Entwickeln, betreuen, beraten

Martin Juergens (29 Jahre), Energieberater  in der Energieagentur Landkreis Loerrach GmbH, arbeitet am 09.09.2016 in seinem Buero: Foto: Winfried Rothermel
Per Tastendruck Richtung Zukunft: Die IT-Branche gilt als enorm innovativ.
Foto: Winfried Rothermel

IT-Branche – Hintergrund

Entwickeln, betreuen, beraten

Die Informatik ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken: Computer, Smartphones, Autos, Maschinen – nichts funktioniert ohne die IT. Deshalb und aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung werden Nachwuchskräfte mit IT-Kenntnissen händeringend gesucht.

Seit zwei Jahren arbeitet Meike Sennert für die Karlsruher CAS Software AG. Dort vertreibt die 27-Jährige Konfigurationssoftware für individualisierbare Produkte und Dienstleistungen, zum Beispiel von Automobilherstellern oder Energieanbietern. „Wenn ein potenzieller Kunde Interesse an unserer Software zeigt, stelle ich ihm unser Produkt vor – entweder vor Ort oder in einer Web-Session“, berichtet die Wirtschaftsinformatikerin.

Während des Vertriebsprozesses wird unter anderem geklärt, wie die IT-Landschaft des Kunden aussieht und wie die Konfigurationssoftware dort optimal integriert werden kann. Dabei finden viele Gespräche mit der Geschäftsführung, den IT-Verantwortlichen und den Vertriebsmitarbeitern des Kunden statt. „Die Bedürfnisse des Kunden gebe ich an unsere Entwickler weiter, die die Software anpassen“, erklärt Meike Sennert, die auch regelmäßig Messen besucht. „Der Vertrieb von Software ist ein hochkomplexer und anspruchsvoller Prozess, der nichts mit Klinkenputzen zu tun hat“, betont die junge Frau, die sich freut, in einer Branche mit Zukunftspotenzial zu arbeiten.

„Ausbildung oder Studium ist ratsam“

Ein Porträt-Foto von Meike Sennert

Meike Sennert

Foto: privat

Mathematik, logisches Denken und das Verständnis für technische Zusammenhänge lagen Meike Sennert schon immer. Auf das reine Programmieren hatte sie jedoch keine Lust, daher entschied sie sich für ein Bachelor- und Masterstudium der Informationswirtschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das Studium besteht zu je 40 Prozent aus Informatik und Wirtschaftswissenschaften und zu 20 Prozent aus Jura. „Nach dem Studium wollte ich gern in einem Schnittstellenbereich arbeiten, daher kam die Stellenausschreibung der CAS Software AG für einen Consultant im Vertrieb genau richtig“, erinnert sie sich.

Nicht nur im Vertrieb von Software sind Fachkräfte mit Informatikkenntnissen gefragt. „Unternehmen aus der Informationstechnologie und Telekommunikation, aber auch alle anderen Unternehmen, die IT anwenden, suchen nach wie vor überwiegend Softwareentwickler. Danach sind Anwendungsbetreuer und Administratoren am stärksten gefragt, gefolgt von IT-Sicherheitsexperten und IT-Beratern“, weiß Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim IT-Branchenverband Bitkom. „Eine berufliche Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich ist auf jeden Fall ratsam. Angesichts der steigenden Komplexität in der IT haben es Quereinsteiger trotz Fachkräftemangel schwerer“, gibt sie zu bedenken.

Wachstumskurs setzt sich fort

Ein Porträt-Foto von Juliane Petrich

Juliane Petrich

Foto: Till Budde / Bitkom e.V.

Aufgrund der digitalen Transformation, die immer mehr Wirtschaftszweige durchlaufen, wächst die IT-Branche weiter. Dadurch steigt die Anzahl der zu besetzenden Stellen. „Das Problem ist aber, dass wir mit den vorhandenen Fachkräften nicht mehr hinterherkommen“, sagt Juliane Petrich. Im Jahr 2017 blieben laut Angaben der Bitkom 55.000 Stellen unbesetzt, weil es keine passenden Bewerber gab. Im Jahr 2013 gab es nur 39.000 unbesetzte Stellen.

