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„Textil ist der Werkstoff der Zukunft“

Ein junger Mann sitzt in einem Büro und sieht sich einen fertig designten Schuh an.
Schuhe, Kleidung, Autos: Textil ist der Werkstoff der Zukunft, der in vielen Anwendungsbereichen zu finden ist.
Foto: Ingo Wagner

Interview

„Textil ist der Werkstoff der Zukunft“

Was sind die neuesten Trends in der Textilindustrie? abi>> sprach mit Dr. Hartmut Spiesecke, Pressesprecher des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie.

abi>> Herr Spiesecke, wie steht es um die deutsche Textilbranche?

Ein Porträtfoto von Dr. Hartmut Spiesecke

Dr. Hartmut Spiesecke

Foto: privat

Dr. Hartmut Spiesecke: Die Textil- und Modeindustrie ist eine sehr interessante Branche. Wir machen nicht nur Mode, sondern auch viele technische Textilien. Heutiger Stand der Technik sind zum Beispiel spezielle Dämmstoffe, Hightech-Textilien für die Luft- und Raumfahrt und Automobilbranche, Geotextilien für den Deich- und Hochbau oder Textilien für die Medizintechnik. Bei den technischen Textilien ist Deutschland Exportmeister.

abi>> Sind eher Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder Akademiker gefragt?

Dr. Hartmut Spiesecke: Wir beschäftigen sowohl Hochschulabsolventen als auch ausgebildete Fachkräfte. Beide Bereiche sind stark technisch geprägt. Die Spanne der gesuchten Mitarbeiter ist groß: vom Maschinen- und Anlagenführer für Textiltechnik bis zum Textilingenieur. Die Absolventen kommen häufig von Fachhochschulen mit textiltechnischen Studiengängen.

abi>> Stehen Sie schon vor Nachwuchsproblemen?

Dr. Hartmut Spiesecke: Noch decken wir unseren Bedarf, auch wenn die Branche stark mittelständisch geprägt ist und sich nicht in den Ballungszentren befindet. Das macht die Suche nach Nachwuchs nicht immer leicht. Viele junge Leute denken nicht zuerst an die Textilindustrie, wenn sie eine Ausbildung suchen. Daher haben wir eine Kampagne und die Plattform go-textile.de ins Leben gerufen, auf der wir über Ausbildungsberufe und Studiengänge der Branche informieren.

abi>> Welche Trends sehen Sie in der Branche?

Dr. Hartmut Spiesecke: Der eine wichtige Trend ist die Digitalisierung. Die Steuerung der Maschinen erfolgt schon heute über Computeranlagen. Und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Wir stehen am Anfang der Textilindustrie 4.0, bei der die Computer nicht nur die Anlagen steuern, sondern sie auch miteinander vernetzen. Der zweite große Trend ist das Thema Nachhaltigkeit. Das betrifft zum einen die Modeindustrie, die verstärkt auf die Produktionsbedingungen im Ausland achtet, zum anderen die technischen Textilien und ihre künftige Recyclingfähigkeit.

abi>> Was macht die Branche für junge Leute attraktiv?

Dr. Hartmut Spiesecke: Textil ist der Werkstoff der Zukunft, der in vielen Anwendungsbereichen zu finden ist. Der neue Airbus etwa besteht zu mehr als 50 Prozent aus Textil – nicht nur bei den Sitzbezügen, sondern auch bei den Tragflächen, in Form von carbonfaserverstärkten Kunststoffen, die leichter sind als Metall. Bioverträgliche textile Stents werden bei Herzoperationen eingesetzt. Textil ist ein sehr moderner Werkstoff, der Anwendung in vielen Bereichen findet, an die man nicht sofort denkt. Daher wächst die Branche jedes Jahr und braucht entsprechend qualifizierte Mitarbeiter.

abi>> 20.10.2016

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