Mehr Beschäftigung in einem schwierigen Markt

Junge Frau bei der Moderation vor Ort. Foto: Martin Rehm
Die Tätigkeiten von Journalisten sind vielfältig: von der Betreuung des Web-Auftritts bis zur Arbeit als Reporterin vor Ort.
Foto: Martin Rehm

Journalisten

Mehr Beschäftigung in einem schwierigen Markt

Rasende Reporter auf der Jagd nach Schlagzeilen? Nicht alle Journalisten erfüllen das Klischee vom rastlosen Berichterstatter. Viele arbeiten auch in Bereichen wie PR und Öffentlichkeitsarbeit. Und: Rund jeder Dritte ist sein eigener Chef.

In der Redaktion „Abendschau“ des rbb hat Christina Heicappell verschiedene Funktionen: Als Chefin vom Dienst (CvD) betreut die 29-Jährige hauptverantwortlich die Spätausgabe der Sendung „rbb aktuell“ und als Co-CvD die Hauptausgabe der „Abendschau“. Außerdem fährt sie als Reporterin für Liveschalten oder Beiträge mit einem Kamerateam raus. Ihre andere Verantwortlichkeit sind die Social-Media-Auftritte der Redaktion.

Die Arbeit als Reporterin gefällt Christina Heicappell am besten. Dabei fährt sie mit Kameramann und Tonmann an den Ort des jeweiligen Geschehens. „Dort recherchiere ich und suche Interviewpartner, die mir etwas zum Sachverhalt sagen können. Im Team überlegen wir, welche Bilder wir drehen müssen, um das Geschehen vor Ort für die Zuschauer transportieren zu können“, erzählt sie. Anschließend schneidet sie das Material gemeinsam mit dem Cutter.

Einen typischen Alltag hat die Journalistin nicht, aber sie kommt jeden Morgen gut vorbereitet in die Redaktion. „Wenn ich mit der Redaktionskonferenz um 10:30 Uhr starte, habe ich vorher schon Radionachrichten gehört, Online-Nachrichten und Zeitung gelesen“, berichtet sie.

Praktika, freie Mitarbeit, Volontariat

Ein Porträt-Foto von Christina Heicappell.

Christina Heicappell

Foto: privat

Parallel zu ihrem Studium der Politikwissenschaft und einem deutsch-französischen Doppelmaster in Politik und Europaangelegenheiten absolvierte Christina Heicappell diverse Praktika: „Insgesamt habe ich anderthalb Jahre Praktika in unterschiedlichen Redaktionen gemacht“, erinnert sich die Redakteurin. „Daraus hat sich im Anschluss immer eine freie Mitarbeit entwickelt.“ An ihr Studium schloss sie ein Volontariat beim WDR in Köln an, das in eine feste Stelle mündete.

Doch was ist die wesentliche Aufgabe ihrer Tätigkeit? „Ich möchte informieren, damit sich die Zuschauer eine Meinung bilden können. Das ist wichtig in einer Demokratie, an der möglichst viele Bürger teilhaben sollen. Dafür möchte ich komplexe Sachverhalte verständlich erklären, Informationen hinterfragen und einordnen“, erklärt sie. „Das ist meine Aufgabe als Journalistin und die wird in der heutigen Zeit – mit ‚Fake news‘ und Informationsflut auf allen Kanälen – immer wichtiger. Davon bin ich überzeugt.“

Journalismus oder PR?

„Journalismus im besten Sinne hat die Aufgabe, den Staat, die Gesellschaft, die Politik zu kritisieren“, erklärt Eva Werner, Bildungsreferentin und stellvertretende Pressesprecherin des DJV – Deutscher Journalisten-Verband e.V. „Er ist dafür da, die Demokratie zu erhalten. Deshalb ist er so frei, auch in seinem Ausbildungssystem. Der wichtigste Unterschied zur PR ist, dass er objektiv ist, also von Eigeninteressen unbeeinflusst.“

