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Zwischen Pipette und Big Data

Deatil Darstellung eines DNA-Codes mittels Software auf einem Computermonitor
Bioinformatiker erstellen beispielsweise Softwareprogramme zur Ermittlung und Identifizierung biologischer Strukturen.
Foto: Lennart Preiss

Biotechnologie

Zwischen Pipette und Big Data

Bier, Waschmittelenzyme und Krebsmedikamente sind typische biotechnologische Produkte. So vielfältig wie ihre Erzeugnisse sind auch die beruflichen Möglichkeiten in der Branche.

Der Bioinformatiker Dr. Pascal Gellert entwickelt seit Juli 2016 bei der Mainzer BioNTech AG spezielle Software, um die Synthese immuntherapeutischer Ribonukleinsäuren (RNS) zu optimieren. Oder vereinfacht formuliert: „Meine Abteilung analysiert das Erbgut von Tumoren. Mithilfe der Gensequenzdaten entwickeln wir neue Krebsmedikamente auf RNS-Basis.“

Interdisziplinär arbeiten

Ein Porträt-Foto von Pascal Gellert

Pascal Gellert

Foto: Moser

Der 33-Jährige verbringt viel Zeit mit Programmieren: „Die von mir entwickelte Software muss mit anderen IT-Lösungen des Gesamtsystems interagieren. Dazu bespreche ich mich mit meinen Informatik-Kollegen. Überdies arbeite ich mit der Qualitätssicherung zusammen, da alle Prozesse streng reguliert sind.“ Auch die Dokumentation seiner Entwicklungsarbeit gehört zu seinen Aufgaben.

2009 schloss Pascal Gellert sein Diplomstudium Bioinformatik an der Fachhochschule Gießen ab und promovierte 2013 am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. Sein Berufsleben begann er im Londoner MRC Clinical Science Centre.

Auffassungsgabe und Selbstständigkeit

Wichtig für seine Arbeit ist, sich schnell und flexibel in Neues einzuarbeiten. „Dazu kommen ein hohes Maß an Selbstständigkeit sowie analytische Fähigkeiten und gute Englischkenntnisse“, betont er. Ihm gefällt: „Die Abwechslung, und dass ich am großen Ziel des medizinischen Fortschritts mitarbeite.“ Für die Zukunft wünscht sich der Bioinformatiker: „Ich möchte mich fachlich in Richtung neue Technologien wie Big Data weiterentwickeln. Mittelfristig würde ich gerne eine Projekt- oder Teamleitung übernehmen.“

Heterogene Branche mit hoher Dynamik

Pascal Gellert gehört zu den etwa 19.000 Beschäftigten, die 2015 laut www.biotechnologie.de in den etwa 590 „dedizierten“ – hauptsächlich biotechnologisch tätigen – Unternehmen arbeiteten. Das waren rund 1.000 mehr als 2014. Hinzu kamen etwa 20.200 Mitarbeiter in den über 130 Firmen der Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie, die auch biotechnologisch aktiv sind. Dr. Kathrin Rübberdt, Leitung Biotechnologie bei der DECHEMA – Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V., erklärt: „Ein Großteil der biotechnologischen Wertschöpfung entsteht in großen Unternehmen, die beispielsweise Waschmittelenzyme oder Aminosäuren für Futtermittel produzieren.“

Fast die Hälfte der Biotechnologie-Unternehmen ist im Bereich der „roten“, also medizinischen Biotechnologie, tätig, gefolgt von Dienstleistungsunternehmen (31,9 Prozent) und der industriellen Biotechnologie, die biotechnologische Methoden für industrielle Produktionsverfahren einsetzt. (10,1 Prozent). 2015 erzielten sie insgesamt einen Umsatz von 3,28 Milliarden Euro (2014: 3,03 Milliarden Euro). Dabei verzeichnete die industrielle Biotechnologie das stärkste Wachstum.

Überdurchschnittlicher Akademikeranteil

Im Juni 2016 zählte die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) in den für die Branche typischen Berufen Biochemiker, Biotechnologe und Bioinformatiker insgesamt 34.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. „Darunter waren 6.500 mit einer Expertentätigkeit, die einen akademischen Abschluss voraussetzt. Dies entspricht einem überdurchschnittlichen Anteil von 19 Prozent“, erläutert Ilona Mirtschin, Arbeitsmarktexpertin bei der BA.

Im Jahresdurchschnitt 2016 waren 1.700 Experten der genannten Berufe arbeitslos – acht Prozent weniger als 2015 – bei durchschnittlich 100 gemeldeten freien Stellen. „Für eine Biologielaboranten-Ausbildung interessieren sich offenbar vor allem Abiturienten. 2015 schlossen sie 363 von insgesamt 480 Ausbildungsverträgen in diesem Beruf ab“, ergänzt die BA-Expertin.

Digitalisierung und Bioökonomie

„Auch in der Biotechnologie wird die Digitalisierung Prozesse automatisieren und jenseits von Pipette und Labor neue Perspektiven eröffnen, beispielsweise unter dem Stichwort ‚Big Data‘“, erwartet Dr. Kathrin Rübberdt. „Zu den großen Zukunftsthemen gehört überdies das Genome Editing – das gezielte Verändern von Erbgut“, ergänzt sie. Mittelfristig wachsen wird voraussichtlich die Bioökonomie mit biotechnologisch hergestellten Produkten als Ersatz für fossile Rohstoffe. Zwar gelten die USA immer noch als Biotechnologie-Nabel der Welt. „Richtung Osten – insbesondere in China – entwickelt sich jedoch derzeit ein wettbewerbsfähiger Gegenpol“, beobachtet die DECHEMA-Expertin. Zur Situation hierzulande ergänzt sie: „Die deutsche Biotechnologie ist international in einigen Feldern Spitze, aber längst nicht überall. Vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung hat sie sich sehr gut positioniert. Heute akzeptieren die Chemie- sowie die Pharmabranche die Biotechnologie selbstverständlicher als integralen Bestandteil. In Zukunft werden diese Branchengrenzen weiter verwischen.“

Weiterführende Links

BERUFENET

Das Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit für Berufe mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter: Biochemiker, Biotechnologie). www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Biotechnologie).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen (Suchwörter: Biochemiker, Biotechnologie).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Bioökonomierat – unabhängiges Beratungsgremium für die Bundesregierung

http://biooekonomierat.de

Biotechnologie-Industrie-Organisation Deutschland e.V. (BIO Deutschland e. V.)

www.biodeutschland.org/de

Brachenportal Biotechnologie (Betreiber: BIOCOM AG)

www.biotechnologie.de

DECHEMA – Gesellschaft für chemische Technik und Biotechnologie e.V.

https://dechema.de

Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (beim Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)

www.vci.de/dib/startseite.jsp

European Biotechnology Network AISBL

http://european-biotechnology.net

Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) e.V.

www.pflanzen-biotechnologie.de

Gesellschaft für Technische Biologie und Bionik GTBB

www.gtbb.net

IWBio - Industrieverbund Weiße Biotechnologie e.V.

www.iwbio.de

Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. – VBIO

www.vbio.de/index_ger.html

Verein Deutscher Ingenieure (VDI) e. V. – Fachbereich Biotechnologie

www.vdi.de/technik/fachthemen/technologies-of-life-sciences/fachbereiche/biotechnologie

Vereinigung Deutscher Biotechnologie-Unternehmen (VBU)

http://v-b-u.org

Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) e.V.

http://vaam.de

abi>> 17.04.2017

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