Eine hoch spezialisierte Nische

Detailaufnahme von einer Spaltlampe für Messungen des vorderen Augenabschnitts.
Kein Krankenhaus ohne High-Tech: Moderne Medizintechnik hat die Behandlung von Patienten revolutioniert.
Foto: Helge Gerischer

Medizintechnik - Hintergrund

Eine hoch spezialisierte Nische

Konsole und Headset für den Operateur, Organe aus dem Labor: Medizintechnik ist ein vielfältiger, exportorientierter Wachstumsmarkt, der wie viele andere Branchen auch von der Digitalisierung angetrieben wird. Chancen gibt es sowohl für Absolventen einer Ausbildung als auch für Akademiker.

Wassilios Intzes organisiert gerade seinen Umzug von Freilassing nach Hong-Kong. Von dort aus wird der 34-Jährige als Senior Sales Manager den Bereich dentale Röntgentechnologie für Asien betreuen. Sein Arbeitgeber ist ein global tätiges Unternehmen der Medizintechnik: „Als Sales Manager arbeite ich an der Schnittstelle zwischen Produktion und dem Vertrieb vor Ort. Es ist eine Mischung aus betriebswirtschaftlichen Aufgaben inklusive Budgetverantwortung, aber auch vielen technischen Fragen, die ich klären muss“, umreißt er sein künftiges Aufgabengebiet.

Eigentlich ist er gelernter Hörgeräteakustiker. Geschafft hat er den Karrieresprung über eine berufliche Weiterbildung plus sehr viel Engagement. „Nach einem Umweg über eine Hochschule habe ich eine Ausbildung gesucht, die möglichst viele Aspekte miteinander verbindet. Die Hörgeräteakustik vereint Handwerk, Medizin, Technik und Kaufmännisches. Ich wollte aber nach der Ausbildung weiterlernen und nicht Geselle bleiben.“

Vom Geselle zum Sales Manager

Ein Porträt-Foto von Wassilios Intzes.

Wassilios Intzes

Foto: privat

In der Nähe seines damaligen Arbeitsgebers gab es die Medizinisch-Technische Akademie Esslingen (MTAE): „Das ist eine private Fach- und Berufsfachschule, die die Weiterbildung zum Techniker für Medizintechnik anbietet und zudem medizinisch-technische Assistenten ausbildet“, erzählt Wassilios Intzes. Rückblickend ist er froh, den Schritt aus einer Festanstellung in die zweijährige Vollzeitausbildung zum Medizintechniker gewagt zu haben. Dank Förderung durch das Meister-BAföG war das für ihn machbar.

In Baden-Württemberg, wo die Akademie ihren Sitz hat, sind zahlreiche Unternehmen der Medizintechnik ansässig: „Viele Firmen pflegen einen intensiven Austausch mit der Akademie. Und so hatte ich noch vor dem Ende der Weiterbildung meinen ersten Arbeitsvertrag in der Tasche.“ Nach ein paar Jahren als Servicetechniker für bildgebende Systeme wechselte er nochmal das Unternehmen und wurde Sales Manager.

Wachsender Weltmarkt

Die Medizintechnik beschäftigt sich mit sehr unterschiedlichen Themen, von Röntgengeräten über Robotersysteme, die beim Operieren assistieren, bis hin zu Mini-Hörgeräten und künstlich gezüchteten Organen. Marktforscher rechnen in den nächsten Jahren mit jährlichen Branchenzuwächsen von mehr als fünf Prozent: „Viele Faktoren begünstigen die Nachfrage, wie der demographische Wandel oder die steigende Bedeutung des Themas Gesundheit. Die deutsche Medizintechnik ist dabei international wettbewerbsfähig, die Hersteller sind hoch innovativ und gut positioniert. Rund zwei Drittel des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Deutschland ist der drittgrößte Medizintechnikproduzent weltweit. Folglich sind die Arbeitsmarktchancen überdurchschnittlich gut“, erzählt Marcus Kuhlmann vom Deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien e.V. (SPECTARIS).