Auch die Bundesagentur für Arbeit beobachtet, dass sich der Arbeitsmarkt für IT-Fachleute sehr gut entwickelt. Rund 983.000 IT-Fachleute waren laut Mikrozensus 2016 in Deutschland tätig – fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit setzt sich der Wachstumskurs der letzten Jahre fort. Von 2012 bis 2016 hat die Zahl der erwerbstätigen IT-Fachleute um insgesamt 120.000 zugenommen. Viele von ihnen arbeiten neben Beschäftigten in anderen Berufen in der IT-Branche, aber nicht nur da. Schließlich verfügen auch Unternehmen anderer Wirtschaftszweige über Computer, Server und Co. und benötigen dafür entsprechend ausgebildete Mitarbeiter.

„Nachfrage nach neuen Mitarbeitern auf Höchstniveau“

„Das Wachstum der Erwerbstätigkeit speist sich zum großen Teil aus einer Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung“, erläutert Claudia Suttner, Arbeitsmarktexpertin der Bundesagentur für Arbeit. Die Statistik der Bundesagentur wies 2017 rund 755.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte IT-Fachleute aus, 45 Prozent vor ihnen verfügen über einen akademischen Abschluss. „Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewegte sich auf Höchstniveau“, so Claudia Suttner weiter. Jahresdurchschnittlich hatte die Bundesagentur für Arbeit 2017 rund 17.000 Stellenangebote für IT-Kräfte im Bestand.

Fast jeder dritte IT-Beschäftigte konzipiert, erstellt, installiert, betreut oder erforscht Hard- und Software-Lösungen oder komplexe IT-Systeme. Gut jeder vierte hat seinen Tätigkeitsschwerpunkt in der Softwareentwicklung und Programmierung. Für etwas mehr als jeden fünften Beschäftigten stehen Aufgaben wie die IT-Systemanalyse, die Beratung von Anwendern oder der Vertrieb von IT-Produkten im Vordergrund. Ein weiteres Fünftel der ITler ist in Netzwerktechnik, Koordination, Organisation, System- und Webadministration oder in der Datenbankentwicklung und -administration tätig. Rund 90.000 IT-Fachleute arbeiten laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit als Selbstständige, die Mehrzahl als Freelancer ohne eigene Mitarbeiter.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwörter z. B. Informatik, IT).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwörter z. B. Informatik, IT).
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Bitkom e.V.

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien
www.bitkom.org

Bundesverband IT-Mittelstand e.V.

www.bitmi.de

eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

www.eco.de

 

Branchenumfrage

Einstellungspraxis: IT-Branche

Folgende Firmen haben sich an unserer Branchenumfrage beteiligt und zu ihrer Einstellungspraxis Angaben gemacht:

CAS Software AG

Kontakt

jobs@cas.de

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
300 / 240

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
40 bis 50

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
Softwareentwicklung, Produkt- und Projektmanagement, Vertrieb

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)

Informatik, Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik, Wirtschaftsingenieurwesen

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse 

Praktische Erfahrungen im jeweiligen Einsatzbereich; bei Softwareentwicklern erste Erfahrungen mit objektorientierten Technologien (z. B. Java), optimistische und positive Einstellung, Offenheit für Neues, Interesse an Mitgestaltung statt Mitarbeit

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten 

Duales Studium: Angewandte Informatik

Abschlussarbeiten möglich?
Ja, sowohl Bachelor- als auch Masterthesis

>> nach oben

Fiducia & GAD IT AG

Kontakt

Münster:

michael.altefrohne@fiduciagad.de

volker.elshof@fiduciagad.de

Karlsruhe:

christine.hawkins@fiduciagad.de

daniela.mejrowski@fiduciagad.de

München:

petra.landstorfer@fiduciagad.de

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss 
4.500 / ca. 60 Prozent

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
ca. 130

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
IT, Vertrieb

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)
Nachwuchskräfte vorwiegend aus den Bereichen IT, Bank und BWL

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse
IT-Affinität, Teamfähigkeit, Problemlösungsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Motivation, Lernbereitschaft, Eigenverantwortung

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten

Ausbildung:
Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung

Fachinformatiker/in Systemintegration

Informatikkaufmann/-frau

Maschinen und Anlagenführer/in

Duales Studium:
Angewandte Informatik

BWL

Dienstleistungsmanagement Consulting & Sales

Informationstechnik

Wirtschaftsinformatik Fachrichtung Anwendungsentwicklung

Wirtschaftsinformatik Fachrichtung IT-Consulting

Wirtschaftsinformatik Fachrichtung Software-Engineering

Wirtschaftsinformatik Fachrichtung Sales und Consulting

Wirtschaftsinformatik Fachrichtung Systemintegration

Abschlussarbeiten möglich?
Ja

>> nach oben

DATEV eG

Kontakt
regina.moises@datev.de

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
ca. 7.300 / rund 50 Prozent

