Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Gefragt sind digitale Vorausdenker“

Softwareentwicklerin programmiert auf der Tastatur
Neue Berufsmöglichkeit: Seit Kurzem wird die Ausbildung zum/zur Kaufmann/-frau im E-Commerce angeboten.
Foto: Axel Jusseit

E-Commerce – Interview

„Gefragt sind digitale Vorausdenker“

Wie entwickelt sich die Branche E-Commerce und welche Berufschancen bietet sie? Martin Groß-Albenhausen, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh), steht im abi» Interview Rede und Antwort.

abi>> Herr Groß-Albenhausen, welche aktuellen Themen und Entwicklungen zeichnen sich im E-Commerce ab?

Martin Groß-Albenhausen: Aktuell treibt viele Unternehmen um, dass die Nutzer das Internet zunehmend auf unterschiedlichen Geräten nutzen. Smartphones und Tablets sind dabei nicht einmal der letzte Schrei, Assistenten-Systeme und Voice-Commerce werden die nächsten Jahre prägen (Anm. d. Red.: Dazu zählen etwa die Systeme Siri, Alexa und Google Assistant). Die Herausforderung besteht darin, die eigenen Daten für viel mehr E-Commerce-Kanäle und Verkaufssituationen zu optimieren.

abi>> Wie hat sich die Branche in den letzten Jahren verändert?

Martin Groß-Albenhausen: Sicherlich am meisten durch die Marktplatzeffekte (Anm. d. Red.: virtuelle Marktplätze als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer). Ein zweiter Aspekt ist die Konsolidierung: Wir sehen, dass Online-Pioniere immer öfter mehrere hundert Millionen Euro umsetzen oder an der Milliardengrenze kratzen. Und viele mittelständische Händler halten das Tempo nicht mit.

abi>> Wie schätzen Sie die Zukunft der Branche ein?

Ein Porträt-Foto von Martin Groß-Albenhausen

Martin Groß-Albenhausen

Foto: privat

Martin Groß-Albenhausen: E-Commerce wird das Betriebssystem jedes Handels. Die Zukunft gehört all denen, die mit aller Macht E-Commerce-Prozesse in die Unternehmen bringen und alles radikal für die User Experience gestalten, also für das optimale Nutzererlebnis.
Der kommende Wettbewerb wird nicht mehr zwischen Händlern oder Marketing-Profis geführt, sondern zwischen Technologie-Führern, innovativen Geschäftsmodellen und vernetzenden Ökosystemen. Ein Beispiel: Künstliche Intelligenz (KI) wird viele Tätigkeiten übernehmen, die heute von Online-Marketing-Experten erledigt werden. Aber KI erfindet kein neues digitales Kauferlebnis. Händler müssen sich bewusst sein, dass sie dem Kunden ein ganzheitliches Shopping-Erlebnis bieten müssen.

abi>> Welche grundsätzlichen Anforderungen werden an Bewerber im elektronischen Versandhandel gestellt?

Martin Groß-Albenhausen: E-Commerce ist so vielfältig, dass es auch zahlreiche unterschiedliche Berufsbilder gibt. Allen gemein ist eine starke Orientierung an Kennzahlen und die Optimierung von Prozessen. Aber ein User Experience Designer, der ein positives Nutzererlebnis gestaltet, oder ein Marketing-Experte kann nicht nur auf Tabellen und Workflow-Diagramme schauen. Es braucht Menschen, die neue Geschäftsmodelle denken und beschreiben können, um sie von Programmierern umsetzen lassen zu können. Ich folge hier dem Blogger und Journalisten Sascha Lobo, der immer wieder vor dem Fetisch des Informatikers warnt: Unsere Wirtschaft und Gesellschaft benötigt für die Digitalisierung nicht einfach Coder, die Computerprogramme schreiben, sondern Experten, die digital vorausdenken können.

abi>> Wie gelingt der Berufseinstieg in die Branche?

Martin Groß-Albenhausen: Wir haben mit dem Ausbildungsberuf „Kaufmann/-frau im E-Commerce“ erstmals einen Beruf geschaffen, mit dem man direkt nach der Schule praxisnah in Betrieben den elektronischen Handel von der Pieke auf lernen kann. Es gibt auch duale Studiengänge, die eine Ausbildung in einem Betrieb mit einem fachbezogenen Studium verbinden. Das sind derzeit die direktesten Wege in den E-Commerce. Aber es existieren auch viele Vollzeit-Studiengänge, die in hohem Maß für die Tätigkeiten in unserer Branche qualifizieren. Gemessen an allen angebotenen Studiengängen in Deutschland beschäftigt sich aber gerade einmal ein Prozent überhaupt mit Fragen der Digitalisierung. Insofern ist jeder, der sich heute für Digital Commerce interessiert und sich darin aus- und weiterbildet ein begehrter Mitarbeiter.

abi>> 28.11.2018

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts

andere beiträge der rubrik

 

verwandte themen