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Vom Lager bis zum Kunden

Frau mit Helm überblickt Container- und Umschlaggelände
Zollrecht, Internationaler Handel und Zahlungsverkehr sind nur einige von vielen Bereichen, in denen sich Logistiker auskennen müssen.
Foto: Martin Rehm

Logistik

Vom Lager bis zum Kunden

Die Welt als globales Dorf: Wenn Güter auf Reisen gehen, ist das Know-how von Logistikexperten gefragt. Sie arbeiten in einer Branche mit steigenden Beschäftigtenzahlen.

Sebastian Bock (35) arbeitet als Leiter der Beschaffungslogistik bei Merck in Darmstadt. Das Chemie- und Pharmaunternehmen produziert neben Medikamenten unter anderem auch medizinische Geräte für die Forschung und Hightech-Chemikalien, zum Beispiel für den Einsatz in der Unterhaltungselektronik. Der 35-Jährige kümmert sich um alle Materialien, die von den verschiedensten Lieferanten weltweit zu den Standorten des Unternehmens geliefert werden.

In seinem Arbeitsalltag kommuniziert er tagtäglich mit Kollegen, Spediteuren und Transportdienstleistern in unterschiedlichen Ländern: Welche Rohmaterialien werden in welchen Mengen benötigt? Wie regelmäßig sollen sie geliefert werden? Welche Transportwege bieten sich an? Dabei muss er immer die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Blick haben sowie die gesetzlichen Vorgaben berücksichtigen, die etwa mit der Beförderung von Gefahrengütern einhergehen. „Unser Einkauf schaut, wo die von der Produktion oder dem Bedarfsträger benötigten Materialien zu bekommen sind. Das kann heute in Deutschland sein, morgen vielleicht in Indien oder China. So ändern sich die Transportwege ständig. Und wenn neue Produktionslinien aufgebaut werden, muss ich die Spediteure kontaktieren, Preise abfragen und Abläufe dokumentieren“, erklärt Sebastian Bock.

Von Containergrößen und Begrüßungsfloskeln

Ein Porträt-Foto von Sebastian Bock

Sebastian Bock

Foto: Privat

Neben verhandlungssicheren Englischkenntnissen braucht er dafür gute Kenntnisse der Logistik: Welche Containergrößen werden im Seetransport unterschieden? Welche Luftfrachtanforderungen gilt es zu beachten? Wo liegen die Unterschiede zwischen Passagierflugzeug und Cargo-Flugzeug, beide befördern ja auch Güter? Diese Grundlagen hat Sebastian Bock während seines Studiums des Internationalen Managements an der Universität Magdeburg verinnerlicht, wo er bereits den Schwerpunkt Produktion und Logistik wählte.

Grundsätzlich spielt die Logistik in allen Bereichen der Wirtschaft eine große Rolle. Logistiker werden nicht nur bei der Bahn, in Häfen und Flughäfen sowie bei Speditionen gebraucht, sondern auch in der Industrie und im Handel. Sie arbeiten bei Transportunternehmen und Logistikdienstleistern, bei Fluggesellschaften und Reedereien. „Waren wechseln innerhalb eines Unternehmens das Lager, gehen dann an die Produktionsstätte, wandern weiter ins Fertigwarenlager, werden schließlich zum End- oder Geschäftskunden transportiert … In der Logistik geht es immer um solche Bewegungen und die Informationsflüsse, die diese begleiten. Logistiker arbeiten dabei an den Schnittstellen“, erklärt Ulrike Grünrock-Kern von der Bundesvereinigung Logistik (BVL).

Zahl der Beschäftigten ist gewachsen

Ein Porträt-Foto von Ulrike Grünrock-Kern

Ulrike Grünrock-Kern

Foto: Privat

Neben Kaufleuten für Verkehrsservice, Fachkräften für Lagerlogistik, Kaufleuten für Spedition und Logistikdienstleistung sowie Schifffahrtskaufleuten, die duale Ausbildungen absolviert haben, kommen in der Logistik viele studierte Ingenieure und Betriebswirte zum Zug – aber beispielsweise auch Juristen, Volkswirte und Sozialwissenschaftler. „Dieser Wirtschaftsbereich ist kontinuierlich gewachsen, was die Arbeitskräfte angeht. Wir beobachten außerdem eine Verschiebung von den einfachen zu den höher qualifizierten Tätigkeiten. Um logistische Leistungen effizienter und zielgerichteter zu machen, braucht man Personal, das Arbeit nicht nur ausführt, sondern die erforderlichen Instrumentarien immer weiter verfeinert. So erklären wir uns auch, warum immer mehr Hochschulen in Deutschland Logistik-Schwerpunkte in ihre Angebote aufnehmen“, sagt die BVL-Sprecherin.