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
200 / 100

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
Softwareentwicklung (Host/Web), Rechnungswesen/Steuer/Personalwirtschaft, Sales und Consulting, Customer Service

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)
BWL, Informatik, Wirtschaftsinformatik

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse
Je nach Stellenausschreibung

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten

Ausbildung:

Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung

Fachinformatiker/in Systemintegration

Fachkraft für Schutz und Sicherheit

Kaufmann/-frau für Büromanagement

Kaufmann/-frau für Dialogmarketing

Medientechnologe/-technologin Druck

Verbundstudium, Duales Studium

Praktika, Werkstudierende, Aushilfen

Abschlussarbeiten möglich?
Ja

>> nach oben

SAP SE

Kontakt
www.sap.com/careers

Ausbildung/ Duales Studium:
www.sap.de/ausbildung

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
Ca. 88.000 Mitarbeiter weltweit, Großteil mit Hochschulabschluss

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
Kontinuierlich auf der Suche nach Talenten. Aktuelle Angebote auf der Karriereseite www.sap.com/careers

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
SAP HANA, Cloud, Mobile

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)
Informatik, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse
Ist der jeweiligen Stellenausschreibung auf der Karriereseite zu entnehmen

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten

Duales Studium (Bachelor):

Informatik

(Internationale) Wirtschaftsinformatik

Betriebswirtschaftslehre

Digitale Medien

Duales Studium (Master):

Wirtschaftsinformatik sowie die Ausbildung im Bereich Fachinformatik

Mehr Infos:
www.sap.de/ausbildung

Abschlussarbeiten möglich?
Ja

>> nach oben

INFORM GmbH

Kontakt
bewerbung@inform-software.com

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
Über 600, davon ca. 75 Prozent mit Hoschulabschluss

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
60 bis 70

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
Produktion
Softwareentwicklung, Projektmanagement

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)
Informatik, Maschinenbau, Mathematik, Physik, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften, Technische Informatik, Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse
IT-Affinität, Eigeninitiative und Ausdauer bei komplexen Aufgabenstellungen

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten

Ausbildungen:

Fachinformatiker/in – Systemintegration

Kaufmann/-frau für Büromanagement

Mathematisch-technische Softwareentwickler/in

Schülerpraktika

Abschlussarbeiten möglich?
Ja, Studien- sowie Bachelor-/Masterarbeiten

Zur genauen Absprache von Themen und möglichen Zeiträumen freuen wir uns auf Anfragen.

>> nach oben

Bechtle AG

Kontakt
personal@bechtle.com

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
Über 8.400

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr
Aktuell ca. 800 Stellen:
www.bechtle-jobs.com/index.php?ac=search_result

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf
Vertrieb, System Engineering, System-Technik, IT Consulting, IT Administration

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)

Fachinformatiker/in – Systemintegration,
Fachinformatiker/in – Anwendungsentwicklung,
IT-Systemkaufmann/-frau,
IT-Systemelektroniker/in,
Kaufmann/-frau für Büromanagement,
Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel,

Studienrichtungen siehe Stellenportal:
www.bechtle-jobs.com/index.php?ac=search_result

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse 

Abhängig von der angebotenen Position

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten 

Duales Studium:

Wirtschaftsinformatik
BWL Handel
BWL Dienstleistungsmanagement
Consulting & Sales IT-Beratung

Informationstechnik

Onlinemedien

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Unternehmensrechnung & Finanzen

www.bechtle-azubit.de/ausbildungsplaetze

Abschlussarbeiten möglich?
Ja

>> nach oben

IServ GmbH

Kontakt

jobs@iserv.eu

https://iserv.eu

https://iserv.eu/jobs

Mitarbeiter / davon mit Hochschulabschluss
40 / 7

Einstellungsbedarf an Mitarbeitern / Hochschulabsolventen pro Jahr

Nach Bedarf

Geschäftsfelder mit dem größten Einstellungsbedarf

Entwicklung

Gesuchte Absolventen (Berufsausbildung, Studienfachrichtungen)

