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„Man kann seine Kreativität voll ausleben“

Ein Regisseur koordiniert die Drehvorgänge an einem Filmset.
Eigeninitiative und selbstständiges Arbeiten sind wichtige Eigenschaften für Angestellte in der Kultur- und Kreativbranche.
Foto: Christof Stache

Kultur- und Kreativwirtschaft – Interview

„Man kann seine Kreativität voll ausleben“

Welche Arbeitsmarktchancen bietet die Kultur- und Kreativwirtschaft? abi>> sprach mit Roland Weiniger, stellvertretender Vorsitzender des Branchenverbands KulturGilde e.V.

abi>> Herr Weiniger, wie stehen die beruflichen Chancen in der Kultur- und Kreativwirtschaft?

Roland Weiniger: Insgesamt umfasst die Branche elf Teilbranchen, daher lässt sich keine pauschale Aussage treffen. In den klassischen kulturellen Bereichen ist es oft schwieriger, Arbeit zu finden, weil zum Beispiel viele Theater von Geldern der öffentlichen Hand leben – und hier wird stark gekürzt. Hingegen boomt der Software- und Games-Bereich, der durch die Digitalisierung vorangetrieben wird. Wer in den Medien arbeiten will, etwa bei Rundfunk, Fernsehen oder Zeitung, sollte sich auch auf Selbstständigkeit einstellen. Das erfordert ein bisschen Mut.

abi>> Wie sehen die Verdienstmöglichkeiten aus?

Ein Porträt-Foto von Roland Weiniger

Roland Weiniger

Foto: K. Leifey

Roland Weiniger: Im Softwarebereich verdient man derzeit extrem gut, weil es nur relativ wenige Softwareprogrammierer oder Leute, die sich in virtuellen Welten auskennen, auf dem Markt gibt. In anderen Bereichen sind die Verdienstmöglichkeiten eher gering – hier ist viel Idealismus nötig. Befristete Stellen sind oft an der Tagesordnung, genau wie in vielen anderen Branchen auch. Am Theater zum Beispiel bekommt man oft nur Halbjahresverträge für eine Spielsaison. Viele Menschen haben zusätzliche Teilzeit-Jobs, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

abi>> Welche Trends sehen Sie in der Branche?

Roland Weiniger: Die Digitalisierung hat auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft Einzug gehalten. Durch die Digitalisierung entstehen neue Formen der Kultur, zum Beispiel ist aus Videokunst mittlerweile digitale Kunst geworden. Ein anderes Beispiel ist der Games-Bereich, der sich in anderen Branchen wiederfindet. Das Stichwort heißt hier Gamification, also die Nutzung von Online-Spielen zum Beispiel fürs Lernen. Hier arbeiten die Kreativen oft mit Vertretern aus der Industrie zusammen.

abi>> Was sind Ihre Tipps für den Berufseinstieg?

Roland Weiniger: Ich rate zu einem Praktikum in einem Unternehmen, einer Redaktion oder einer öffentlichen Einrichtung, um zu schauen, ob die gewünschte Tätigkeit einem überhaupt liegt. Da viele Berufe auf selbstständiger Basis ausgeübt werden, ist unternehmerisches Denken wichtig. Als Selbstständiger kann man sich natürlich besonders gut künstlerisch selbst verwirklichen.

abi>> Trotz aller Schwierigkeiten: Würden Sie den Einstieg in die Kultur- und Kreativwirtschaft empfehlen?

Roland Weiniger: Es ist eine der spannendsten Branchen überhaupt, weil immer wieder Neues passiert. Man kann seine Kreativität voll ausleben. Das gibt es in anderen Branchen nicht in diesem Maße.

abi>> 07.08.2017

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