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Benzin im Blut?

In einer Fertigungsstraße werden Karosserieteile mithilfe von Fertigungsrobotern verklebt.
Die Automobilbranche bietet Arbeitsplätze für Absolventen vielfältiger Studiengänge aus den Bereichen Elektronik, Technik oder IT.
Foto: Ingo Wagner

Automobilbranche – Hintergrund

Benzin im Blut?

PS-Boliden mit Elektroantrieb, selbstfahrende Fahrzeuge, vernetzte Pkw – in der Automobilindustrie tut sich einiges. Vor allem für Einsteiger mit technischem Interesse ist die Branche deshalb spannend.

„Meine Aufgabe ist es, Qualität, Menge und Effizienz der Produktion sicherzustellen“, erklärt Malte Sahling. Der Ingenieur ist beim Automobilzulieferer Continental Produktionsleiter für dekorative Oberflächenfolien. Diese werden etwa für die Seitenverkleidung, die Sitze oder die Instrumententafeln in einem Fahrzeug verwendet. Zu Beginn eines Arbeitstages trifft sich der 31-Jährige mit den Schichtleitern. Anschließend macht er einen Rundgang durch die Produktion, bevor Besprechungen mit Kollegen aus Technik und Logistik anstehen. „Meine Schwerpunkte liegen auf der Arbeitssicherheit sowie der Auslastung und der Effizienz der Anlagen. Hinzu kommt die Budget- und die Mitarbeiterplanung“, sagt Malte Sahling. Er ist nach wie vor fasziniert, wie viel Technik sich in einem einzigen Fahrzeug befindet. „Ich setze mich heute ganz anders in ein Auto, weil ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt.“

Studiert hat Malte Sahling an der Fachhochschule Hannover. Dort hat er ein duales Studium der Konstruktionstechnik absolviert. Praxispartner war sein heutiger Arbeitgeber, wo er gleichzeitig die Ausbildung zum Mechatroniker abschloss. Anschließend studierte Malte Sahling Betriebsorganisation auf Master und arbeitete parallel in der Planungs- und Investitionsabteilung für die Anlagen von Continental. „Die Kombination aus Technik und Betriebswirtschaft kommt mir heute zugute“, ist sich der Ingenieur sicher.

Wachstum und neue Risiken

Ein Porträt-Foto von Malte Sahling

Malte Sahling

Foto: privat

Für Tätigkeiten, wie sie Malte Sahling erledigt, braucht es qualifizierte Leute: Mehr als 900.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind in der Automobilindustrie tätig. Ihre Zahl ist bis 2015 überdurchschnittlich gewachsen, 2016 lag die Zunahme mit 1,6 Prozent erstmals etwas unter dem branchenübergreifenden Beschäftigungswachstum insgesamt (2 Prozent). „Ob dies eine Folge der aktuellen Risiken der deutschen Automobilindustrie, wie Abgasskandal, mögliche Brexit-Folgen und E-Mobilität, oder der Einführung der Industrie 4.0 ist, lässt sich nicht abschätzen“, sagt Ilona Mirtschin, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit.

Der Akademikeranteil in der Automobilindustrie ist mit 18 Prozent überdurchschnittlich hoch. Für Ingenieure bietet die Automobilindustrie in erster Linie in Forschung und Entwicklung sowie in der technischen Produktionsplanung und -steuerung Beschäftigungsmöglichkeiten. „Im Fachkräftebereich sind es vor allem Berufe der Maschinenbau- und Betriebstechnik sowie der Fahrzeugtechnik“, erklärt Ilona Mirtschin. Im Jahresdurchschnitt waren 2016 rund 2.000 Arbeitsstellen in der Automobilindustrie bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Als Experten sind vor allem Ingenieure des Maschinenbaus und der Elektrotechnik sowie Ingenieure für technische Produktionsplanung und -steuerung gesucht.

„Chancen aus der Digitalisierung“

Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA), erwartet zudem einen erhöhten Bedarf an Softwareentwicklern sowie Sensorik- und Elektronikspezialisten, weil Fahrzeuge künftig online mit ihrer Umgebung und anderen Autos vernetzt sein werden. „Auch für die Zulieferer ergeben sich vielseitige Chancen aus der Digitalisierung“, meint der Verbandssprecher. „Die Daten, die ein Auto generiert, entstehen in Steuergeräten der Zulieferer.“

Was die Zulieferer fertigen, landet am Ende bei den großen Herstellern, die bei Berufseinsteigern oft besonders beliebt sind. BMW in München zum Beispiel bietet 24 verschiedene Ausbildungsberufe an, hinzu kommt ein internationales Traineeprogramm, das auf Managementaufgaben vorbereitet, sowie viele Direkteinstiege für Hochschulabsolventen – von der Entwicklung über die Produktion bis zum Controlling. „Die wichtigsten technischen Ausbildungsberufe sind der Kfz-Mechatroniker, der sich mit System- und Hochvolttechnik befasst, und der Fertigungsmechaniker, der in der Produktion Metalle bearbeitet“, erklärt Recruiter Christian Wand. „Hinzu kommt der Mechatroniker, der für die Produktionsanlagen zuständig ist, und der Elektroniker für Automatisierungstechnik.“

Frauen in der Belegschaft keine Seltenheit

Auch Designer für den technischen Modellbau, Informatikkaufleute und Fachinformatiker sind gefragt. Acht duale Studiengänge mit Schwerpunkt Elektrik und IT runden die Einstiegswege ab. Alle Einsteiger bei BMW müssen am Anfang zwei Wochen in der Produktion arbeiten. Hier lernen sie das Fundament der Branche kennen – den Bau von Autos. „Übrigens interessieren sich auch viele Mädchen für die technischen Berufe“, so Christian Wand. „Bei uns sind junge Frauen in der technischen Belegschaft keine Seltenheit.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Auto).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Auto).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

www.bibb.de

Verband der Automobilindustrie e. V. (VDA)

www.vda.de

Verband der Internationalen
Kraftfahrzeughersteller e.V. (VDIK)

www.vdik.de

abi>> 09.10.2017

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