Fachinformatiker/in für Systemintegration, Fachinformatiker/in für Anwendungsentwicklung, Softwareentwickler/in mit mehrjähriger Erfahrung im Bereich Webentwicklung oder Systemprogrammierung, Fachrichtung IT

Einstellungskriterien / geforderte Spezialkenntnisse

Variieren je nach Stelle. Für Entwicklung: gute Programmierfähigkeiten, Schwerpunkt Webentwicklung

Angebotene Ausbildungen für Abiturienten / Duale Studiengänge / andere Einstiegsmöglichkeiten für Abiturienten 

Duales Studium:

Informatik

Ausbildungen:

IT-Systemkauffrau /-mann

Fachinformatiker/in – Systemintegration

Fachinformatiker/in – Anwendungsentwicklung

Abschlussarbeiten möglich?

Ja, je nach Einzelfall

>> nach oben

 

IT-Branche – Interview

„Um lebenslanges Lernen kommt man nicht herum“

Welche Trends beherrschen die IT-Branche? Und welche Rolle spielen Start-ups? abi>> sprach mit Juliane Petrich, Leiterin Bildung beim IT-Branchenverband Bitkom.

abi>> Welche Trends sehen Sie in der IT-Branche?

Juliane Petrich: Zu den aktuellen Trends gehören Themen wie Virtual Reality, bei der der Nutzer eine digitale 3-D-Welt mit Hilfsmitteln wie einer VR-Brille erlebt. Außerdem Augmented Reality, bei der man als Ergänzung zur realen Welt etwa auf seinem Smartphone oder Tablet Informationen eingeblendet bekommt. Ein weiteres Thema ist die künstliche Intelligenz, deren Weiterentwicklung auch in der Politik ganz oben angesiedelt ist. Auch Blockchain spielt eine immer wichtigere Rolle. Das sind Datensätze, die durch kryptographische Verfahren miteinander verkettet sind.

abi>> Was bedeuten diese Trends für die Berufseinsteiger? Können sie sich schon in Ausbildung oder Studium auf solche Themen vorbereiten?

Ein Porträt-Foto von Juliane Petrich

Juliane Petrich

Foto: Till Budde / Bitkom e.V.

Juliane Petrich: Zum Teil lernen sie den Umgang mit neuen Technologien in der Praxis kennen. Aber es gibt auch Masterstudiengänge, die sich mit Themen wie künstliche Intelligenz oder auch Big Data beschäftigen, dem Umgang mit großen Datenmengen. Ich würde empfehlen, sich im Grundstudium erst einmal gründlich mit der Informatik auseinanderzusetzen und sich dann im Masterstudium zu spezialisieren. Als IT-Experte kommt man trotzdem um lebenslanges Lernen nicht herum. Wir wissen heute ja noch gar nicht, welche Technologien noch auf uns zukommen werden.

abi>> Wie wichtig sind Start-ups für die IT-Branche?

Juliane Petrich: Start-ups sind in Deutschland ein gewachsener und bedeutender Bereich innerhalb der IT-Branche. Allerdings sind diese jungen Unternehmen ganz besonders vom erhöhten IT-Fachkräftebedarf betroffen, denn sie konkurrieren bei der Nachwuchssuche nicht mehr nur mit den großen Konzernen, sondern auch mit Unternehmen aller anderen Branchen, die für ihre Digitalisierung ebenfalls IT-Fachkräfte suchen. Mit hohen Gehältern, wie sie große Unternehmen in der Regel bieten, können Start-ups einfach nicht mithalten.

abi>> Würden Sie jungen Leuten mit einer guten IT-Idee trotzdem raten, sich selbstständig zu machen?

Juliane Petrich: Auf jeden Fall. Es ist heutzutage leichter geworden, ein Start-up zu gründen. Die Politik fördert das Thema Start-ups zum Beispiel mit dem EXIST-Gründerstipendium. Auch Hochschulen greifen immer öfter das Thema auf. Der Vorteil an einer Gründung während des Studiums ist: Man kann sich mit anderen Studierenden zusammenschließen und seine Ideen umsetzen. Manche Hochschulen bieten Gründerabteilungen an, die den Studierenden die notwendigen Fähigkeiten für eine Gründung vermitteln, etwa das Wissen dazu, wie man einen Businessplan erstellt oder seine Ideen überzeugend präsentiert.

