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„Flache Hierarchien und gute Aufstiegsmöglichkeiten“

aufeinander gestapelte Kartons
Verstärkt gefragt: Der boomende E-Commerce erfordert eine Vielzahl von Verpackungen aus Papier und Karton.
Foto: Meramo Studios

Papierindustrie – Interview

„Flache Hierarchien und gute Aufstiegsmöglichkeiten“

Inwieweit verändert sich die Papierbranche und welche beruflichen Chancen bietet sie? abi>> sprach mit Gregor Andreas Geiger, Bereichsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Verband Deutscher Papierfabriken e. V.

abi>> Welche Trends zeichnen sich derzeit in der Papierindustrie ab?

Gregor Andreas Geiger: Seit einigen Jahren verschieben sich die Gewichte zwischen den Hauptsortengruppen. Während die grafischen Papiere – bedingt durch den Zuwachs der Online-Medien – schrumpfen, wächst der Verpackungsmarkt deutlich. Dabei spielt der erhöhte Bedarf durch den E-Commerce eine wichtige Rolle. Hygiene- und Spezialpapiere verzeichnen ein eher gleichmäßiges Wachstum.

abi>> Wo steht die Branche vor besonderen Herausforderungen?

Ein Porträt-Foto von Gregor Andreas Geiger

Gregor Andreas Geiger

Foto: privat

Gregor Andreas Geiger: Die große Herausforderung für die Unternehmen besteht darin, der Entwicklung der Märkte zu folgen und ein High-Tech-Produkt herzustellen, das den stetig wachsenden Anforderungen nachkommt.

abi>> Wie könnte sich diese Entwicklung auswirken?

Gregor Andreas Geiger: Es bedeutet im Einzelfall unter anderem, dass die Produktion auf andere Papiersorten umgestellt werden muss. Dann müssen bestehende Anlagen umgebaut oder es muss in neue investiert werden. Da jede Papiermaschine maßgeschneidert ist, sind Ingenieure und Kaufleute gleichermaßen gefordert. Gerade für Ingenieure ist die Neukonstellation einer Papiermaschine eine große Herausforderung. Tausende von Parametern müssen beachtet werden, damit am Ende das Produkt herauskommt, mit dem sich das Unternehmen am Markt platzieren möchte. Werden Altpapier oder Frischfasern eingesetzt? Welche Grammatur soll das Papier haben? Die Überlegungen beginnen bei der Rohstoffzuführung und gehen bis zur Konfektionierung oder gegebenenfalls Veredelung des Produkts. Eine spannende Aufgabe.

abi>> Eine Herausforderung ist sicherlich auch die Zunahme der Onlinemedien?

Gregor Andreas Geiger: Die Digitalisierung hat zwei sehr unterschiedliche Effekte auf die Papierindustrie. Zum einen verändern sich die Mediennutzung und das Leseverhalten, was sich negativ auf die Printmedien auswirkt. Auf der anderen Seite benötigt der boomende E-Commerce eine Vielzahl von Verpackungen aus Papier und Karton. Diese Nachfrage muss bedient werden.

abi>> Digitalisierung bedeutet aber auch, dass sich Arbeitsprozesse verändert haben. Wie sieht es damit in der Papierbranche aus?

Gregor Andreas Geiger: Die Papierfabrikation ist schon lange durchdigitalisiert. Eine moderne Papiermaschine hat mehr Regelkreise als ein Jumbo-Jet. Die müssen nonstop überwacht, Wartungsintervalle eingeplant und Störungen beseitigt werden. Papiermacher stehen heute nicht mehr an Bütten mit aufgelöstem Zellstoff sondern „fahren“ hochkomplexe Anlagen von ihren Leitständen aus. Sie tragen dann Verantwortung für bis zu 120 Meter lange und Hunderte von Millionen Euro teure Anlagen.

abi>> Welche beruflichen Möglichkeiten bietet die Papierbranche für Abiturienten und Hochschulabsolventen?

Gregor Andreas Geiger: Neben Absolventen im kaufmännischen Bereich werden vor allem Techniker gesucht. Abiturienten mit mathematischem und technischem Interesse sind hochgehandelte Kandidaten bei der Ausbildung zum Papiertechnologen. Wer ein Ingenieurstudium anstrebt, hat nach dem Grundstudium der Verfahrenstechnik oder des Maschinenbaus die Möglichkeit, den Master als Papieringenieur abzuschließen. Es gibt auch gut organisierte duale Studiengänge.

abi>> Welche besonderen Chancen sehen Sie in der Branche?

Gregor Andreas Geiger: Die Branche ist geprägt durch flache Hierarchien und gute Aufstiegsmöglichkeiten. Während sich zum Beispiel in der Automobilindustrie junge Ingenieure lange mit einem kleinen Detail beschäftigen, übernehmen Ingenieure in der Papierindustrie sehr schnell Verantwortung für den gesamten Produktionsprozess. Durch die Vernetzung und oft internationale Struktur der Unternehmen bieten sich zudem interessante Fortbildungs- und Einsatzmöglichkeiten im Ausland.

abi>> 18.12.2017

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