Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Fachidioten? Fehlanzeige!

Detailansicht englischer Zeitungen
Anglisten und Amerikanisten sind flexible Generalisten, die in vielen Bereichen arbeiten und auch international eingesetzt werden können.
Foto: Frank Pieth

Anglisten – Interview

Fachidioten? Fehlanzeige!

Welche Chancen haben Anglisten auf dem Arbeitsmarkt? Und was sind typische Berufsfelder? Rainer Emig, Vizepräsident des Deutschen Anglistenverbands und Professor für Englische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Uni Mainz, gibt Auskunft.

abi>> Herr Emig, wie sieht der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger aus dem Bereich Anglistik aus?

Rainer Emig: Sehr gut, überall werden Fachkräfte gesucht. Anglisten und Amerikanisten sind enorm flexible Generalisten, die in vielen Bereichen arbeiten können.

abi>> Und was sind typische Berufsfelder?

Rainer Emig: Weiterhin das Lehramt – auch in Zukunft wird Englisch auf den Stundenplänen stehen. In der Verlags- und Medienwelt, im Tourismus, aber auch in vielen anderen Branchen finden Anglisten passende Arbeitsfelder. Wer sich für Forschung und Lehre entscheidet, muss allerdings realistisch und flexibel sein und in Betracht ziehen, eine Zeit lang ins englischsprachige Ausland zu gehen. Meist ist man lange prekär beschäftigt. Promotionsstipendien sind hart umkämpft. Und die Qualifikationsstellen an Hochschulen takten die akademische Karriere brutal durch: sechs Jahre für die Promotion, weitere sechs für die Habilitation. Dann sollte man bald eine Professur haben, sonst ist man eigentlich nicht mehr vermittelbar.

abi>> In Ausschreibungen wird selten direkt ein Anglist oder Amerikanist gesucht. Wie finden Berufseinsteiger passende Angebote?

Ein Porträt-Foto von Rainer Emig

Rainer Emig

Foto: privat

Rainer Emig: Sie müssen auf Schlagwörter wie Kommunikation, Sprache, Medien und Kultur achten. Die Absolventen bringen viele Skills mit, die Arbeitgeber schätzen. Das Studium vermittelt etwa konzeptionelles Denken und Planen sowie Organisations- und Zeitmanagement. Unter anderem in der Wirtschaftswelt sind kommunikative Fähigkeiten gefragt – mündlich wie schriftlich. Anglisten können verstehen, analysieren und produzieren – und das nicht nur in der Muttersprache, sondern auch auf Englisch.

abi>> Wie bereite ich den Berufseinstieg vor?

Rainer Emig: In vielen Studiengängen sind Praktika verpflichtend – so erhält man früh einen Bezug zur Arbeitswelt und kann herausfinden, in welchen Bereichen man arbeiten will. Auch die Möglichkeit, für ein halbes Jahr ins Ausland zu gehen, nutzen viele – und bringen so weitere für die Arbeitswelt wertvolle Erfahrungen mit.

abi>> Mit welchen Themen beschäftigen sich Anglisten und Amerikanisten derzeit?

Rainer Emig: Viele glauben ja, wir bilden „Fachidioten“ aus, die alles über Shakespeare wissen, sonst aber nichts. Natürlich beschäftigen sich unsere Studierenden auch mit Shakespeare – aber immer in einem Kontext, etwa unter der Fragestellung: Was bedeuteten die Werke damals, was heute? Fast alle Kurse sind interdisziplinär, wir bewegen uns zwischen traditioneller Literaturwissenschaft, Kultur-, Medien-, Politik- und Geschichtswissenschaft. Inhaltlich geht es zum Beispiel um Genderfragen, Political Correctness, Migration, Klimawandel – und natürlich um die Brexit-Debatte. Wir sind also stets „up to date“.

abi>> 08.05.2019