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„Kind, mach was Sicheres!“

Drei Frauen an einem Schreibtisch im Gespräch. (Foto: Julien Fertl)
Arbeitsmarktprognosen spielen auch in der Studien- und Berufsberatung eine Rolle.
Foto: Julien Fertl

Arbeitsmarktprognosen – Hintergrund

„Kind, mach was Sicheres!“

Ist es ratsam, die Studien- und Berufswahl nach Arbeitsmarktprognosen auszurichten? abi>> erklärt, wie Prognosen entstehen und welche Rolle sie bei eigenen Entscheidungen spielen können.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Entscheidung für oder gegen ein Studium allein von Arbeitsmarktprognosen abhängig zu machen, ist nicht ratsam. „Prognosen können das i-Tüpfelchen sein, aber kein ausschlaggebendes Argument“, sagt Dr. Sabine Klinger. Sie weiß genau, was Voraussagen leisten können und was nicht, denn die Wissenschaftlerin erstellt Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB). „Prognosen haben wenig mit der individuellen Situation eines Abiturienten zu tun, der entscheiden muss, wie es für ihn nach der Schule weitergeht.“

Unzählige Variablen für plausible Prognosen

Portraitfoto von Dr. Sabine Klinger. (Foto: Privat)

Dr. Sabine Klinger

Foto: Privat

Um zu verstehen, wozu Prognosen gut sind und was sie leisten können, muss man wissen, wie sie entstehen. Das IAB setzt auf sogenannte ökonometrische Prognosen: „Das sind statistische Modelle, die mit Expertenrunden kombiniert werden. In diesen Modellen formulieren wir Gleichungen, die gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge abbilden. Es gibt unzählige Variablen, etwa Konsumverhalten, Einkommen der Haushalte und Erwerbsbeteiligung. Hinzu kommen Aussagen über den Zusammenhang all dieser Variablen untereinander. Dann treffen wir Annahmen über die künftige Entwicklung der Einflussfaktoren, etwa Trendfortschreibungen oder Experteneinschätzungen, zum Beispiel über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Aus diesen Gleichungen und Annahmen ergeben sich Lösungen, die Aussagen zum Beispiel über die Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit zulassen. Diese Modellprognosen werden dann einer Plausibilitätskontrolle unterzogen“, beschreibt Dr. Sabine Klinger das komplexe Vorgehen.

Bei kurzfristigen Prognosen, die sich auf ein bis zwei Jahre erstrecken, geht es um die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung, wobei konjunkturelle Einflüsse sehr stark gewichtet werden. Bei langfristigen Betrachtungen sprechen die Experten von Projektionen: „Ziel ist es, Trends und Entwicklungen zu verdeutlichen, um etwa den Bedarf in bestimmten Berufen oder Wirtschaftssektoren aufzuzeigen.“ Dies ist wichtig, damit Politik und Wirtschaft rechtzeitig die richtigen Weichen stellen können, etwa bei den Themen Gesundheitswesen und Digitalisierung.

Studieren für den Arbeitsmarkt?

Auch Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit hält solche Modellrechnungen allein nicht für geeignet, um die persönliche berufliche Karriere zu planen: „Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen, das gilt auch für den Arbeitsmarkt. Wir wissen nicht, wie viele Menschen mit welcher Ausbildung in zehn oder 15 Jahren gebraucht werden.“

Generell lässt sich festhalten, dass die Arbeitsmarktsituation für Hochschulabsolventen sehr gut ist: „Akademiker sind im Schnitt seltener von Arbeitslosigkeit betroffen. 2015 lag ihre Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent“, so der Experte. Zum Vergleich: Die Gesamtarbeitslosenquote unter allen zivilen Erwerbspersonen lag bei 6,4 Prozent. Auch haben Akademiker im Durchschnitt ein höheres Lebenseinkommen als Arbeitnehmer ohne akademischen Abschluss. „Aber das sind Durchschnittswerte“, betont Ralf Beckmann. Es gibt große Unterschiede zwischen den Fachrichtungen. Wer beispielsweise Geistes-, Medienwissenschaften oder Biologie studiert hat, hat es deutlich schwerer am Arbeitsmarkt. Fachkräfte mit technischer oder gesundheitsfachlicher Berufsausbildung oder mit Meister- oder Technikerabschluss haben im Vergleich dazu oftmals deutlich bessere Jobchancen einschließlich eines höheren Verdienstes. „Wir beobachten in den letzten Jahren einen Trend zur Akademisierung, das heißt der Bedarf an Akademikern steigt“, ergänzt der Arbeitsmarktexperte. Wenn aber weiterhin so viele junge Menschen wie heute ein Studium wählen, könnte es bis 2030 mehr Akademiker geben als entsprechend vorhandene Arbeitsplätze. Zu diesem Ergebnis kommt eine Projektion des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des IAB. Dann könnten Fachkräfte mit Berufsausbildung Mangelware werden. „Daraus den Schluss zu ziehen, besser nicht zu studieren, wäre aber falsch. Die Entscheidung für ein Studium oder eine Ausbildung bleibt eine persönliche. Wer gerne schnell ins Arbeitsleben einsteigen möchte und Spaß an praktischer Arbeit hat, für den ist eine Ausbildung eine sehr gute Wahl“, empfiehlt Ralf Beckmann.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

IAB

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
www.iab.de

Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Studiengangssuche und weitere Informationen rund ums Studium
www.hochschulkompass.de

abi>> 31.05.2017