Branche mit kreativer Ader

Konzertmusikerin übt an ihrer Geige.
Die Musikwirtschaft ist nur einer von elf Teilbereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Foto: Martin Rehm

Kultur- und Kreativwirtschaft – Hintergrund

Branche mit kreativer Ader

Kreativ arbeiten – das wollen viele. Laut der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung beschäftigen sich etwa 1,62 Millionen Erwerbstätige beruflich mit Kunst und Kultur. Viele von ihnen arbeiten als Selbstständige.

Eine geregelte Ausbildung zum Foodstylisten oder einen entsprechenden Studiengang gibt es nicht. Wer diesen Beruf erlernen möchte, beginnt am besten mit einer klassischen Ausbildung – etwa zum Koch, Konditor oder Fotografen. „Auch Studiengänge kommen infrage, zum Beispiel Fotodesign oder Ernährungswissenschaften“, sagt Stavroula Tsiantes, Beraterin für Studien- und Berufsorientierung der Agentur für Arbeit in Düsseldorf. Hat man seinen Abschluss in der Tasche, geht es ans Üben und Ausprobieren, um in den kreativen Beruf hineinzuwachsen.

Man kann zum Beispiel einem Foodstylisten assistieren oder Praktika in Versuchsküchen und Fotostudios machen. „Zu den Aufgaben des Praktikanten gehören das Einkaufen frischer Ware, das Nachkochen der Rezepte und das Anrichten des Essens für das Shooting“, erklärt die Berufsberaterin. Ersteres verlangt manchmal einen gewissen Einfallsreichtum, denn der Foodstylist muss wissen, wo er die gewünschten Lebensmittel findet oder welche Ersatzprodukte sich eignen.

Pinzette, Haarspray & Co.

Kreativität, Stressresistenz und Genauigkeit sind weitere Eigenschaften, die der Beruf erfordert. Auch Geduld ist wichtig. Schließlich kann ein Shooting viele Stunden dauern, etwa wenn für ein Büfett verschiedene Gerichte gleichzeitig präsentiert werden müssen. Der Foodstylist kocht oder backt, richtet die Lebensmittel appetitlich her und präpariert sie so lange, bis das Essen in perfektem Licht erscheint. „Man sollte auf jeden Fall ein besonderes Interesse am Kochen und an Lebensmitteln haben“, betont Stavroula Tsiantes. „Viel Fingerspitzengefühl sowie ein gutes optisches Empfinden für Formen und Farben sind ebenfalls wünschenswert.“

Eine große Herausforderung ist es, die Speisen über einen längeren Zeitraum frisch aussehen zu lassen. Da muss man als Foodstylist auch mal auf Tricks zurückgreifen und Lebensmittelfarbe, Pinzetten, Spritzen oder Haarspray aus dem Werkzeugkasten holen. Kein Wunder, dass viele Gerichte nicht verzehrfähig sind, sondern wirklich nur für das Foto gekocht werden.

Zukunftsbranche ohne geregeltes Einkommen

Hauptberufliche Foodstylisten sind vergleichsweise selten anzutreffen: Etwa hundert Menschen in Deutschland üben den Beruf aus. Häufig ist er mit einer Freiberuflichkeit verbunden – eine Festanstellung ist eher die Ausnahme. „Der Vorteil ist, dass der selbstständige Foodstylist in der Gestaltung seines Arbeitsplatzes flexibel und frei ist“, weiß die Berufsberaterin. „Allerdings sind auch gute Marketingkenntnisse erforderlich, um Auftraggeber auf sich aufmerksam zu machen und Aufträge zu erhalten. Es gibt zudem kein geregeltes Einkommen und keine geregelten Arbeitszeiten.“

