Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Eine hoch spezialisierte Nische

Detailaufnahme von einer Spaltlampe für Messungen des vorderen Augenabschnitts.
Kein Krankenhaus ohne High-Tech: Moderne Medizintechnik hat die Behandlung von Patienten revolutioniert.
Foto: Helge Gerischer

Medizintechnik - Hintergrund

Eine hoch spezialisierte Nische

Konsole und Headset für den Operateur, Organe aus dem Labor: Medizintechnik ist ein vielfältiger, exportorientierter Wachstumsmarkt, der wie viele andere Branchen auch von der Digitalisierung angetrieben wird. Chancen gibt es sowohl für Absolventen einer Ausbildung als auch für Akademiker.

Wassilios Intzes organisiert gerade seinen Umzug von Freilassing nach Hong-Kong. Von dort aus wird der 34-Jährige als Senior Sales Manager den Bereich dentale Röntgentechnologie für Asien betreuen. Sein Arbeitgeber ist ein global tätiges Unternehmen der Medizintechnik: „Als Sales Manager arbeite ich an der Schnittstelle zwischen Produktion und dem Vertrieb vor Ort. Es ist eine Mischung aus betriebswirtschaftlichen Aufgaben inklusive Budgetverantwortung, aber auch vielen technischen Fragen, die ich klären muss“, umreißt er sein künftiges Aufgabengebiet.

Eigentlich ist er gelernter Hörgeräteakustiker. Geschafft hat er den Karrieresprung über eine berufliche Weiterbildung plus sehr viel Engagement. „Nach einem Umweg über eine Hochschule habe ich eine Ausbildung gesucht, die möglichst viele Aspekte miteinander verbindet. Die Hörgeräteakustik vereint Handwerk, Medizin, Technik und Kaufmännisches. Ich wollte aber nach der Ausbildung weiterlernen und nicht Geselle bleiben.“

Vom Geselle zum Sales Manager

Ein Porträt-Foto von Wassilios Intzes.

Wassilios Intzes

Foto: privat

In der Nähe seines damaligen Arbeitsgebers gab es die Medizinisch-Technische Akademie Esslingen (MTAE): „Das ist eine private Fach- und Berufsfachschule, die die Weiterbildung zum Techniker für Medizintechnik anbietet und zudem medizinisch-technische Assistenten ausbildet“, erzählt Wassilios Intzes. Rückblickend ist er froh, den Schritt aus einer Festanstellung in die zweijährige Vollzeitausbildung zum Medizintechniker gewagt zu haben. Dank Förderung durch das Meister-BAföG war das für ihn machbar.

In Baden-Württemberg, wo die Akademie ihren Sitz hat, sind zahlreiche Unternehmen der Medizintechnik ansässig: „Viele Firmen pflegen einen intensiven Austausch mit der Akademie. Und so hatte ich noch vor dem Ende der Weiterbildung meinen ersten Arbeitsvertrag in der Tasche.“ Nach ein paar Jahren als Servicetechniker für bildgebende Systeme wechselte er nochmal das Unternehmen und wurde Sales Manager.

Wachsender Weltmarkt

Die Medizintechnik beschäftigt sich mit sehr unterschiedlichen Themen, von Röntgengeräten über Robotersysteme, die beim Operieren assistieren, bis hin zu Mini-Hörgeräten und künstlich gezüchteten Organen. Marktforscher rechnen in den nächsten Jahren mit jährlichen Branchenzuwächsen von mehr als fünf Prozent: „Viele Faktoren begünstigen die Nachfrage, wie der demographische Wandel oder die steigende Bedeutung des Themas Gesundheit. Die deutsche Medizintechnik ist dabei international wettbewerbsfähig, die Hersteller sind hoch innovativ und gut positioniert. Rund zwei Drittel des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Deutschland ist der drittgrößte Medizintechnikproduzent weltweit. Folglich sind die Arbeitsmarktchancen überdurchschnittlich gut“, erzählt Marcus Kuhlmann vom Deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V. (SPECTARIS).

Die Medizintechnikbranche ist regional sehr unterschiedlich aufgestellt. Vielleicht nicht jedem geläufig, aber in der Branche einen Status wie das Silicon Valley in der IT hat die Region um Tuttlingen: „Grundsätzlich gibt es viele Unternehmen in Baden-Württemberg, aber diese Region ist eine Hochburg. Hier ist die Nachfrage nach Fachkräften entsprechend hoch“, weiß Marcus Kuhlmann.

Treiber Digitalisierung

Ob Geräte oder Produktionsprozesse, die zunehmend digitalisiert werden, oder digitale Gesundheitsversorgung wie etwa eHealth oder Telemedizin, die Digitalisierung ist ein Innovationstreiber: „Das bedeutet im Umkehrschluss, dass immer öfter Software in Medizinprodukten zu finden ist, was wiederum dazu führt, dass auch traditionelle Medizintechnikunternehmen vermehrt einen Bedarf an Softwareentwicklern und IT-Ingenieuren haben“, erklärt Marcus Kuhlmann. Da der Anteil an Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Branche überdurchschnittlich hoch ist, werden vermehrt auch studierte Medizintechniker gesucht. Grundsätzlich braucht die Medizintechnikindustrie Ingenieure und Techniker oder auch spezielle Biotechniker: „Das müssen nicht immer studierte Ingenieure sein. Auch beruflich ausgebildete Fachkräfte wie Mechatroniker, Fachinformatiker, Elektriker oder auch Gesundheitshandwerker wie beispielsweise Orthopädieschuhmacher oder Hörgeräteakustiker sind gefragt.“

Da die Branche stark reguliert ist, werden in größeren und international tätigen Unternehmen auch Juristen gesucht. Zudem bleibt der Bedarf an Wirtschaftswissenschaftlern und -ingenieuren ebenfalls hoch.

Die Statistik

Die gute Arbeitsmarktlage bescheinigt auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Medizintechnik, die sich entsprechend erhöht hat: „Akademiker bilden dabei zahlenmäßig eine kleine Gruppe. Das Gros sind klassisch ausgebildete Fachkräfte, Techniker und Meister. Die Arbeitslosigkeit fällt insgesamt unterdurchschnittlich aus. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote liegt unter zwei Prozent“, sagt Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Im Jahr 2017 waren bei der BA durchschnittlich gut 5.000 Stellen gemeldet.

Info

BERUFENET 

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Medizintechnik).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Medizintechnik).

www.studienwahl.de


JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de


KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.

https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

abi>> 02.04.2018

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts