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„Lebenslange Jobgarantie in der Pflege“

Altenpflegerin misst in einer Wohnstube den Puls einer älteren Dame
Sich um pflegebedürftige Menschen zu kümmern, ist eine große Verantwortung. Man benötigt Empathie und muss belastbar sein.
Foto: Martin Rehm

Pflegebranche – Interview

„Lebenslange Jobgarantie in der Pflege“

Welche Herausforderungen hat die Pflegebranche zu meistern? Und welche Chancen bietet sie Akademikern? abi>> sprach mit Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe.

abi>> Wie steht es derzeit um die Pflegebranche?

Johanna Knüppel: Die Pflegebranche leidet sehr unter dem Fachkräftemangel. Der Bedarf an Pflegekräften steigt, weil Menschen immer älter werden und häufiger chronisch krank sind. Daher brauchen sie vermehrt Versorgung im Krankenhaus, im Altenheim oder in der ambulanten Pflege. Ein anderer Grund für den Mangel: Derzeit werden viele pflegebedürftige Menschen von Familienangehörigen versorgt. Ihr Anteil wird künftig geringer ausfallen, weil Frauen, die meist die Pflege von Angehörigen übernehmen, immer häufiger selbst berufstätig sind oder weit entfernt von ihren Eltern wohnen und daher keine Zeit für die Pflege haben. Es wird also künftig verstärkt professionelle Hilfe gebraucht. Und nicht zuletzt fehlt uns aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge der Nachwuchs.

abi>> Was folgt daraus für Bewerber?

Ein Porträt-Foto von Johanna Knüppel

Johanna Knüppel

Foto: privat

Johanna Knüppel: Wer heute in die Pflegebranche einsteigt, hat eine lebenslange Jobgarantie. In vielen anderen Berufszweigen hält die Digitalisierung Einzug. Das heißt, Aufgaben, die früher Menschen erledigt haben, werden demnächst von Computern und Robotern übernommen. Das wird in der Pflege nicht der Fall sein. Pflegeroboter, die teilweise ja schon getestet werden, können allenfalls zuarbeiten, indem sie zum Beispiel Getränke reichen oder mit den alten Menschen kommunizieren. Aber sie werden niemals tatsächlich die Pflege eines Menschen übernehmen können. Das bedeutet: In der Pflegebranche sind Stellen für qualifizierte Fachkräfte auch langfristig gesichert und krisenfest.

abi>> Welche Karrierewege gibt es für Akademiker in der Pflegebranche?

Johanna Knüppel: Akademiker haben hervorragende Chancen. Die Pflegeausbildung nach der Reform ab dem Jahr 2020 wird zunehmend akademisch. Ergänzend zur beruflichen Pflegeausbildung wird es dann das berufsqualifizierende Pflegestudium an regulären Hochschulen geben. In allen anderen europäischen Ländern werden angehende Pfleger bereits akademisch ausgebildet, jetzt zieht Deutschland nach. Bislang gab es bei uns nur im Rahmen von Modellstudiengängen Pflege als Bachelorstudiengang zu absolvieren. Bereits jetzt können Pflegende auch parallel zum Beruf studieren – wenn sie sich für Führungspositionen, als Pflegewissenschaftler oder -pädagoge weiterqualifizieren möchten.

abi>> Welche besonderen Anforderungen stellt die Pflegebranche an ihre Mitarbeiter?

Johanna Knüppel: Man darf keine Scheu davor haben, Menschen nahe zu kommen. Pflegebedürftige befinden sich in gesundheitlichen Ausnahmesituationen oder am Lebensende. Sie reagieren deshalb manchmal anders, als man es erwartet. Das kann für manch einen eine Herausforderung sein. Es ist zudem eine große Verantwortung, sich um schutzbedürftige Menschen zu kümmern. Man braucht in der Pflege Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen. Hinzu kommt: Man muss belastbar sein, denn in der Pflege arbeitet man im Schichtdienst, weil die Pflegebedürftigen rund um die Uhr versorgt werden müssen. Aber für all das bekommt man oft positives Feedback zurück. Daraus ziehen viele, die in der Pflege arbeiten, ihre Motivation.

abi>> 27.03.2019

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