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Die Arbeitswelt von morgen

Zwei Frauen und ein Mann diskutieren über einer Broschüre. Foto: Julien Fertl
In welchen Bereichen sind die Jobchancen am besten? Prognosen helfen bei der Einschätzung, sind häufig aber auch Anlass für Diskussionen.
Foto: Julien Fertl

Umgang mit Arbeitsmarktprognosen – Interview

Die Arbeitswelt von morgen

Unsere Arbeitswelt wird sich stark verändern – und wir können sie gestalten. Das ist die Prognose von Dr. Terry Gregory, Senior Researcher im Forschungsbereich „Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung“ des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Im abi>> Interview gibt er Antworten auf wichtige Fragen.

abi>> Herr Dr. Gregory, wie könnte die Arbeitswelt von morgen aussehen?

Dr. Terry Gregory: Es gibt verschiedene Szenarien. Manche Zukunftsforscher beschreiben eine Arbeitswelt, in der Roboter und andere Formen künstlicher Intelligenz jede Art von Arbeit übernehmen. Das halte ich für übertrieben. Unterschätzt wird, dass Tätigkeiten am Arbeitsplatz deutlich komplexer sind als Berufsbilder vermuten lassen. So gehen viele Arbeitsplätze mit interaktiven Tätigkeiten wie Teamwork oder Kundenkontakt einher, die von Maschinen nur schwer zu bewerkstelligen sind. Zudem passen sich Jobs auch an den Wandel an: Menschen übernehmen stärker solche Tätigkeiten, die sie besser können als Roboter.

abi>> Worauf müssen Mitarbeiter sich also einstellen?

Portrait von Dr. Terry Gregory. (Foto: Privat)

Dr. Terry Gregory

Foto: Privat

Terry Gregory: In der Produktion und im verarbeitenden Gewerbe werden Arbeitnehmer stärker mit menschenähnlichen, kollaborativen Robotern zusammenarbeiten, den sogenannten Cobots. Im Dienstleistungsbereich wird intelligente Software zum Einsatz kommen, und es wird stärker mit größeren Datenbanken und über Onlineplattformen gearbeitet. Neue Technologien durchdringen dabei alle Berufe und erhöhen den Bedarf an IT-Fähigkeiten. Es geht dabei nicht nur um Informatik im engeren Sinn, um die Entwicklung von Apps und Internetsicherheit, sondern um die Anwendung. Handwerker zum Beispiel bieten ihre Dienste immer häufiger auf Plattformen an. Ein Verständnis für das Internet, für Apps und ihre Anwendungen werden also selbst für Handwerker immer wichtiger.

abi>> Welche Kompetenzen müssen Mitarbeiter noch mitbringen?

Terry Gregory: Je intelligenter und vernetzter die Abläufe in Unternehmen und Fabriken werden, umso mehr müssen Arbeitnehmer sich Wissen über diese Prozesse aneignen. Das Arbeiten wird interdisziplinärer werden, ist nicht mehr auf einen speziellen Bereich beschränkt. Generell werden auch Kompetenzen gefragter, die Maschinen nicht abdecken können, etwa Kreativität und Kommunikation. Einfache Tätigkeiten hingegen, die sich automatisieren lassen, fallen weg. Das bedeutet insgesamt eine höhere Notwendigkeit der Qualifizierung. Allerdings kann es in einigen Bereichen zu sinkenden Anforderungen kommen, etwa da, wo Maschinen weitgehend autonom agieren und die menschliche Arbeit auf Überwachungs- und Kontrollfunktionen reduziert wird.

abi>> Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus für die heutigen Abiturienten?

Terry Gregory: Arbeit wird spannender, vielfältiger und körperlich immer weniger anstrengend. Gleichzeitig werden die Aufgaben im Zuge der technischen Möglichkeiten immer komplexer und anspruchsvoller. So müssen immer häufiger mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigt werden, was zu steigender mentaler Belastung und Überforderung führen könnte.

abi>> Ist das ein Blick in die Glaskugel?

Terry Gregory: Um Zukunftsthemen gibt es immer einen „Hype“, so als stünden die Roboter morgen neben uns. Romane bedienen ebenfalls diffuse Zukunftsängste. Die beschriebenen Prozesse werden eintreten, aber eben nicht gleich morgen, und es wird auch nicht jeder Arbeitsplatz gleichermaßen betroffen sein. Aber statt Schreckensszenarien zu entwerfen, sollten wir die Chancen sehen, die Zeit nutzen und unsere Arbeitswelt mitgestalten.

abi>> 25.05.2017