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„Die Zukunft ist vernetzt und grün“

Junger Mann  beim Festmachen der Barkasse
Statt alter Seemannsknoten hält modernste Technik Einzug in die maritime Wirtschaft.
Foto: Sonja Brüggemann

Maritime Wirtschaft – Interview

„Die Zukunft ist vernetzt und grün“

Welche Themen treiben die Branche der maritimen Wirtschaft um? Und wie gelingt der Berufseinstieg? Dr. Wolfgang Sichermann, Schiffbauingenieur und Geschäftsführer des Deutschen Maritimen Zentrums, kennt Antworten. Im abi>> Interview gibt er Einblicke in einen spannenden Wirtschaftszweig.

abi>> Herr Dr. Sichermann, was sind derzeit die aktuellen Themen und Trends der Branche?

Wolfgang Sichermann: Klimawandel, Digitalisierung, Demografie und Automatisation sind die zentralen Themen. Die Ozeane sind die größte und bedeutendste Ressource unseres Planeten, die müssen wir schützen, auch um sie ökonomisch nutzen zu können. Die Veränderung des Meeresspiegels und die Zunahme extremer Wetterereignisse erfordern erhebliche Investitionen in den Küstenschutz sowie bei Hafenzufahrten und Hafenanlagen. Wir müssen beispielsweise im Verkehrsbereich zu Land und zu Wasser sehr rasch CO2-neutrale alternative Kraftstoffe entwickeln und zum Einsatz bringen. Automation und Digitalisierung werden helfen, ungeliebte, teure, aber auch gefährliche Arbeiten auf See zu reduzieren.

abi>> Was glauben Sie: Wie wird die Zukunft der maritimen Wirtschaft aussehen? Welche Themen werden eine Rolle spielen, welches Know-how und welche Fachbereiche gefragt sein?

Ein Porträt-Foto von Wolfgang Sichermann

Wolfgang Sichermann

Foto:privat

Wolfgang Sichermann: Die Zukunft der maritimen Wirtschaft ist vernetzt und grün. Hier ist vor allem IT-Know-how gefragt. Wenn mehr Tätigkeiten von der See an Land verlagert werden, entstehen dort ganz neue Arbeitsfelder. Die Menschen brauchen zukünftig andere Qualifikationen, um zum Beispiel hochautomatisierte Schiffe, wie ein Kreuzfahrtschiff, das in seinem Energieversorgungssystem einer mittleren Kleinstadt gleicht, konzipieren, bauen, warten und aus der Ferne überwachen zu können. Es geht auch darum, die großen Zusammenhänge zu verstehen und verschiedene Blickwinkel einnehmen zu können.

abi>> Inwiefern könnten moderne Technologien die Branche verändern?

Wolfgang Sichermann: Ich glaube, dass die Umwandlung von auf See gewonnener Elektrizität in synthetische Kraftstoffe entscheidend sein wird für den Übergang in eine CO2-neutrale maritime Wirtschaft. Um autonome Schiffe zu betreiben, brauchen wir kostengünstigere Kommunikationstechnologien zwischen See und Land mit deutlich höheren Bandbreiten, als wir sie heute haben.
Das „Internet der Dinge“ macht auch vor der maritimen Branche nicht halt. Die Informationen, die zum Beispiel bei der Konzeption und beim Bau eines Schiffs oder eines Offshore-Windparks entstehen, werden über den gesamten Lebenszyklus gesammelt, fortgeschrieben und aktualisiert. Dieser Datenfundus ermöglicht es, neue Ansätze für den sicheren und effizienten Betrieb solcher Anlagen zu entwickeln.

abi>> Über welche Studienbereiche kann Abiturienten der Einstieg in die Branche gelingen?

Wolfgang Sichermann: Neben den klassischen maritimen Studiengängen wie Schiffs- und Meerestechnik oder Nautik findet man mit einem Studium der Ingenieurswissenschaften oder der Informatik viele spannende Tätigkeiten im Bereich Forschung und Entwicklung, Konstruktion, Einkauf, Produktion. Gleiches gilt im Bereich Schifffahrt, sei es an Bord, auf See oder beim Flottenmanagement an Land. Aber auch Ökonomen, Juristen und Verkehrswissenschaftler finden anspruchsvolle Betätigungsfelder in der maritimen Branche.

abi>> Wie schätzen Sie die Karrieremöglichkeiten für Abiturienten und Akademiker ein?

Wolfgang Sichermann: Fachkräfte in den genannten Bereichen werden dringend gesucht. Und das auch langfristig. Viele Unternehmen der maritimen Branche bieten duale Studiengänge an. So besteht die Möglichkeit, gleich zu Beginn eines Studiums mit späteren Arbeitsgebieten in Berührung zu kommen. Ich sehe also sehr gute Karrierechancen, auch viele Möglichkeiten international tätig zu sein. Mir gefallen die vielen maritimen Start-ups, die sich zum Beispiel Gedanken machen über digitale Logbücher und webbasierte Dienste zur Routenplanung für Schiffe.

abi>> 05.06.2019

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