Journalisten arbeiten in Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, bei Fernseh- und Radiosendern, bei Onlinemedien sowie in Korrespondenz- und Nachrichtenbüros. „Wer journalistische Erfahrung hat, kann derzeit ganz gut in die PR-Branche wechseln“, berichtet die Expertin. Beschäftigung finden Journalisten also auch bei PR- und Multimedia-Agenturen sowie in öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen und Verbänden, zum Beispiel im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Fast jeder Dritte selbständig

Es gibt festangestellte und freischaffende Journalisten. „Mit 67.000 Selbständigen war fast jeder dritte Schreibende sein eigener Chef“, erklärt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Die Arbeitslosigkeit fällt insgesamt höher aus als in anderen akademischen Berufsgruppen“, weiß sie. „Gleichwohl ist sie 2017 wiederholt gesunken. 6.500 Arbeitslose, die eine Arbeit als Journalist, Redakteur oder eine hochqualifizierte Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit oder in der Verlags- und Medienwirtschaft suchten, waren 2017 durchschnittlich gemeldet. Das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahr.“

Interessant ist, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen in den letzten Jahren gestiegen ist – trotz massiver Veränderungen auf dem Markt, geschlossener Tageszeitungen und einer Verlagerung des Geschäfts in den Onlinebereich: „Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weist für 2017 rund 109.000 Redakteure, Journalisten und Öffentlichkeitsarbeiter aus, die als Angestellte sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren“, berichtet Claudia Suttner. „Das waren vier Prozent mehr als im Jahr zuvor.“ Wie sich die Medienwelt in Zukunft weiter verändern wird, kann niemand voraussehen: „Es bleibt offen, wie sich der Kostendruck im klassischen Medienbereich und die Dynamik der Online-Nachrichtenwelt künftig weiter auswirken werden“, resümiert die Arbeitsmarktexpertin.

Ein Porträt-Foto von Eva Werner.

Eva Werner

Foto: Tobias Fuhrmann

Ohne Idealismus, Engagement und Freude am Schreiben geht es im Journalismus nicht. Wer aber Ausdauer mitbringt, hat gute Chancen, es in den Beruf zu schaffen. „Denn gut ausgebildete Fachleute, die mit Kopf und Herzblut zu einer vielfältigen und vertrauenswürdigen Medienlandschaft beitragen, werden durchaus benötigt“, sagt Eva Werner vom DJV.

 

Info

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Journalismus, Medien).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwörter: Journalismus, Medien).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwörter: Journalismus, Medien).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

DEUTSCHER JOURNALISTEN-VERBAND

www.djv.de

Deutscher Presserat

www.presserat.de

Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di

https://dju.verdi.de

Verband Deutscher Zeitschriftenverleger

www.vdz.de

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger

www.bdzv.de

 

Volontärin

Welches Ressort darf’s denn sein?

Bei der „taz“ in Berlin ticken die Uhren ein wenig anders: Strikte Hierarchien sucht man in der Redaktion der alternativen Berliner Tageszeitung vergeblich. Für Hanna Voß der perfekte Platz, um die Möglichkeiten des Journalismus kennenzulernen. Seit gut einem Jahr absolviert die 27-Jährige ein Volontariat beim junggebliebenen Blatt.

„Es ging hier sofort los“, erzählt Hanna Voß. „Normalerweise gibt es am allerersten Tag eine technische Einweisung, aber die musste ich nicht machen, weil ich das Redaktionssystem schon von einem Praktikum her kannte. Am dritten Tag habe ich bereits den Haupttext für die Wirtschaftsredaktion geschrieben.“

Das Ressort „Ökologie und Wirtschaft“ (Öwi) war die erste Station der Journalistik-Absolventin bei der „taz“. „Ich durchlaufe mehrere Fachressorts, in der Regel für jeweils zwei Monate. Das Berlin- und das Online-Ressort sind ein Muss, die anderen Stationen kann ich mir aussuchen.“

Konferenzen und Recherche

Ein Porträt-Foto von Hanna Voß.