Zur Jahresmitte 2014 waren laut Bundesagentur für Arbeit 1,6 Millionen Menschen in Deutschland im Bereich Verkehr und Lagerei sozialversicherungspflichtig beschäftigt – also mehr als jeder 20. Arbeitnehmer insgesamt. 1,2 Millionen zählten dabei zum Kernbereich Logistik und waren in der Beförderung von Gütern, für Post-, Kurier- und Expressdienste sowie in der Lagerei tätig oder erbrachten sonstige Dienstleistungen für den Verkehr. „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Logistikbranche ist in den letzten Jahren stärker gewachsen als die Zahl der Beschäftigten insgesamt. Insbesondere im Wirtschaftszweig Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen, zu dem die Güterbeförderung auf der Straße zählt, ist die Zahl der Beschäftigten zwischen Juni 2009 und Juni 2014 um mehr als ein Fünftel (plus 23 Prozent) gestiegen – von 465.000 auf 570.000“, sagt Christian Mackenrodt vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Häufig ausgeübte Berufe im Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei sind Berufe in Lagerwirtschaft, Post, Zustellung und Güterumschlag sowie im Führen von Fahrzeugen – vor allem im Straßen-, aber auch im Eisenbahn-, Flug- und Schiffsverkehr.

Unter Zeitdruck die richtigen Entscheidungen treffen

Wer sich für einen Studiengang im Bereich der Logistik entscheidet, sollte frühzeitig Praxiserfahrung sammeln, etwa durch Praktika in den Semesterferien. Eine interessante Kombination aus Theorie und Praxis sind die dualen Studiengänge, die zum Beispiel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg angeboten werden. Darüber hinaus setzen einige Unternehmen laut Ulrike Grünrock-Kern auf Trainee-Programme. Neben Fremdsprachenkenntnissen und interkultureller Kompetenz müssen Logistiker ein sehr gutes Kommunikationsgefühl sowie Kenntnisse in den Bereichen Zollrecht, Internationaler Handel und Zahlungsverkehr mitbringen. Da die Logistikbranche oft hohem Kostendruck unterliegt, müssen die in ihr Beschäftigten in der Lage sein, schnell und zielgerichtet Entscheidungen zu fällen: „Sie müssen unter hohem Zeitdruck Engpässe entscheidungsfreudig auflösen, ohne dass dabei allzu hohe Kosten entstehen“, erklärt Ulrike Grünrock-Kern.

Zudem fordern viele Arbeitgeber im Bereich Logistik von akademischen Bewerbern räumliche Flexibilität und Reisebereitschaft: „Unternehmen haben in der Regel mehrere Standorte und Lagerstätten in Deutschland und anderen Ländern. Logistiker bleiben in der Regel nicht ein Arbeitsleben lang am selben Ort. Wer darauf Wert legt, hat in dieser Branche also schlechtere Chancen, als jemand, der zum Beispiel neugierig darauf ist, im Ausland einen neuen Standort aufzubauen.“

 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: z. B. Logistik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: z. B. Logistik)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: z. B. Logistik)
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen. www.hochschulkompass.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Bundesvereinigung Logistik (BVL)

Portal der Bundesvereinigung Logistik mit Nachrichten, Veranstaltungshinweisen, Karrieretipps etc.
www.bvl.de

Tag der Logistik

Website zum jährlich stattfindenden „Tag der Logistik“, an dem unter anderem Unternehmen und Organisationen Einblick in ihre Arbeit bieten.
www.tag-der-logistik.de

Logistik-Jobs

Webportal mit Jobangeboten in der Logistikbranche.
www.bvl.de

abi>> 20.08.2015

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