 

IT-Branche – Berufs- und Arbeitsfelder

Berufe in der IT

Fachkräfte mit einer Berufsausbildung sind in der IT ebenso gefragt wie Hochschulabsolventen. So unterschiedlich wie die Zugangswege, sind auch die verschiedenen Ausbildungs- und Studienberufe. abi>> stellt einige vor.

Ausbildungsberufe:

Fachinformatiker/in – Anwendungsentwicklung

Aufgaben:
Entwurf und Realisierung von Softwareprojekten nach Kundenwunsch, Analyse und Planung von IT-Systemen, Benutzerschulung

Mögliche Arbeitgeber:
Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, öffentliche Verwaltung

Mehr zum Ausbildungsberuf „Fachinformatiker/in – Anwendungsentwicklung“ auf BERUFENET >>

Fachinformatiker/in – Systemintegration

Aufgaben:
Realisierung kundenspezifischer Informations- und Kommunikationslösungen, Vernetzung von Hard- und Softwarekomponenten zu komplexen Systemen, Schulung, Beratung

Mögliche Arbeitgeber:
Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, öffentliche Verwaltung

Mehr zum Ausbildungsberuf „Fachinformatiker/in – Systemintegration“ auf BERUFENET >>

Informatikkaufmann/-frau

Aufgaben:
Beschaffung und Verwaltung informations- und telekommunikationstechnischer Systeme, Ermittlung von Benutzeranforderungen, Planung und Erstellung von Anwendungslösungen, Beratung und Schulung der Anwender

Mögliche Arbeitgeber:
Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche

Mehr zum Ausbildungsberuf „Informatikkaufmann/-frau“ auf BERUFENET >>

IT-System-Kaufmann/-frau

Aufgaben:
Konzeption und Umsetzung kundenspezifischer Systemlösungen der IT-Technik, Kundenberatung und
-schulung, Konzeption von Marketingstrategien, Angebotserstellung, Abrechnung

Mögliche Arbeitgeber:
Unternehmen der Softwareberatung und -herstellung, Datenverarbeitungsdienste, Hersteller von Geräten der Informations- und Telekommunikationstechnik, Unternehmensberatung im Bereich EDV-Beratung

Mehr zum Ausbildungsberuf „IT-System-Kaufmann/-frau“ auf BERUFENET >>

Studienberufe:

Informatiker/in

Aufgaben:
Entwicklung und Programmierung von Hard- und Software, insbesondere im Zusammenhang komplexer Informations-, Kommunikations- und Steuerungssysteme, Systemadministration, Projektleitung

Mögliche Arbeitgeber:
Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche, öffentliche Verwaltung

Mehr zum Studienberuf „Informatiker/in“ auf BERUFENET >>

Wirtschaftsinformatiker/in

Aufgaben:
Planung, Entwicklung und Wartung betrieblicher Informations- und Kommunikationssysteme, Analyse der internen Organisationsstrukturen von Unternehmen und Verwaltungen

Mögliche Arbeitgeber:
Unternehmen, die IT-gestützte betriebliche Kommunikations- und Informationssysteme entwickeln, Betriebe nahezu aller Wirtschaftsbereiche, die IT-Systeme zur Abwicklung ihrer Geschäftsprozesse einsetzen, öffentliche Verwaltung

Mehr zum Studienberuf „Wirtschaftsinformatiker/in“ auf BERUFENET >>

Internettechnologe/-technologin

Aufgaben:
Entwicklung und Betreuung von Netzwerken, Anwendungslösungen und elektronischen Dienstleistungen, die über das Internet zugänglich sind, Analyse von Informations- und Kommunikationssystemen auf Effektivität und Sicherheit

Mögliche Arbeitgeber:
IT-Unternehmen, die Internettechnologie entwickeln, Online-Handel, Online-Medien und -Werbeagenturen, Marketing- und PR-Abteilungen von Unternehmen, der öffentlichen Verwaltung, Verbänden und Organisationen

Mehr zum Studienberuf „Internettechnologe/-technologin“ auf BERUFENET >> 

 

IT-Manager

Weniger programmieren, mehr organisieren

Aufgaben planen und verteilen ist eine der Hauptaufgaben von Mario Lipinski beim Braunschweiger IT-Unternehmen IServ. Der 34-Jährige arbeitet dort als Leiter der Softwareentwicklungsabteilung und ist für rund 15 Mitarbeiter verantwortlich.