Hanna Voß

Foto: privat

Den Start in den Arbeitstag bildet die Themenkonferenz um 9:15 Uhr im jeweiligen Ressort: „Dort besprechen wir die relevanten Punkte des Tages“, erzählt die 27-Jährige. Darauf folgt eine große Konferenz mit Vertretern aller Ressorts. „Wir tauschen uns aus, welches die wichtigen Themen sind, welche prominent platziert und welche kommentiert werden.“ Danach schreibt und recherchiert Hanna Voß ihre Texte, hilft in der Redaktion, tätigt Anrufe oder geht auf Termine. Oder sie hat Zeit, sich um längere Recherchen zu kümmern, denn am liebsten schreibt sie Porträts und Reportagen.

„Jedes Ressort hat in der Regel zwei bis drei Seiten in der Zeitung“, berichtet die Journalistin. „Am frühen bis späten Nachmittag müssen die Seiten fertig werden. Nach der Korrektur gehen sie ins Layout und schließlich in den Druck.“ Feierabend hat sie in der Regel zwischen 17:30 und 18 Uhr.

„Ich wollte unbedingt zur taz“

Die gebürtige Dortmunderin hat bereits während ihrer Schulzeit ein Praktikum bei der Lokalzeitung „Westfälische Rundschau“ gemacht. Parallel zum Studium der Politikwissenschaften an der Uni Duisburg folgten weitere Praktika, darunter eines im Online-Ressort der Berliner Tageszeitung. Von da an war ihr klar, wo sie hinwollte: „Die ‚taz‘ bietet unheimlich viele Möglichkeiten. Es gibt keine strikten Hierarchien, und niemand muss etwas zu einem Thema schreiben, wenn er sich damit nicht wohl fühlt“, erläutert sie. Vor allem die Haltung, die hinter allem steht, überzeugt Hanna Voß: „Die Zeitung gibt den Menschen eine Stimme, die sonst keine haben.“

Am liebsten als politische Journalistin arbeiten

Von Dortmund aus schrieb Hanna Voß weiter für die „taz“. Um dort aber wirklich Fuß fassen zu können, musste sie ein Volontariat machen. Darunter versteht man im weiteren Sinne die Vorbereitung für die Arbeit als Redakteurin. Eines der „taz“-Volontariate findet in Kooperation mit dem Studiengang Journalistik der Universität Leipzig statt. Also begann sie, dort den Master für Journalistik zu machen.

Für das Volontariat musste sie sich direkt bei der Zeitung bewerben: „Es war eine klassische Bewerbung mit Lebenslauf, Anschreiben und Motivationsschreiben. Ich musste beschreiben, warum ich unbedingt dorthin wollte, und dafür hatte ich viele Gründe. Und ich hatte auch sehr, sehr viele Arbeitsproben“, erinnert sie sich.

Ihre Bewerbung hat überzeugt. Nun liegt bereits die Hälfte ihres „Volos“ hinter ihr, was Hanna Voß bedauert: „Ich genieße meine Zeit hier sehr und würde gerne länger bleiben.“ Ihr Traum ist es deshalb, fest als politische Journalistin zu arbeiten.

 

Redakteur im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Was gibt’s Neues, Lüneburg?

Seine Tätigkeit als Journalist und ein Studium führten Torsten Grönemeyer (36) in eine Position als Online-Redakteur der Pressestelle der Stadt Lüneburg, wo er sämtliche Aktivitäten der Stadt kommuniziert.

Seit fast sechs Jahren arbeitet Torsten Grönemeyer in Lüneburg. Seine Aufgabe und die seiner vier Kollegen ist es, die niedersächsische Stadt zu repräsentieren: „Wir vermitteln der Öffentlichkeit die Aktivitäten, die in den einzelnen Fachbereichen und Dezernaten der Stadt sowie im Rat passieren“, erklärt er. Dabei kommuniziert der 36-Jährige hauptsächlich über Online-Medien: „Ich pflege die Inhalte der Website und stimme diese dazu mit den Fachbereichen ab. Die Texte müssen möglichst unbürokratisch klingen.“ Aber auch für den Newsletter, der unregelmäßig zu aktuellen Themen verschickt wird, ist Torsten Grönemeyer zuständig. Darüber hinaus betreut er den Facebook- und den Twitter-Account der Stadt.