Durch die unterschiedlichen Zugangswege zum Beruf lassen sich kaum verlässliche Aussagen zum Gehalt treffen. Je nach Auftraggeber kann der Tagessatz zwischen 350 und 1.000 Euro liegen. Doch der Beruf hat Zukunft. „Das Thema Ernährung spielt in unserer Gesellschaft eine bedeutende Rolle“, sagt Stavroula Tsiantes. „Verbraucher achten immer mehr auf eine hohe Lebensmittelqualität und Frische. Hinzu kommen neue Ernährungstrends. Auch die Vielzahl an Food-Blogs und Food-Magazinen zeigt, dass die Entwicklung der Branche positiv ist.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwörter: z.B. Koch, Fotograf)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Im Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Im Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit findest du Studiengänge in ganz Deutschland. (Suchwörter: z.B. Fotodesign, Ernährungswissenschaft)
www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Hotelcareer

Das Portal listet Stellenangebote in der Hotellerie auf. Auch Foodstylisten werden dort fündig.
www.hotelcareer.de

 

abi» Quiz

Die Welt der Künstler

Die Kultur- und Kreativwirtschaft teilt sich in insgesamt elf Teilmärkte auf, die immer mehr Menschen in ihren Bann ziehen. Kennst auch du dich mit Kunst und Kultur aus? Teste dein Wissen im abi>> Quiz!

Foto: Julien Fertl

 

Kultur- und Kreativwirtschaft – Interview

„Man kann seine Kreativität voll ausleben“

Welche Arbeitsmarktchancen bietet die Kultur- und Kreativwirtschaft? abi>> sprach mit Roland Weiniger, stellvertretender Vorsitzender des Branchenverbands KulturGilde e.V.

abi>> Herr Weiniger, wie stehen die beruflichen Chancen in der Kultur- und Kreativwirtschaft?

Roland Weiniger: Insgesamt umfasst die Branche elf Teilbranchen, daher lässt sich keine pauschale Aussage treffen. In den klassischen kulturellen Bereichen ist es oft schwieriger, Arbeit zu finden, weil zum Beispiel viele Theater von Geldern der öffentlichen Hand leben – und hier wird stark gekürzt. Hingegen boomt der Software- und Games-Bereich, der durch die Digitalisierung vorangetrieben wird. Wer in den Medien arbeiten will, etwa bei Rundfunk, Fernsehen oder Zeitung, sollte sich auch auf Selbstständigkeit einstellen. Das erfordert ein bisschen Mut.

abi>> Wie sehen die Verdienstmöglichkeiten aus?

Ein Porträt-Foto von Roland Weiniger

Roland Weiniger

Foto: K. Leifey

Roland Weiniger: Im Softwarebereich verdient man derzeit extrem gut, weil es nur relativ wenige Softwareprogrammierer oder Leute, die sich in virtuellen Welten auskennen, auf dem Markt gibt. In anderen Bereichen sind die Verdienstmöglichkeiten eher gering – hier ist viel Idealismus nötig. Befristete Stellen sind oft an der Tagesordnung, genau wie in vielen anderen Branchen auch. Am Theater zum Beispiel bekommt man oft nur Halbjahresverträge für eine Spielsaison. Viele Menschen haben zusätzliche Teilzeit-Jobs, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

abi>> Welche Trends sehen Sie in der Branche?

Roland Weiniger: Die Digitalisierung hat auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft Einzug gehalten. Durch die Digitalisierung entstehen neue Formen der Kultur, zum Beispiel ist aus Videokunst mittlerweile digitale Kunst geworden. Ein anderes Beispiel ist der Games-Bereich, der sich in anderen Branchen wiederfindet. Das Stichwort heißt hier Gamification, also die Nutzung von Online-Spielen zum Beispiel fürs Lernen. Hier arbeiten die Kreativen oft mit Vertretern aus der Industrie zusammen.

abi>> Was sind Ihre Tipps für den Berufseinstieg?

Roland Weiniger: Ich rate zu einem Praktikum in einem Unternehmen, einer Redaktion oder einer öffentlichen Einrichtung, um zu schauen, ob die gewünschte Tätigkeit einem überhaupt liegt. Da viele Berufe auf selbstständiger Basis ausgeübt werden, ist unternehmerisches Denken wichtig. Als Selbstständiger kann man sich natürlich besonders gut künstlerisch selbst verwirklichen.

abi>> Trotz aller Schwierigkeiten: Würden Sie den Einstieg in die Kultur- und Kreativwirtschaft empfehlen?