Die Medizintechnikbranche ist regional sehr unterschiedlich aufgestellt. Vielleicht nicht jedem geläufig, aber in der Branche einen Status wie das Silicon Valley in der IT hat die Region um Tuttlingen: „Grundsätzlich gibt es viele Unternehmen in Baden-Württemberg, aber diese Region ist eine Hochburg. Hier ist die Nachfrage nach Fachkräften entsprechend hoch“, weiß Marcus Kuhlmann.

Treiber Digitalisierung

Ob Geräte oder Produktionsprozesse, die zunehmend digitalisiert werden, oder digitale Gesundheitsversorgung wie etwa eHealth oder Telemedizin, die Digitalisierung ist ein Innovationstreiber: „Das bedeutet im Umkehrschluss, dass immer öfter Software in Medizinprodukten zu finden ist, was wiederum dazu führt, dass auch traditionelle Medizintechnikunternehmen vermehrt einen Bedarf an Softwareentwicklern und IT-Ingenieuren haben“, erklärt Marcus Kuhlmann. Da der Anteil an Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Branche überdurchschnittlich hoch ist, werden vermehrt auch studierte Medizintechniker gesucht. Grundsätzlich braucht die Medizintechnikindustrie Ingenieure und Techniker oder auch spezielle Biotechniker: „Das müssen nicht immer studierte Ingenieure sein. Auch beruflich ausgebildete Fachkräfte wie Mechatroniker, Fachinformatiker, Elektriker oder auch Gesundheitshandwerker wie beispielsweise Orthopädieschuhmacher oder Hörgeräteakustiker sind gefragt.“

Da die Branche stark reguliert ist, werden in größeren und international tätigen Unternehmen auch Juristen gesucht. Zudem bleibt der Bedarf an Wirtschaftswissenschaftlern und -ingenieuren ebenfalls hoch.

Die Statistik

Die gute Arbeitsmarktlage bescheinigt auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Medizintechnik, die sich entsprechend erhöht hat: „Akademiker bilden dabei zahlenmäßig eine kleine Gruppe. Das Gros sind klassisch ausgebildete Fachkräfte, Techniker und Meister. Die Arbeitslosigkeit fällt insgesamt unterdurchschnittlich aus. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote liegt unter zwei Prozent“, sagt Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Im Jahr 2017 waren bei der BA durchschnittlich gut 5.000 Stellen gemeldet.

Info

BERUFENET 

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort z. B. Medizintechnik).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z. B. Medizintechnik).

www.studienwahl.de


JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://jobboerse.arbeitsagentur.de


KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.

https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

 

Ingenieur Medizintechnik

Wie kommt die Medizintechnik in die Klinik?

Wenn Sebastian Putze (33) Kliniken mit medizintechnischen Geräten ausrüstet, ist ein Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Disziplinen gefragt. Der Ingenieur für Medizintechnik ist Fachplaner beim Sana-Medizintechnik Servicezentrum mit Sitz in Stuttgart und begleitet Projekte vom Entwurf bis zur Inbetriebnahme der Geräte.

Es ist ein Mammutprojekt: Mitten in München baut die Ludwig-Maximilians-Universität eine neue Klinik. Bis 2020 entstehen auf 12.400 Quadratmetern unter anderem Notaufnahme, Ambulanz mit Herzkathederlabor, Geburtshilfe, Endoskopie, Sonographiezentrum, Radiologie, vier OP Säle und Platz für 200 Betten. Die Liste an medizintechnischen Geräten, die in Kliniken dieser Größenordnung eingesetzt werden, ist fast endlos: Röntgengeräte, CT, MRT, Sauerstoffmonitore, Dialysegeräte, OP-Beleuchtung …

Sebastian Putze ist als Fachplaner auf die medizintechnische Ausstattung solcher Großprojekte spezialisiert: „Vom ersten Entwurf, der auf einem Skizzenpapier entsteht, bis zur Abnahme am letzten Tag, bis auch das letzte Gerät in Betrieb genommen wurde, sind wir dabei.“ Das kann gerne mal sechs bis sieben Jahre dauern.

Hochspezialisierter Bereich

Ein Porträt-Foto von Sebastian Putze.

Sebastian Putze

Foto: Katharina Vähning

Mit „wir“ ist ein 20 Personen starkes Team des Servicezentrums gemeint. Das Unternehmen gehört den Sana-Kliniken und bietet technischen Service und Beratung sowohl für Sana-eigene als auch externe Krankenhäuser. „Unsere Fachplanung ist ein kleiner, aber hochspezialisierter Bereich“, erklärt Sebastian Putze. Im Team sind viele Spezialisten, mit denen er sich berät und austauscht. Medizintechnik ist komplex und deckt eine ganz große Bandbreite an Technologien ab. Dazu zählen beispielsweise Mechanik, Elektronik, Strahlenphysik und IT.

Sein Büro ist in Stuttgart, die Großprojekte, die er betreut, befinden sich mal in der Nähe, mal in München, Hamburg oder Berlin: „Es ist viel Reisetätigkeit, aber das ist auch spannend. Jedes Bauprojekt ist anders.“

Termine mit Chefärzten, Architekten, Pflegeleitung

Der 33-Jähgrige fährt oft hunderte Kilometer zu Besprechungen, Abnahmen oder Kontrollen. Morgens kann ein Termin mit dem Chefarzt und der Pflegeleitung, mittags mit dem Architekten und nachmittags mit dem Trockenbauer und dem Elektriker auf dem Plan stehen. „Da Kliniken häufig mit öffentlichen Geldern gefördert werden, haben wir auch Kontakt zu den entsprechenden Regierungsstellen. Dort müssen wir zum Beispiel Rechenschaft über das Budget ablegen und erklären, warum wir welche Geräte einbauen“, sagt er.

Kommunikation ist ebenso wichtig wie Fachkompetenz: Er muss überzeugen, erklären, zuhören. Hinzu kommt der sichere Umgang mit spezieller Planungssoftware und EDV-Programmen, mit denen er seine Projekte organisiert.

Sebastian Putze weiß genau, was er tut, wenn er etwa ergonomische Arbeitsplätze für Therapeuten einrichtet oder Röntgengeräte auswählt. Nach einer Ausbildung zum Mechaniker für Orthopädietechnik, schloss er einen Bachelor of Engineering in Biomedizintechnik/Medizintechnik an der Fachhochschule Ulm an und absolvierte anschließend einen Master of Science in Maschinenbau an der Universität Stuttgart.

Promotion nicht ausgeschlossen

Dennoch war der Berufseinstieg nach dem Studium auch ein Sprung ins kalte Wasser: „Die medizintechnische Seite ist das eine. Hinzu kommt in meinem Fall aber das komplette Fachwissen rund um den Bau. Da dies ein Nischenbereich ist, lernt man das nur in der Praxis“, weiß der 33-Jährige. Andersherum würde es kaum funktionieren: Ein Bauingenieur könnte seinen Job ohne medizintechnisches Fachwissen nur schwer leisten, ist Sebastian Putze überzeugt.

Der Ingenieur könnte sich vorstellen, künftig noch eine Doktorarbeit zu verfassen. „Das war auch der Grund, warum ich den Master an einer Universität gemacht habe. So habe ich die Möglichkeit, später noch zu promovieren.“

 

Ingenieurin für Audiologie

Einfach gut hören!

Weil sie selbst unter Hörproblemen litt, entschloss sich Mareike Schulten für einen Beruf im Bereich Audiologie. Heute ist die 33-Jährige als Ingenieurin im ostwestfälischen Löhne bei Audio Service tätig und auf der Suche nach allem, was man an Hörgeräten verbessern kann.

Hörgeräte sind Hightech-Systeme auf engstem Raum: In einer winzigen Acrylschale sind Lautsprecher, Mikrofon und Stromversorgung verbaut, hinzu kommt ein Chip, welcher dem Gerät bestimmte Funktionen verleiht (wie beispielsweise eine Störgeräuschabsenkung oder Spracherkennung). Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Modelle: „Aber besonders gefragt sind kleinstmögliche und schicke Geräte, die immer mehr können“, erzählt Mareike Schulten.

