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„Was haben Sie schon geschrieben?“

Eine junge Frau arbeitet an einem Computer in einer Sprecherkabine. Foto: Martin Rehm
"Man sollte multimedial arbeiten können", rät Eva Werner vom DJV angehenden Journalisten.
Foto: Martin Rehm

Journalisten – Interview

„Was haben Sie schon geschrieben?“

Die Wege in den Journalistenberuf sind genauso vielfältig wie die späteren Tätigkeiten. Eva Werner vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) verrät im abi>> Interview, was angehende Medienschaffende beachten sollten.

abi>> Frau Werner, was ist der erste Schritt in den Journalistenberuf?

Eva Werner: Ich rate dazu, zuerst ein Praktikum zu machen. Nur so kann man herausfinden, ob einem Journalismus wirklich liegt. Und man hat dann auch schon Texte verfasst. Wenn man sich nämlich irgendwo bewirbt, ist oft die erste Frage: „Was haben Sie schon geschrieben?“.

abi>> Ist Journalismus Handwerk oder Begabung?

Ein Porträt-Foto von Eva Werner.

Eva Werner

Foto: Tobias Fuhrmann

Eva Werner: Journalismus ist Handwerk, wenn auch ein gewisses Talent nicht schadet. „Gerade“ Sätze schreiben zu können ist Grundvoraussetzung.

abi>> Muss man unbedingt studieren?

Eva Werner: Es gibt von Seiten des Staates für eine Ausbildung keine Vorschriften, da Journalismus als vierte Säule im Staat die Politik überwachen soll. Aber in der Realität ist es so, dass man weiter kommt, wenn man ein Studium absolviert hat.

abi>> Welche Studienmöglichkeiten gibt es?

Eva Werner: Es gibt eine große Bandbreite von Studiengängen: Journalistik, Journalismus, Kommunikationswissenschaften und darunter auch ganz viele fachbezogene Varianten. Wichtig ist, dass die Studiengänge praxisnah sind. Mein Rat ist, direkt zur Uni zu fahren und mit Studierenden über ihr Studium zu sprechen. Eine weitere Möglichkeit ist, ein anderes Fach zu studieren, nebenbei journalistische Praktika zu machen und nach dem Studium ein Volontariat zu absolvieren. Und dann gibt es natürlich die Journalistenschulen, die in der Branche besonders angesehen sind. Aber auch wenn dort die Bewerberzahlen in den letzten Jahren zurückgegangen sind, bekommt man nur schwer einen Platz.

abi>> Wann ist ein Volontariat zu empfehlen?

Eva Werner: Volontariat ist nicht gleich Volontariat. Es ist kein geschützter Begriff und in der Praxis gibt es auch längere Praktika, die als Volontariat bezeichnet werden. Am besten sind Volontariatsverträge, die an das Tarifgesetz angelehnt sind. Auf jeden Fall muss im Vertrag der Begriff Ausbildung erwähnt sein und die Möglichkeit, an internen und externen Fortbildungen teilzunehmen. In der Regel dauert ein Volontariat zwei Jahre. Es sollte jedoch nicht kürzer sein als 15 Monate.

abi>> Welchen Herausforderungen müssen sich junge Journalisten stellen?

Eva Werner: Man sollte multimedial arbeiten wollen. Heutzutage müssen eigentlich alle damit rechnen, dass sie auch (Handy-)Filme erstellen müssen, egal ob sie etwa bei der Zeitung, beim Radio oder im Onlinebereich arbeiten. Auch ein gutes Gespür für „Storytelling“ ist wichtig, also eine Idee haben, mit welchem Text, welchem Bild und Ton und in welchen Elementen eine Geschichte am besten erzählt werden kann.

abi>> Welche Tipps haben Sie für den Berufseinstieg?

Eva Werner: Neben Praktika sind ein eigener Blog oder Auftritte in den Social-Media-Kanälen eine gute Möglichkeit, Redakteure auf sich aufmerksam zu machen. Wenn man sich geschickt präsentiert, kann das den Einstieg erleichtern.

abi>> 04.06.2018