Die unterschiedlichen Arbeitsbereiche der Stadt beschreibt der Online-Redakteur wie folgt: „Das ist wie eine Art Gemischtwarenladen. Da gibt es den Umweltbereich, die Stadtentwicklung sowie Soziales und Bildung. Und natürlich sind Schulen und der Ausbau von Kitas ein großes Thema. Dann haben wir den Kulturbereich mit Musikschule, Stadtarchiv, Ratsbücherei und selbstverständlich das Bürgeramt.“ Für die Vermittlung all dessen, was in diesen Bereichen passiert, ist der 36-Jährige zuständig.

Klarer Standpunkt statt viele Blickwinkel

Ein Porträt-Foto von Torsten Grönemeyer.

Torsten Grönemeyer

Foto: Hansestadt Leipzig

„Der berufliche Hintergrund ist bei allen im Referat ein journalistischer“, erzählt Torsten Grönemeyer. Das macht sich bei der Arbeitsweise bemerkbar: „Wir schreiben im Stil von Journalisten, wie in Tageszeitungen. Natürlich immer aus der Sicht der Stadt – und das unterscheidet unsere Arbeit vom tatsächlichen Journalismus. Wir vermitteln in erster Linie unseren Standpunkt und müssen die Dinge nicht von mehreren Seiten betrachten.“

Um herauszufinden, ob der Journalismus das richtige für ihn sei, machte Torsten Grönemeyer im Anschluss an seinen Zivildienst ein Praktikum bei der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das mündete in eine Mitarbeit als Fester Freier im Lokalteil und im Sportressort. Sein Chef war es, der ihn schließlich ermunterte, ein Studium anzufangen: „Wenn ich bei der Zeitung eine feste Stelle haben will, brauche ich ein abgeschlossenes Studium, hatte er gesagt.“

Mit dem Magister zur Bombenentschärfung

Der Norddeutsche entschied sich für ein Magister-Studium der Politik im Hauptfach und für Neuere Geschichte und Germanistik in den Nebenfächern. Er startete in Osnabrück und arbeitete weiter als Freier bei der Zeitung. „Mit dem Hauptstudium in Hannover nahm ich dann erst einmal Abschied von der Osnabrücker Zeitung“, erzählt der 36-Jährige. Mit seinem Magisterzeugnis bewarb er sich schließlich bei der Stadt Lüneburg.

Und welche Aufgaben fallen in der Öffentlichkeitsarbeit abseits des Alltäglichen an? „Ab und zu besuchen wir Veranstaltungen, und auch an Wahltagen arbeiten wir. Und in den letzten Jahren hatten wir die Aufgabe, 14 oder 15 Bombenentschärfungen auf einem Baugelände in Bahnhofsnähe zu kommunizieren.“ Dafür hatte die Pressestelle ein Bürgertelefon eingerichtet und auf unterschiedlichen Kanälen über den aktuellen Stand der Bombenentschärfung und Evakuierung informiert. Seine Arbeit gefällt Torsten Grönemeyer dabei sehr: „Mein Job ist abwechslungsreich – und immer wieder neu“.

 

Freie Online-Journalistin

Frei und einsam?

Viele freiberuflichen Journalisten haben ein abwechslungsreiches, selbstbestimmtes Leben – wenn sie die nötige Arbeitsdisziplin aufbringen, Honorare gut verhandeln und die Einsamkeit der Schreibenden lieben. Die Online-Journalistin Isabell Prophet (32) ist eine von ihnen.