Roland Weiniger: Es ist eine der spannendsten Branchen überhaupt, weil immer wieder Neues passiert. Man kann seine Kreativität voll ausleben. Das gibt es in anderen Branchen nicht in diesem Maße.

 

Kultur- und Kreativwirtschaft – FAQ

Fragen rund um Kultur- und Kreativberufe

Die Kultur- und Kreativwirtschaft funktioniert in vielen Teilen etwas anders als traditionelle Wirtschaftsbranchen. abi>> beantwortet einige wichtige Fragen.

Was ist eigentlich die Künstlersozialkasse?

Die Künstlersozialkasse (KSK) ist die Pflichtversicherung für selbstständige Künstler und Publizisten und bietet einen ähnlichen Schutz in der gesetzlichen Sozialversicherung, wie ihn Arbeitnehmer genießen. Die KSK übernimmt die Hälfte der Beiträge für die Krankenversicherung sowie die gesetzliche Renten- und Pflegeversicherung. Der Zuschuss setzt sich zusammen aus Zahlungen des Bundes und den Sozialabgaben von Unternehmen, die Kunst und Publizistik verwerten. Der Monatsbeitrag für die KSK hängt von der Höhe des Einkommens ab.

Was ist der Unterschied zwischen freiberuflich und gewerblich?

Je nach Tätigkeit werden Selbstständige steuerlich als Freiberufler oder Gewerbetreibende eingestuft. Wer zur Gruppe der Freiberufler zählt, entscheidet ein Katalog auf Grundlage des § 18 aus dem Einkommensteuergesetz. Zu den Freiberuflern gehören alle, die eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit ausüben, zum Beispiel Kunstmaler, Autoren oder Musiklehrer. Sie bezahlen weniger Steuern, brauchen nur eine vereinfachte Buchführung zu machen und müssen weniger Melde- und Prüfvorschriften beachten.

Worin unterscheiden sich darstellende und bildende Künste?

Darstellende Kunst ist der Begriff für vergängliche Darbietungen oder Darstellungen, die in der Regel in Anwesenheit eines Publikums stattfinden. Dazu gehören zum Beispiel Theater, Tanz, Medien- und Konzeptkunst. Zur Bildenden Kunst hingegen zählen visuell gestaltende Künste wie Malerei, Grafik, Architektur oder Bildhauerei. Hinzu kommen als weitere Kunstformen die Musik und die Literatur.

Kann man mit Kunst und Kultur überhaupt Geld verdienen?

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein weites Feld. Die Verdienstmöglichkeiten in künstlerisch-kreativen Berufen sind sehr unterschiedlich. Ein Kunstmaler verdient unter Umständen weniger als ein gesuchter Softwareexperte, der im Games-Bereich arbeitet. Insgesamt hat die Kultur- und Kreativwirtschaft sich zu einem dynamischen Wirtschaftszweig entwickelt, in dem 249.000 Unternehmen im Jahr 2014 rund 146 Milliarden Euro umgesetzt haben. Von den 1,62 Millionen Beschäftigten der Branche waren 2014 rund 809.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Beschäftigungsmöglichkeiten bietet die Kultur- und Kreativwirtschaft also auf jeden Fall.

 

Kultur- und Kreativwirtschaft – Berufs- und Arbeitsfelder

Kreative Vielfalt

Film, Musik, Theater und Co.: Die Kultur- und Kreativwirtschaft bietet vielfältige Karrieremöglichkeiten. abi>> stellt einige wichtige Berufe vor.

Ausbildungsberufe

Bühnentänzer/in

Aufgaben: Gestaltung und Interpretation von Tanzrollen für Ballett, Oper, Operette oder Musical nach einer vorgegebenen Choreografie; verschiedene Tanzstile und -techniken, vom klassischen Ballett bis hin zu modernen Bühnentanzformen; Tanzen im Ensemble oder als Solist/Solistin

Mögliche Arbeitgeber: Theater, Musical- oder Varietébühnen; Film- und Fernsehproduktionen

Fotograf/in

Aufgaben: Festhalten von individuellen Eindrücken von Menschen oder der Natur, von Ereignissen oder von Gegenständen; Nachbearbeitung der Ergebnisse am Computer; Schwerpunkte: Porträtfotografie, Produktfotografie, Industrie- und Architekturfotografie oder Wissenschaftsfotografie

Mögliche Arbeitgeber: Fotostudios, Verlage, Fotofachgeschäfte, Pressedienste, Presseagenturen, Bildarchivdienste, Werbe- und Medienagenturen

Kommunikationsdesigner/in

Aufgaben: Planung und Entwurf von Produkten der visuellen Kommunikation

Mögliche Arbeitgeber: Werbe-, Medien- oder PR-Agenturen, Büros für Grafik- und Kommunikationsdesign, Verlage, Ausstellungs- und Kongressveranstalter, Druckereien

Studienberufe

Artist/in

Aufgaben: Auftritte mit Solo- oder Partnerprogrammen in Shows, tägliches Training, organisatorische Aufgaben

Mögliche Arbeitgeber: Zirkus, Freizeitparks, Varietés, Kleinkunstbühnen, Film- und Fernsehwirtschaft

Bildende/r Künstler/in

Aufgaben: Ausdruck gestalterischer Ideen durch Kunstwerke in verschiedenen Praxisfeldern wie Malerei, Grafik, Skulptur, Raum, Installation, Performance, Fotografie oder neue Medien

Mögliche Arbeitgeber: Museen, Theater, Varietés, Opern- und Schauspielhäuser im Bereich Bühnenmalerei, Hochschulen, Kunstakademien, Erwachsenenbildung, Werbeagenturen, Designbüros, Verlage, Kunsthandel

Designer/in (Hochschule)

Aufgaben: Planung, Entwurf und Gestaltung von Produkten und Medien

Mögliche Arbeitgeber: Design-Ateliers und -Büros, Werbe-, Medien- und PR-Agenturen, Entwicklungs- und Konstruktionsabteilungen von Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche

Gamedesigner/in

Aufgaben: Entwicklung und Realisierung von Konzepten für Computer-, Video- und Handyspiele.

Mögliche Arbeitgeber: Softwareentwickler und -verlage für Computer-, Video- und Handyspiele

Musiker/in

Aufgaben: Solo oder in Bands musizieren, eigene Stücke komponieren, Repertoires einstudieren, Konzertauftritte, Mitwirken bei Studioaufnahmen

Mögliche Arbeitgeber: Orchester, Bands, Künstler- und Veranstaltungsagenturen, Rundfunk- und Fernsehanstalten, Volks- und Musikhochschulen, Musikverlage

Regisseur/in

Aufgaben: Leitung und Realisierung von Film-, Video- und Fernsehproduktionen, Inszenierung von Werken des Sprech- und Musiktheaters, Regie bei Film- und Fernsehproduktionen

Mögliche Arbeitgeber: Film- und Fernsehproduktionsgesellschaften, Hörfunk- und Fernsehanstalten, Theater

Weiterbildung

Producer/in

Aufgaben: Verantwortlich für Produktionen im Bereich Film, Fernsehen, Hörfunk und Musik; Erstellung von Arbeitsablaufplänen, Dreh- und Aufnahmeplänen, Briefings und mehr; Erstellung von Kalkulationen und Dispositionen

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der Filmwirtschaft, zum Beispiel Fernsehproduktionsgesellschaften, Hörfunk- und Fernsehanstalten, Musik- und Tonstudios

 

Producerin

Filmreifes Multitasking

Recherche, Terminplanung, Drehgenehmigung – Producer haben alle Hände voll zu tun. Céline Deligny kann ein Lied davon singen: Die 30-jährige Politikwissenschaftlerin arbeitet als Junior Producerin bei der Kölner „taglicht media Film- und Fernsehproduktion GmbH“ – und schätzt besonders die Vielseitigkeit ihres Berufs.