Schon in der Grundschule war Mario Lipinski von Computern fasziniert. Mit 14 Jahren fing er an, sich das Programmieren beizubringen und betreute das Rechnernetz seiner Schule. Daher war das Informatikstudium an der Technischen Universität Braunschweig der folgerichtige Schritt auf dem Weg zu seinem Wunschberuf.

Nach seinem Diplomabschluss verbrachte Mario Lipinski zunächst ein paar Semester an der University of California, Berkeley in den USA, um dort zu forschen. „Aber ich merkte bald, dass ich doch lieber praktisch arbeiten wollte“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Auf einer privaten Feier kam er mit dem Gründer des Braunschweiger Softwareunternehmens IServ ins Gespräch, der ihm aufgrund seiner Erfahrung mit Schul-Rechnernetzen eine Stelle als Softwareentwickler anbot. Seitdem programmiert der Diplom-Informatiker Systeme für die Server, die das Unternehmen für Schulen entwickelt. Mit den Servern haben Schüler und Lehrer jederzeit Zugriff auf alle wichtigen Informationen für den Schulalltag.

„Kein Tag ist wie der andere“

Ein Porträt-Foto von Mario Lipinski

Mario Lipinski

Foto: privat

„Anfangs waren wir nur drei, vier Softwareentwickler“, erzählt Mario Lipinski. „Als dann die Firma schnell größer wurde, brauchten wir Abteilungsleiter.“ Vor einem Jahr übernahm der Informatiker deshalb zusammen mit zwei Kollegen die Leitung der Entwicklungsabteilung. „Am Anfang meiner Zeit im Unternehmen bin ich viel am Computer gesessen und habe mich mit Softwareentwicklung beschäftigt. Nun haben sich meine Aufgaben verändert, und das Entwickeln ist eher in den Hintergrund gerückt“, erklärt der IT-Leiter.

Mario Lipinski entwickelt Konzepte für die Komponenten, die künftig auf den Servern zur Verfügung stehen sollen. Er plant die Aufgaben für seine Mitarbeiter und verteilt diese auf das 15-köpfige Team. Nach Fertigstellung einer Softwareanwendung kontrolliert er deren Qualität und gibt sie anschließend für den Kunden frei. „Hinzu kommen zahlreiche Besprechungen, sowohl mit der eigenen Abteilung, aber auch mit Kollegen aus dem Marketing, dem Vertrieb und dem Support sowie mit externen Partnern, mit denen wir zusammenarbeiten.“ An manchen Tagen ist der IT-Manager fast nur in Besprechungen unterwegs, an anderen sitzt er wiederum viel am Schreibtisch oder steht für Rückfragen seiner Mitarbeiter zur Verfügung. „Kein Tag ist wie der andere“, so der Informatiker. Und wenn dann mal Zeit ist, beschäftigt er sich selbst auch noch mit dem Programmieren.

„Was man in jungen Jahren lernt, ist bald schon wieder überholt“

Um eine IT-Abteilung zu leiten, sollte man breit aufgestellt sein und einen guten Überblick über die Aufgaben der Mitarbeiter haben. „Nur so kann man nachvollziehen, woran sie arbeiten und wie man sie dabei unterstützen kann.“ Vorherige Praxiserfahrung ist also ein Muss. Außerdem ist Organisationstalent hilfreich, „und man muss offen dafür sein, dass die Mitarbeiter unter Umständen auch mal anders an eine Aufgabe herangehen, als man es selbst vielleicht getan hätte“.

Das theoretische Studium hat ihn nur bedingt auf seine heutigen Aufgaben vorbereitet, berichtet Mario Lipinski. „Viel wichtiger sind die Erfahrungen, die man sich in der Praxis aneignet.“ Vor allem das Programmieren von Hobbyprojekten habe ihm damals geholfen, die Materie zu verstehen. Sein Tipp an angehende Informatiker lautet deshalb: „Man muss Interesse an IT-Themen und an der Programmierung haben und sich ständig weiterbilden. Was man in jungen Jahren lernt, ist bald schon wieder überholt.“ Genau diese schnelle Weiterentwicklung macht die IT-Branche so spannend.

 

Mathematisch-technische Softwareentwicklerin

Software für den Warentransport

IT-Lösungen für die Logistik: Die Mathematisch-technische Softwareentwicklerin Janina Thönnessen arbeitet beim Aachener IT-Unternehmen Inform. Dort betreut die 23-Jährige Kunden aus der Industrie und dem Gesundheitswesen.

