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„Bekomme ich damit später einen Job?“

Zwei junge Frauen beraten eine Jugendliche an einem Schreibtisch mit Hilfe einer Broschüre. (Foto: Julien Fertl)
Wie geht es nach Schule oder Studium weiter? Ein Beratungstermin bei der örtlichen Agentur für Arbeit kann Klarheit bringen.
Foto: Julien Fertl

Umgang mit Arbeitsmarktprognosen – Beratungsprotokoll

„Bekomme ich damit später einen Job?“

Sven (17) möchte Politologie studieren, Veronika (16) würde am liebsten Deutsch- und Geschichtslehrerin werden und Paul (17) interessiert sich für Games Engineering. Alle drei fragen sich, wie es nach dem Studium weitergehen kann und haben einen Termin in der Agentur für Arbeit Freising vereinbart. Hier hilft Beraterin Maria Altenbuchinger-Dick weiter.

Sven: der Politologe

Statt Zahlen oder Prognosen zu kennen, ist es wichtig, erst einmal die Arbeitsmarktstruktur zu verstehen. Bei den Stellen gibt es einen Kernbereich: Das sind Angebote, die sich explizit an eine bestimmte Berufsgruppe richten. Im Fall der Politologen ist dieser Kernbereich verschwindend gering. Wenn Sven zum Beispiel in der Jobbörse (wird verlinkt) nach Stellen für Politologen suchen würde, wäre die Auswahl rar. Von einem Studium ist aber deshalb nicht generell abzuraten.

Es gibt einen weiteren Kreis, der den Arbeitsmarkt für Gesellschafts- und Geisteswissenschaftler beschreibt. Dort suchen zum Beispiel private und öffentliche Einrichtungen Referenten oder etwa Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsarbeit. Und schließlich gibt es einen Arbeitsmarkt, der sich generell an Akademiker richtet. Arbeitgeber erwarten für manche Stellen ein Studium, aber kein bestimmtes Studienfach – etwa in der Unternehmensberatung. Hier spielen Schwerpunkte im Studium, Praktika und berufsqualifizierende Fähigkeiten eine Rolle, die Sven sich während des Studiums aneignen sollte.

Manche Studierende haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis: Sie brauchen konkrete Berufsziele vor Augen, wollen gute Arbeitsmarktchancen und auch das Thema Gehalt spielt eine Rolle. Sven hingegen ist es vor allem wichtig, sich inhaltlich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinanderzusetzen. Gleich nach dem Studium eine fachlich einschlägige feste Stelle zu finden, hat für ihn nicht höchste Priorität.

Veronika: die Gymnasiallehrerin

Veronika möchte Lehrerin werden, am liebsten für Deutsch und Geschichte. Sie weiß aber, dass die Bedarfsprognosen für diese Bereiche nicht so gut aussehen. Gerade beim Lehramt schlägt der „Schweinezyklus“ stark zu Buche. Gemeint sind schlechte Prognosen, die vom Studium einer bestimmten Fächerkombination abhalten, so dass in Folge zu wenige Lehrkräfte nachrücken. Allerdings ist dies für Deutsch/Geschichte nicht zu erwarten.
Beim Lehrerarbeitsmarkt kommen weitere Unsicherheiten wie etwa das Hin und Her zwischen G8 und G9 hinzu sowie die Gefahr, dass die Länder nicht zwingend nach dem errechneten Bedarf der Lehrerbedarfsprognosen einstellen.

Wir haben deshalb darüber gesprochen, welche Beschäftigungsmöglichkeiten es abseits vom Lehramt für Veronika gibt, und ob das Risiko, nicht in den Schuldienst übernommen zu werden, für sie vertretbar wäre. Veronika ist es wichtig, Berufsperspektiven zu haben.

Paul: der Spieleentwickler

Paul würde gerne Games Engineering studieren. In der Oberstufe belegte er ein P-Seminar zu Spielentwicklung und machte erste Erfahrungen mit der Entwicklungsumgebung Unity. Er erzählt, dass die Spielbranche boomt, er sich aber unsicher ist, ob das auch für die Jobchancen gilt, und ob er sich mit dem Studium nicht zu sehr in eine Nische manövriert.

Der Kernarbeitsmarkt für Spieleentwickler ist sehr klein und vor allem international. Internationalität ist für Paul eher ein Plus, weil ihm Sprachen leichtfallen, er sich gerne auf Englisch unterhält. Computerprogramme und auch Spiele, die er bisher genutzt hat, laufen sowieso meist auf Englisch.

Inwieweit er sich mit dem Studiengang zu sehr in eine Nische manövriert, hängt stark von der Hochschule ab. Paul hat mit seiner Schulklasse die TU München besucht und möchte nach Möglichkeit dort studieren. An der TU ist der Anteil an Informatik in Games Engineering so hoch, dass es kein Problem wäre, auf andere Themen innerhalb der Informatik umzusatteln. Bei anderen, vor allem privaten Anbietern, die eine Ausbildung in Spiele-Design anbieten, muss man sich die Module sehr genau anschauen.

abi>> 31.05.2017