„Ich bin für 90-minütige Dokumentationen über aktuelle und geschichtliche Themen zuständig“, erklärt Céline Deligny. Einer der von ihr mitproduzierten Filme berichtete zum Beispiel über die Hintergründe des Brexit, ein anderer über den Abgasskandal bei Volkswagen. „Mein absolviertes Politikstudium hilft mir hier sehr, vor allem bei der Recherche zu den Filmen“, erklärt sie.

Recherchieren ist ohnehin eine ihrer Hauptaufgaben: Sie erhält ein Thema oder bereits ein Drehbuch für eine geplante Dokumentation und sucht im Internet nach passenden Videos und Bildern, die für den Film genutzt werden können. „Die Ergebnisse leite ich an die Autoren weiter, damit sie wissen, welches historische Material zur Verfügung steht. Finde ich nichts Passendes, muss ich überlegen, wie die Informationen anders dargestellt werden können, zum Beispiel durch Symbolbilder.“ Im Zuge der Recherche muss Céline Deligny auch herausfinden, wie viel die Nutzung des Materials kostet und ob die Kosten sich innerhalb des Budgets für den Film bewegen.

Schnittstelle zwischen Produzent und Regisseur

Ein Porträt-Foto von Céline Deligny

Céline Deligny

Foto: privat

Steht das Drehbuch, bereitet sie die Dreharbeiten vor: Sie holt Drehgenehmigungen ein, plant die Reiseroute für das Filmteam und hält die Termine für die einzelnen Arbeitsschritte im Blick. „Viele unserer Filme sind Auftragsarbeiten für Fernsehsender. Bevor wir mit der Arbeit beginnen, steht oft schon ein Großteil der Finanzierung. Wenn nicht, müssen unsere erfahrenen Producer noch weitere Sender akquirieren.“ Wenn die Dreharbeiten abgeschlossen sind, überwacht Céline Deligny den Schnitt, sucht passende Musik aus und erstellt schließlich die Informationen für die Website, für Facebook und die Mitteilung an alle Beteiligten, wann der Film gesendet wird.

„Die Arbeit eines Producers erfordert ein hohes Organisationstalent und die Fähigkeit zum Multitasking“, sagt Céline Deligny. Auch Durchsetzungsfähigkeit ist wichtig, denn als Schnittstelle zwischen dem Produzenten und dem Regisseur muss sie stets die Fäden in der Hand halten und dafür sorgen, dass alle Aufgaben rechtzeitig erledigt werden – und das oft für mehrere Projekte gleichzeitig. Außerdem braucht sie für ihre Recherchen viel Allgemeinwissen und Interesse für unterschiedliche Themen. „Ich lerne jeden Tag enorm viel dazu“, erzählt die Junior Producerin.

„Einer der vielseitigsten Berufe“

Den Grundstein für ihre Tätigkeit hat sie bereits in ihrem Studium der Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und an der Universität „Sciences Po“ im französischen Nancy gelegt. An ihren Doppelbachelor schloss sie noch ein Masterstudium in Medienmanagement an der Bauhaus-Universität Weimar an und absolvierte mehrere Praktika, unter anderem bei einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme. „Weil mir die Arbeit dort gut gefiel, wollte ich gerne ein Volontariat bei einer Produktionsfirma machen und schaute mir die Abspänne vieler Dokumentationsfilme an – denn nur dort steht, wer den Film produziert hat.“ Sie schrieb rund 30 Bewerbungen und erhielt die Zusage einer großen Produktionsfirma in Berlin, wo sie zweieinhalb Jahre als Volontärin und Junior Producerin arbeitete.

Mit ihrer Berufswahl ist Céline Deligny rundum zufrieden: „Nur wenige wissen, was ein Producer eigentlich macht“, weiß sie aus Erfahrung. „Für mich ist es einer der vielseitigsten Berufe, die es gibt – und er macht mir sehr viel Spaß.“

 

Bildender Künstler

Kunst auf Großvaters Spuren

Abstrakte Malerei als konkreter Broterwerb: Malwin Faber verdient seinen Lebensunterhalt als selbstständiger Künstler in Hamburg. Professionelle Selbstvermarktung ist für den 27-jährigen Kommunikationsdesigner dabei entscheidend.