Schon während ihrer Ausbildung beim IT-Unternehmen Inform in Aachen arbeitete Janina Thönnessen hauptsächlich im Unternehmensbereich Industrielogistik und Healthcare Management. Nach ihrem Abschluss ging es nahtlos dort weiter. „Wir entwickeln Transportleitsysteme für Industrieunternehmen und Krankenhäuser“, erklärt die Softwareentwicklerin.

Einsam tüftelnde IT-Nerds? Diese Zeiten sind vorbei!

Ein Porträt-Foto von Janina Thönnessen

Janina Thönnessen

Foto: Melanie Fredel

Ihre Kollegen aus dem Marketing und der Beratung sprechen mit den Kunden über ihre Anforderungen an den Warentransport im Haus, und die Entwickler schätzen den Aufwand für die Softwareentwicklung ab. Steht das Projekt, geht es an die Umsetzung und in die Testphase. „Spannend finde ich vor allem den Zeitpunkt der Inbetriebnahme, wenn unsere Software tatsächlich zum Einsatz kommt“, sagt Janina Thönnessen. „Dann sieht man erst wirklich, ob unsere Entwicklungen auch in der Praxis funktionieren.“ In einem Fall durfte sie sogar schon vor Ort dabei sein, als die Software ihre Arbeit aufnahm.

Die meiste Zeit des Tages verbringt die Softwareentwicklerin am Computer. Die Größe des Teams, das an einem Projekt arbeitet, hängt vom jeweiligen Aufwand ab. Geht es zum Beispiel um Erweiterungen eines bestehenden Systems, etwa für einen weiteren Standort des Kunden, kann es sein, dass Janina Thönnessen die Arbeit allein erledigt. Handelt es sich um ein neues Projekt, bei dem von Grund auf ein neues Transportleitsystem eingeführt wird, ist Teamarbeit angesagt. Team- und Kommunikationsfähigkeit sind deshalb wichtige Qualifikationen für den Job als Softwareentwickler – die Zeiten, in denen IT-Nerds allein vor sich hintüftelten, sind vorbei. „Außerdem braucht man analytisches Denkvermögen und sollte sich für Mathematik und Technik interessieren“, rät Janina Thönnessen.

Duales Studium statt Schul-Informatik

In der Schule hat sie zwar das Fach Informatik abgewählt, aber für ihre Ausbildung entschied sich Janina Thönnessen dann doch für genau dieses Thema: Die heute 23-Jährige bewarb sich auf Anraten einer Freundin, die dort schon arbeitete, bei Inform in Aachen für ein duales Studium – und erhielt die Zusage. Drei Tage in der Woche widmete sie sich ihrer Ausbildung zur Mathematisch-technischen Softwareentwicklerin, zwei Tage dem Bachelor-Studium an der Fachhochschule Aachen, das aus Informatik- und Mathematikinhalten bestand. „Mir hat diese Mischung aus Theorie und Praxis gut gefallen“, begründet die Absolventin ihre Wahl eines dualen Studiums. Gut also, dass sie sich vor der Bewerbung bei einem Praktikum an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen doch noch für das Thema Informatik erwärmen konnte. Schulunterricht und praktische Arbeit liegen eben doch oft weit auseinander.

Seit sie vor zwei Jahren nun ihre Ausbildung abgeschlossen hat, haben sich ihre Aufgabenbereiche und die Verantwortung für eigene Teilprojekte schon erweitert. Möglich wäre in Zukunft auch ein Wechsel in die Beratung oder in die Qualitätssicherung. Derzeit ist die Mathematisch-technische Softwareentwicklerin aber noch sehr froh, sich um die abwechslungsreichen Kundenprojekte kümmern zu können.

 

abi» Animation

Abwechslung mit Bits und Bytes

Von wegen eintönig: Wer in der IT-Branche beschäftigt ist, kann in vielen verschiedenen Tätigkeitsbereichen arbeiten. Einige davon stellt die abi» Animation beispielhaft vor.

 


Diese Beiträge im abi-Portal könnten dich auch interessieren:

  • Weniger programmieren, mehr organisieren

  • „Um lebenslanges Lernen kommt man nicht herum“

  • Berufe in der IT

  • Einstellungspraxis: IT-Branche

Logo Bundesagentur f�r Arbeit
Stand: 18.06.2019