Seit zwei Jahren arbeitet Isabell Prophet als Freie Journalistin vor allem für Online-Medien wie „Spiegel Online“, „FAZnet“ und „t3n“. „Ich mag es sehr, dass ich meinen Alltag und meinen Verdienst in gewisser Weise selbst bestimmen kann. Ich habe meinen eigenen Tagesrhythmus und arbeite extrem konzentriert von 8 bis 16 Uhr“, sagt sie. Weil sie ungern unterbrochen wird, ist sie dabei am liebsten alleine. „In Ruhe, ohne vollgestellten Schreibtisch und in einem ordentlichen Raum zu arbeiten, passt für mich zurzeit am besten.“ Freelancer sollten Ihre Honorare gut verhandeln und ihre Einnahmen so planen, dass sie den Lebensunterhalt decken. „Über das Jahr gerechnet habe ich ein normales Durchschnittseinkommen“, berichtet die 32-Jährige.

Die in Berlin lebende Journalistin hat während ihrer Selbständigkeit auch das Sachbuch „Die Entdeckung des Glücks“ veröffentlicht. Auch die Einnahmen für die Buchveröffentlichung hat sie so kalkuliert, dass die darin investierte Arbeitszeit angemessen bezahlt war: „Man muss in der Freiberuflichkeit lernen, zu verhandeln“, erklärt sie. Aber nicht nur die Planung der Finanzen gehört zum Alltag von Selbständigen: „Als Freiberufler ist man auch für die Buchführung und Steuerangelegenheiten verantwortlich. Das sieht von außen vielleicht erstmal komplex aus, ist aber machbar.“

Volontariat und Journalistenschule

Ein Porträt-Foto von Isabell Prophet.

Isabell Prophet

Foto: Petra Prophet

Dass sie Journalistin werden würde, wusste Isabell Prophet zu Beginn ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften noch nicht. Gegen Ende des Bachelorstudiums absolvierte sie ein Praktikum bei einer Zeitung und blieb dort als Freie Mitarbeiterin tätig. Ihr gefiel es, Verantwortung zu tragen. Ein weiteres Praktikum absolvierte sie bei einem Reisemagazin. An ihr Studium schloss sie ein Volontariat an – etwas, das sie jedem ans Herz legen würde: „Die Qualität dieser Ausbildungen sind oft sehr hoch und an der Verantwortung, die man übertragen bekommt, wächst man.“ Es folgte ein Lehrgang an der Hamburger Journalistenschule Henri Nannen. „Das war eine ganz andere Art der Ausbildung und Erfahrung. Die Schule legt sehr viel Wert auf Feinheiten: Wie schreibst du? Wie recherchierst du?“, erinnert sie sich.

Parallel zur Journalistenschule arbeitete Isabell Prophet bereits bei „Spiegel Online“. Sie bekam anschließend das Angebot, das Online-Magazin „ze.tt“ aufzubauen. „Zu dritt haben wir ein Konzept entworfen, und als das Online-Format fertig war, habe ich mich gefragt, ob ich in den normalen Redaktionsbetrieb möchte oder lieber frei arbeiten“, sagt die 32-Jährige.

Meinungsstark sein

Sorgen wegen ihrer Auftragslage macht sich die Journalistin nicht. „Gute junge Leute, die bereit sind, an sich und ihren Texten zu arbeiten, werden gesucht“, ist sie überzeugt. Wohl auch deshalb sieht sie Kundenakquise als geringe Hürde: „Im Idealfall arbeite ich länger mit meinen Kunden zusammen, schicke Themenvorschläge oder sie wünschen sich etwas“, sagt sie. Klar ist jedoch auch: Ganz ohne Akquise, also dem „An-Land-Ziehen“ von Aufträgen, geht es nicht. Das erfordert Kommunikationstalent und Ausdauer – und ist nicht jedermanns Sache. Um wahrgenommen zu werden, schlägt Isabell Prophet vor, in den Sozialen Medien aktiv zu sein. „Grundsätzlich funktioniert es sehr gut, auf Twitter präsent zu sein. Meinungsstark sein und das eigene Denken nach außen tragen – das hilft meiner Meinung nach.“

Die andere Seite der Freiheit

Auf die Frage nach den Nachteilen der Freiberuflichkeit meint Isabell Prophet: „Viele Menschen haben Angst, zu vereinsamen und das ist auch berechtigt.“ Und sie verweist darauf, dass es keine vorgegebene Karriereleiter gibt: „Im Moment gefällt mir mein Leben so wie es ist. Aber das muss nicht heißen, dass das für immer so ist. Vielleicht will ich irgendwann doch eine klassische Karriere machen. Dann ist es mit der Freiberuflichkeit natürlich vorbei.“

