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Experten für kulturelle Vielfalt

Rücken eines alten religionswissenschaftlichen Buchs. Foto: Thomas Lohnes
Geschichte und Gegenwart: Religionswissenschaftler erforschen auch, wie Religion sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.
Foto: Thomas Lohnes

Religionswissenschaftler – Hintergrund

Experten für kulturelle Vielfalt

Religionswissenschaft gilt als kleines Fach. Entsprechend ist die Anzahl der explizit für Absolventen ausgeschriebenen Stellen gering. Durch ihr Studium erlangen sie jedoch Kompetenzen, die sie flexibel für den Arbeitsmarkt machen – in unterschiedlichen Bereichen.

Christian Röther (33) arbeitet als Freier Journalist für den Hörfunk. Neben gelegentlichen Beiträgen für WDR und NDR erhält er seine Aufträge hauptsächlich vom Deutschlandfunk. Sein Schwerpunkt sind dabei religionsbezogene Themen. „Die Bandbreite reicht von Glaubensvorstellungen im Dreißigjährigen Krieg über 200 Jahre liberales Judentum bis hin zu Religion in der Serie ‚Game of Thrones‘“, fasst er zusammen. „Ich schlage die Themen meist selbst vor, bekomme aber auch Anfragen von der Redaktion.“

Was will ich machen?

Portrait von Christian Röther. Foto: privat

Christian Röther

Foto: privat

Der Weg zu seinem Beruf begann für Christian Röther mit dem Studium der Religionswissenschaft, Ethnologie und Geschichte in Göttingen und einem Auslandssemester in der Türkei. „Religionsbezogene Kompetenzen sind derzeit gesellschaftlich gefragt“, ist seine Erfahrung. Diese Kompetenzen hat der Religionswissenschaftler mit seiner Promotion über die islamfeindliche Szene in Deutschland erweitert. Trotzdem stellte sich für ihn, wie für andere Studierende und Absolventen des Fachs, die Frage, in welche berufliche Richtung man mit einem religionswissenschaftlichen Studium gehen kann. „Man muss die Frage beantworten: Was will ich gerne machen?“, rät der Journalist. „Dann gilt es, hartnäckig und engagiert zu sein.“

Christian Röther hat dafür schon während des Studiums Praktika bei der Zeitung und beim Hörfunk gemacht, wo er auch als Redakteur gearbeitet hat. Es folgte ein Volontariat bei einer kirchlichen Medienagentur in Hannover. Anschließend hat er sich bewusst für eine freie Tätigkeit entschieden: „Ich wollte gerne konfessionsunabhängig arbeiten“, berichtet der Religionswissenschaftler. „So ist auch das Studienfach angelegt.“

Auf Reisen und zu Hause

Der 33-Jährige reist nun durch Deutschland, um Menschen für seine Beiträge zu interviewen. Die Texte entstehen dann zu Hause. Dort spricht er auch seine Beiträge selbst ein und ergänzt sie durch O-Töne von Interviewpartnern, Musik und Geräusche. „Für mich ist es ein absoluter Traumjob“, verrät er. „Ich darf mich mit interessanten Themen und Menschen befassen. Durch meine Arbeit am eigenen Schreibtisch bin ich außerdem sehr flexibel. Ich habe immer genug zu tun und kann gut davon leben.“

Viele Religionswissenschaftler finden das Betätigungsfeld, das ihnen liegt. Die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise gering. Der Arbeitsmarktanteil, der direkt Religionswissenschaftler anspricht, allerdings auch: „In der Berufsgattung Expertentätigkeiten in Berufen in Philosophie, Religion und Ethik fanden sich Mitte 2016 lediglich 2.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, etwa 250 Arbeitslose und Stellenangebote in einstelliger Höhe“, erklärt Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit.

Journalismus, Beratung und vieles mehr

Porträt von Gritt Klinkhammer. Foto: privat

Gritt Klinkhammer

Foto: privat

Journalismus ist nur ein Bereich, in dem Religionswissenschaftler arbeiten können. „In der Gesellschaft wird derzeit immer wieder um nationale, aber auch private Identitäten diskutiert“, erläutert Gritt Klinkhammer, Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaftler e.V. (DVRW). „In unserem Fach beschäftigen wir uns genau damit, indem wir die Funktionen und Wirkungsweisen von Religionen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten erforschen und miteinander vergleichen. In allen Arbeitsbereichen, in denen es beispielsweise um Migration oder Integration geht, können Religionswissenschaftler wertvolles Wissen einbringen.“

Das betrifft Politik- oder Flüchtlingsberatung genauso wie soziale Berufe, den Kulturbereich oder Personalberatung. Claudia Suttner ergänzt: „Religionswissenschaftler arbeiten beispielsweise im Publizismus, in der Erwachsenenbildung oder im Kunst- und Kulturmanagement. Auch in international tätigen Unternehmen können sich für Religionswissenschaftler aufgrund ihres Wissens um interreligiöse und interkulturelle Zusammenhänge Jobchancen eröffnen. Absolventen der Religionswissenschaften können – wie viele andere Geisteswissenschaftler auch – damit punkten, dass sie eine hohe Kompetenz in der Wissens- und Informationsrecherche und -aufbereitung mitbringen.“

Frühzeitig orientieren

Wer als Religionswissenschaftler einen geeigneten Job finden will, sollte sich schon während des Studiums aktiv mit dem Arbeitsmarkt beschäftigen. „In den letzten Jahren gab es mit tendenziell rückläufiger Arbeitslosigkeit und steigender Beschäftigung eine positive Entwicklung für Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge,“ erklärt die Expertin der Bundesagentur für Arbeit. „Allerdings verläuft der Berufseinstieg oft alles andere als einfach, da es nur wenige Stellenangebote gibt, die sich explizit an die vielen Absolventen geisteswissenschaftlicher Studiengänge richten.“

Eine frühzeitige berufliche Orientierung, Flexibilität und Mobilität seien daher wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Etablierung am Arbeitsmarkt. „Es gilt, sich möglichst frühzeitig über Tätigkeitsfelder zu informieren und auf ein klares arbeitsmarktgerechtes Qualifikationsprofil hinzuarbeiten. Hierzu sind praktische Erfahrungen und Netzwerkpflege sehr hilfreich“, empfiehlt Claudia Suttner.

Die Chancen, als Religionswissenschaftler eine Beschäftigung zu finden, in der die fachlichen Kompetenzen gefragt sind, stehen so gut, wie schon lange nicht mehr: „Man weiß mittlerweile um die Relevanz religionswissenschaftlicher Themen“, erklärt Gritt Klinkhammer. „Der Arbeitsmarkt hat sich dadurch geöffnet.“

Info

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Religion).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Religion).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwort: Religion).
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft e. V. (DVRW)

Die Vereinigung setzt sich für die Nachwuchsförderung ein und versteht sich als Interessenvertretung der Religionswissenschaftler in der Öffentlichkeit.
www.dvrw.uni-hannover.de

Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. (Remid)

Der Verein informiert über Themen der Religionswissenschaft, erstellt Statistiken und betreibt ein Archiv. Er betreut das Projekt „Religionswissenschaftler im Beruf“.
www.remid.de

abi>> 02.08.2018