.

abi>> Welche Anforderungen sollte man erfüllen, wenn man Volkswirtschaftslehre studieren möchte?

Ein Porträt-Foto von Dr. Matthias Meyer-Schwarzenberger

Dr. Matthias Meyer-Schwarzenberger

Foto: Adrian Stanciu

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Man sollte vor allem gut in Mathematik sein. Sie macht einen großen Teil des Studiums aus. Rechnen ist ebenfalls eine wichtige Fähigkeit, die man keineswegs mit Mathematik gleichsetzen kann. So sollte man beispielsweise im Kopf überschlagen können, ob Ergebnisse plausibel sind oder nicht. Um die volkswirtschaftlichen Modelle zu erklären, ist es außerdem nötig, sich verbal gut ausdrücken zu können. Ob man das Gesundheitssystem optimieren, die nächste Blase an der Börse verhindern will oder einen Nachhaltigkeitsbericht für ein Unternehmen schreibt: Man rechnet nicht, um zu rechnen, sondern aus Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft. Da spielen auch ethische Fragen eine Rolle.

abi>> Hat sich das Fach in den vergangenen Jahren verändert, auch durch aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen?

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Ja, das Fach hat sich verändert. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise kam viel Kritik an den Inhalten des Volkswirtschaftsstudiums auf. Das hat zum Beispiel dazu geführt, dass heute das Thema Wirtschaftsethik mehr im Mittelpunkt steht. Unter dem Stichwort „Plurale Ökonomik“ wurden die Lehrpläne geöffnet und mittlerweile werden zu den Standardansätzen auch Alternativen stärker aufgezeigt. Der Beruf des Volkswirts hat durch die wirtschaftlichen Ereignisse der vergangenen Jahre – zum Beispiel den Brexit, die amerikanischen Zölle oder die ökonomische Entwicklung in China – eine erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien erhalten. Das schafft nicht direkt neue Stellen für Volkswirte, aber es ist vielen klar geworden, dass sie einen wichtigen Beruf ausüben.

abi>> Wie stehen die Arbeitsmarktchancen für Volkswirte?

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Die Chancen, als Absolvent eines Volkswirtschaftsstudiums eine Stelle zu bekommen, stehen sehr gut. Typische Arbeitgeber sind Banken, Versicherungen, internationale Organisationen, Ministerien und Forschungseinrichtungen. Für einen Posten in diesen Bereichen ist aber häufig eine Promotion mit höherer Spezialisierung von Vorteil. Die meisten Volkswirte arbeiten deswegen eher in Unternehmensberatungen, bei Medien und Verlagen oder selbstständig. Absolventen der Volkswirtschaftslehre sind gefragt, weil sie analytisch denken können, sich schnell in neue Zusammenhänge einarbeiten und es aus dem Studium gewohnt sind, im Team zu arbeiten. Durch die gesellschaftliche Komponente in dem Fach sind Volkswirte oftmals engagiert und bereit, über den Tellerrand hinauszuschauen. In welche Richtung die Berufswahl geht, hängt aber auch viel vom Nebenfach ab, das man studiert hat. Ein Fondsmanager an der Börse, der biotechnologische Unternehmen beurteilen soll, hat idealerweise etwas in diesem Bereich studiert. Eine sehr große Nachfrage gibt es auch nach Volkswirten, die eine Qualifikation im Bereich der MINT-Fächer haben. Da sollte man am besten seinem Interesse folgen.

abi>> Was sollte man beim Berufseinstieg beachten?

Matthias Meyer-Schwarzenberger: Beim Berufseinstieg sind Engagement und Kreativität gefragt, gerade wenn man einen besonderen Studiengang wie Volkswirtschaft abschließt. Die Stellen für Volkswirte fallen nicht vom Himmel und eher wenige sind im normalen Stellenmarkt zu finden. Zunächst sollte man sich selbst darüber klar werden, in welchem Bereich man später arbeiten möchte und durch Praktika überprüfen, ob das Berufsziel tatsächlich zu einem passt. Bei Fachmessen, Fachverbänden oder Mentoring-Angeboten mit Berufstätigen kann man bereits im Studium Kontakte knüpfen und seinen zukünftigen Berufsbereich kennenlernen. Wenn man sich über sein Berufsziel im Klaren ist, sollte man es in Bewerbungen deutlich machen. Wer Initiative zeigt und sich zielstrebig um seinen Weg kümmert, sollte mit dem Berufseinstieg in der gegenwärtigen Arbeitsmarktlage keine Schwierigkeiten haben.

abi>> 26.09.2018