Ihr Arbeitgeber ist ein international aufgestelltes Unternehmen, das ein breites Sortiment an Produkten rund um das Thema Hören anbietet und auf Hörsysteme spezialisiert ist, die direkt im Ohr getragen werden. Mareike Schulten arbeitet in der Forschung und Entwicklung, wo sie in erster Linie unterschiedliche Studien betreut. Die Themen sind vielfältig, auch mit Blick auf das, was in Zukunft möglich sein könnte. Dabei geht es zum Beispiel um Kommunikationshilfen und generell um eine stärkere Vernetzung der Geräte. So tüftelt die Ingenieurin beispielsweise an kabellosen Funktionen, die ein Hörgerät mit einem Handy verbinden können. Aber auch vorhandene Techniken werden immer weiter verfeinert. Bei Mikrofonfiltern werden etwa die Windgeräusche reduziert oder es wird an schmutzabweisenden Hörerfiltern gearbeitet.

Es geht immer vorwärts

Porträtfoto von Mareike Schulten. Foto: Privat

Mareike Schulten

Foto: privat

In ihren Studien betreut die 33-Jährige unter anderem schwerhörige Probanden: „Da werden etwa neue Techniken getestet, die das Hörerleben der Testpersonen verbessern sollen.“ Außerdem hat sie mit technischen und medizinischen Themen zu tun, muss die Studien vorbereiten, organisieren, Ergebnisse erfassen und statistisch auswerten und sich mit Kollegen – auch rund um den Globus – austauschen.

„Bei der Vorbereitung einer Studie gibt es im Vorfeld viel zu klären: Was muss ich testen? Wie muss der Testbericht gestaltet sein? Wie viele Probanden brauche ich? Sind audiologische Messungen nötig?“, erzählt die Ingenieurin. Dabei kann es etwa um eine Geräteschale gehen. „Der Gehörgang ist bei jedem Menschen etwas anders geformt. Damit die Schale optimal ins Ohr passt und nicht herausrutschen kann, erstelle ich mithilfe einer Silikonmasse eine positive Form des äußeren Gehörgangs. Diese wird bei uns eingescannt und digital weiterverarbeitet.“ Die Geräte werden dann individuell angepasst.

Technik-Medizin-Mensch

Sowohl bei den Messungen als auch bei der Evaluation arbeitet sie mit spezieller Software: „Mir gefällt vor allem der Mix aus medizinischen und technischen Themen und die Arbeit mit Menschen“, sagt sie.

Dass Mareike Schulten nach ihrem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Hörakustikerin und dann den Studiengang „Hörtechnik und Audiologie“ an der Jade Hochschule Oldenburg absolvierte, hängt mit ihrer eigenen Geschichte zusammen: „Kurz vorm Abitur traten bei mir Hörprobleme auf, und ich habe mich so intensiv mit dem Thema befasst, dass ich mich gleich für die Ausbildung entschieden habe.“ Am Ende wollte sie aber mehr. Vor allem Hörgeräte verbessern und an der Weiterentwicklung mitwirken.

 

Berufsübersicht Medizintechnik

Kombiniere Medizin und Technik

In der Medizintechnik gibt es eine Reihe von Beschäftigungsmöglichkeiten, die über eine Ausbildung oder ein Studium zu erreichen sind oder als Grundlage dienen, um in dem Bereich beruflich Fuß zu fassen. Hier findest du eine Auswahl.

Berufsfachschulische Ausbildungen

Assistent/in – medizinische Gerätetechnik

Aufgaben: medizinische Geräte montieren, installieren, in Betrieb nehmen und prüfen; Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten durchführen; Gerätedaten pflegen; sicherheitstechnische Kontrollen an den Geräten durchführen; defekte Geräte teilweise vor Ort reparieren

Mögliche Arbeitgeber: Hersteller medizinischer Geräte, Krankenhäuser, medizinischer Fachhandel

Operationstechnische/r Assistent/in

Aufgaben: Instrumente, Materialien und Geräte für Operationen vorbereiten und deren Funktionsfähigkeit kontrollieren; Patienten vor der Operation betreuen; während der Operation den behandelnden Ärzten Instrumente anreichen sowie Beatmungs-, Absaug- und Blutdruckmessgeräte bedienen und überwachen; Instrumente desinfizieren

Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser und Fach- oder Universitätskliniken, ambulante Operationszentren


Duale Ausbildungen

Augenoptiker/-in

Aufgaben: in der Werkstatt Brillengläser und -fassungen auswählen und anfertigen; Brillengläser prüfen, messen, zentrieren, justieren, bearbeiten und einsetzen; Brillen instand setzen; in Beratung und Verkauf Kunden bei der Auswahl einer Brille unterstützen; Sehtests durchführen; Kunden in Handhabung von Sehhilfen einweisen; Preise kalkulieren