 

Journalisten – Interview

„Was haben Sie schon geschrieben?“

Die Wege in den Journalistenberuf sind genauso vielfältig wie die späteren Tätigkeiten. Eva Werner vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) verrät im abi>> Interview, was angehende Medienschaffende beachten sollten.

abi>> Frau Werner, was ist der erste Schritt in den Journalistenberuf?

Eva Werner: Ich rate dazu, zuerst ein Praktikum zu machen. Nur so kann man herausfinden, ob einem Journalismus wirklich liegt. Und man hat dann auch schon Texte verfasst. Wenn man sich nämlich irgendwo bewirbt, ist oft die erste Frage: „Was haben Sie schon geschrieben?“.

abi>> Ist Journalismus Handwerk oder Begabung?

Ein Porträt-Foto von Eva Werner.

Eva Werner

Foto: Tobias Fuhrmann

Eva Werner: Journalismus ist Handwerk, wenn auch ein gewisses Talent nicht schadet. „Gerade“ Sätze schreiben zu können ist Grundvoraussetzung.

abi>> Muss man unbedingt studieren?

Eva Werner: Es gibt von Seiten des Staates für eine Ausbildung keine Vorschriften, da Journalismus als vierte Säule im Staat die Politik überwachen soll. Aber in der Realität ist es so, dass man weiter kommt, wenn man ein Studium absolviert hat.

abi>> Welche Studienmöglichkeiten gibt es?

Eva Werner: Es gibt eine große Bandbreite von Studiengängen: Journalistik, Journalismus, Kommunikationswissenschaften und darunter auch ganz viele fachbezogene Varianten. Wichtig ist, dass die Studiengänge praxisnah sind. Mein Rat ist, direkt zur Uni zu fahren und mit Studierenden über ihr Studium zu sprechen. Eine weitere Möglichkeit ist, ein anderes Fach zu studieren, nebenbei journalistische Praktika zu machen und nach dem Studium ein Volontariat zu absolvieren. Und dann gibt es natürlich die Journalistenschulen, die in der Branche besonders angesehen sind. Aber auch wenn dort die Bewerberzahlen in den letzten Jahren zurückgegangen sind, bekommt man nur schwer einen Platz.

abi>> Wann ist ein Volontariat zu empfehlen?

Eva Werner: Volontariat ist nicht gleich Volontariat. Es ist kein geschützter Begriff und in der Praxis gibt es auch längere Praktika, die als Volontariat bezeichnet werden. Am besten sind Volontariatsverträge, die an das Tarifgesetz angelehnt sind. Auf jeden Fall muss im Vertrag der Begriff Ausbildung erwähnt sein und die Möglichkeit, an internen und externen Fortbildungen teilzunehmen. In der Regel dauert ein Volontariat zwei Jahre. Es sollte jedoch nicht kürzer sein als 15 Monate.

abi>> Welchen Herausforderungen müssen sich junge Journalisten stellen?

Eva Werner: Man sollte multimedial arbeiten wollen. Heutzutage müssen eigentlich alle damit rechnen, dass sie auch (Handy-)Filme erstellen müssen, egal ob sie etwa bei der Zeitung, beim Radio oder im Onlinebereich arbeiten. Auch ein gutes Gespür für „Storytelling“ ist wichtig, also eine Idee haben, mit welchem Text, welchem Bild und Ton und in welchen Elementen eine Geschichte am besten erzählt werden kann.

abi>> Welche Tipps haben Sie für den Berufseinstieg?

Eva Werner: Neben Praktika sind ein eigener Blog oder Auftritte in den Social-Media-Kanälen eine gute Möglichkeit, Redakteure auf sich aufmerksam zu machen. Wenn man sich geschickt präsentiert, kann das den Einstieg erleichtern.


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Stand: 17.09.2019