Ein wenig liegt Malwin Fabers Begeisterung für Kunst wohl in der Familie. Schließlich arbeitete bereits sein Großvater als Theatermaler. Nun verdient auch der 27-Jährige sein Geld mit der Malerei. Das nötige Rüstzeug vermittelte ihm das Bachelorstudium Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) Hamburg, in dem es sowohl um Kunst, als auch um Design ging. Dabei beschäftigte sich Malwin Faber mit Malerei auf Leinwand – zunächst figurativ, dann immer abstrakter. Gemeinsam mit Kommilitonen richtete er sich in Hamburg ein Atelier ein und experimentiert seitdem mit verschiedenen Materialien, aus denen er Collagen erstellt. „Ich kaufe Material und Farben ein, ziehe Leinwände auf, beschichte sie, warte, bis sie trocken sind und plane so nach und nach meine Bilder“, erklärt der Künstler seinen Arbeitsablauf. „Meist arbeite ich an mehreren Projekten parallel und erstelle dadurch ganze Serien.“

Viel Zeit in Selbstvermarktung investieren

Ein Porträt-Foto von Malwin Faber

Malwin Faber

Foto: Beatrix Eder

Ist eine Serie fertig, versucht er, sie in Gruppen- oder Einzelausstellungen zu präsentieren. Dazu knüpft er Kontakte mit Galerien, zum Beispiel in Berlin oder in Hamburg. Wenn den Galeristen seine Werke gefallen, laden sie den Künstler zu einer Ausstellung ein. Dort kann Malwin Faber seine Werke auch verkaufen. „Viel Zeit geht für die Selbstvermarktung drauf“, berichtet der Künstler. So hat er sich etwa seine Website selbst eingerichtet und gestaltet auch seine Flyer und Visitenkarten. Darüber hinaus schreibt er Texte über seine Arbeiten und bewirbt sich damit unter anderem für Stipendien und Kunstpreise. Um mit den Galerien in Kontakt zu kommen, muss Malwin Faber viel netzwerken und häufig Eröffnungen anderer Ausstellungen besuchen – auch wenn er bei Fremden eigentlich eher zurückhaltend ist. Aber er weiß, dass dies dazugehört, wenn er mit seiner Arbeit erfolgreich sein will.

„Allein von der Kunst zu leben, ist schwer“, sagt der Bachelorabsolvent, der 2014 seinen Abschluss gemacht hat. Er hofft, dass er sich nach und nach einen Ruf erarbeiten kann, indem er immer mehr Ausstellungen mitgestaltet. Bis dahin arbeitet er nebenbei als freier Grafikdesigner für Agenturen. „Das nimmt mir den Druck, ausschließlich von der Kunst leben zu müssen“, erklärt er. Als Künstler ist Malwin Faber Mitglied in der Künstlersozialkasse (KSK). Diese übernimmt, wie ein fester Arbeitgeber, die Hälfte der Sozialabgaben für die gesetzliche Renten-, Pflege- und Krankenversicherung. Das spart dem Künstler eine Menge Geld. Auch dass er sich die Miete für das Atelier mit einem ehemaligen Kommilitonen teilt, ist sehr praktisch.

Ratschläge? „Jeder muss seinen Weg finden“

Wovor ein Künstler hingegen nicht gefeit ist, sind die vielen Bedenken und Ratschläge von allen Seiten. Auch der 27-Jährige kennt dies: „Das kann zermürbend sein. In der Kunst gibt es nun mal nicht nur eine Wahrheit, sondern jeder muss seinen Weg finden.“
Daher kann Malwin Faber auch keine persönlichen Fähigkeiten nennen, die ein Künstler auf jeden Fall mitbringen sollte: „Dazu gibt es zu viele verschiedene Kunstrichtungen und Laufbahnen.“ Er freut sich, dass seine Eltern ihn in seiner Berufswahl immer unterstützt haben und hinter ihm stehen. Und natürlich, dass er offenbar das Talent seines Großvaters geerbt hat.


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Stand: 18.07.2019