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe des Augenoptiker-Handwerks, optische und feinmechanische Industrie

Hörgeräteakustiker/-in

Aufgaben: audiometrische und psychoakustische Mess- und Testverfahren durchführen; Gehörgang und Trommelfell von Kunden untersuchen; Kunden bei der Auswahl von Hörsystemen beraten und die Systeme individuell anpassen; Kunden in die Handhabung der Systeme einweisen; Hörgeräte und Zubehör prüfen, nachjustieren, reinigen, warten und instand setzen

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe des Hörgeräteakustiker-Handwerks, industrielle Hersteller von Hörsystemen

Orthopädietechnik-Mechaniker/-in

Aufgaben: Kunden betreuen und beraten; ärztliche Anordnungen beachten; Krankheitsbilder beurteilen; Deformitäten, Fehlbildungen oder Amputationsstümpfe messen und abformen; Skizzen erstellen, orthopädietechnische Hilfsmittel anfertigen; Prothesen, Orthesen und rehabilitationstechnische Geräte warten und instand halten; Anproben bei Patienten durchführen

Mögliche Arbeitgeber: Orthopädietechnik- und Reha-Werkstätten, Sanitätshäuser

Operationstechnische/r Angestellte/r

Aufgaben: Arbeitsabläufe bei Operationen organisieren; Instrumente, Materialien und Geräte für Operationen vorbereiten und kontrollieren; während der Operation den leitenden Ärzten assistieren, ihnen Instrumente und Geräte anreichen; Beatmungs-, Absaug- und Blutdruckmessgeräte bedienen und überwachen; Instrumente desinfizieren und sterilisieren, Patienten vor der Operation betreuen

Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Fach- und Universitätskliniken, Arztpraxen, die ambulante Operationen durchführen, ambulante Operationszentren

Zahntechniker/-in

Aufgaben: Zahnersätze herstellen und reparieren; kieferorthopädische Geräte oder Implantate herstellen oder instand setzen; Füllungen herstellen; handwerkliche Tätigkeiten wie schleifen, löten, biegen, feilen, gipsen; computergestützte Frästechniken anwenden; Zahnärzte über Werkstoffe sowie über technische und statische Möglichkeiten geplanter Zahnprothetik beraten

Mögliche Arbeitgeber: zahntechnische Labors, Labors von Zahnarztpraxen, Zahnkliniken

Studienberufe

Ingenieur – Augenoptik

Aufgaben: fehlsichtige Menschen beraten; die Fehlsichtigkeit untersuchen und korrigierende Sehhilfen empfehlen; Verfahren zur Sehhilfenbestimmung und -anpassung weiterentwickeln; Augenoptische Mess- und Prüfgeräte entwickeln und erproben

Mögliche Arbeitgeber: Betriebe des Augenoptiker-Handwerks, optische und feinmechanische Industrie, Augenkliniken und Rehabilitationseinrichtungen

Ingenieur/in – Hörtechnik und Audiologie

Aufgaben: Hörgeräte sowie Mess- und Prüfverfahren zur Anpassung dieser entwickeln und testen; Qualitätsmanagement; Hörlabore in Betrieb nehmen und testen; Kunden beraten; Vertrieb von Hör- und Audiogeräten

Mögliche Arbeitgeber: Hersteller von elektromedizinischen Geräten wie Hörgeräte, Krankenhäuser, Betriebe, die Veranstaltungstechnik oder Unterhaltungstechnik produzieren, Ingenieurbüros für technische Fachplanung, in Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen

Ingenieur – Medizintechnik

Aufgaben: Entwicklung und Konzeption sowie Inbetriebnahme, Qualitätssicherung und Instandhaltung medizinisch-technischer Geräte; computergestützte Erfassung, Verarbeitung und Analyse medizinischer Messwerte; Beratung, Schulung und Verrieb; wissenschaftliche Forschung und Lehre

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der medizintechnischen Industrie, Krankenhäuser, medizintechnisch orientierte Softwarehersteller, Ingenieurbüros der technischen Fachplanung

Ingenieur – Orthopädie- und Rehatechnik

Aufgaben: orthopädie- und rehabilitationstechnische Geräte, Gehhilfen und Fahrzeuge planen; technische Geräte für Diagnostik und Therapieverfahren entwerfen; Rollstühle, Treppensteigehilfen, Pflege- und Lagerungshilfen konstruieren; künstliche Gliedmaßen Prothesen und Orthesen entwerfen; Beratung und Vertrieb

Mögliche Arbeitgeber: Hersteller orthopädischer Erzeugnisse und medizintechnischer Geräte, Krankenhäuser, Handelsbetriebe für orthopädische Erzeugnisse mit angeschlossener Werkstatt, Gesundheitsverwaltung

 

Medizintechnik – Interview

„Wir stehen vor einer medizintechnischen Revolution“

Die Digitalisierung dient auch der Medizintechnik als Motor. Manfred Beeres vom Bundesverband Medizintechnologie e.V. geht sogar so weit, von einer medizintechnischen Revolution zu sprechen. Im Interview verrät er außerdem, was Interessierte mitbringen sollten.

abi>> Herr Beeres, was sind die großen Trends in der Medizintechnik und wohin entwickelt sich die Branche?

Manfred Beeres: Die Medizintechnik entwickelt sich aktuell rasant. Dazu gehört zum Beispiel, dass Operationsverfahren durch moderne medizinisch-technische Verfahren immer schonender werden und Chirurgen durch computerassistierte Navigation unterstützt werden. Ich beobachte außerdem, dass Medizintechnik und IT immer stärker zusammenwachsen und zukunftsträchtige Technologiefelder wie Bio- und Nanotechnologien in der Medizin auf dem Vormarsch sind. Durch die Sensorik sind wir in der Lage, immer mehr Daten über gesundheitliche Parameter zu sammeln und zu intelligenten Versorgungslösungen zu entwickeln. Wir stehen, wenn man so will, am Anfang einer medizintechnischen Revolution, die von der Digitalisierung getrieben wird.

abi>> Wie sehen die Arbeitsmarktchancen in der Medizintechnik aus und welche Fachkräfte sind besonders gefragt?

Ein Porträt-Foto von Manfred Beeres.

Manfred Beeres

Foto: privat

Manfred Beeres: Die Berufsaussichten in der Medizintechnologie-Branche sind ausgezeichnet. Gesucht werden aktuell vor allem Ingenieure, Medizintechniker und Wirtschaftswissenschaftler – das zeigt eine Umfrage unseres Verbandes von 2017. Dabei ist gegenüber dem Vorjahr vor allem der Anteil der gesuchten Ingenieure gestiegen. Auch Mediziner und Informatiker mit ihren Qualifikationen haben in der Branche zunehmend Optionen.

abi>> Lange Zeit war die Umsatzentwicklung im inländischen Markt leicht rückläufig: Womit hängt das zusammen?

Manfred Beeres: Das stimmte bis zum Jahr 2013. Seitdem wächst auch der Inlandsmarkt solide zwischen drei und fünf Prozent. Das liegt an der demografischen Entwicklung und dem medizintechnischen Fortschritt, was zu steigenden Fallzahlen in der Patientenversorgung führt. Die aktuellsten Zahlen stammen aus 2016: Damals legte der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen in Deutschland nach Angaben der offiziellen Wirtschaftsstatistik um 5,8 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro zu. Der Inlandsumsatz stieg sogar um 6 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro.

abi>> Welche Tipps haben Sie für Berufseinsteiger?

Manfred Beeres: In der Medizintechnik werden Fachkräfte gesucht, die jedoch gleichzeitig interdisziplinär denken und über eine hervorragende Teamfähigkeit verfügen müssen. So gilt es nämlich, die Sprache und Anforderungen von Ärzten oder Zellbiologen gleichermaßen zu verstehen. Die Unternehmen der Branche suchen in der Regel Fachkräfte, die sich im Studium ein solides Wissensfundament und spezielles Wissen im Bereich Medizintechnik angeeignet haben. Dazu gehören zum Beispiel Elektrotechniker, Informatiker, Maschinenbauer, Physiker und Chemiker


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Stand: 22.08.2019