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„Wir brauchen nicht nur medizinisches Personal“

Ärzte operieren in Operationssaal
Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ ist derzeit weltweit in über 60 Ländern im Einsatz.
Foto: Martin Rehm

Interview

„Wir brauchen nicht nur medizinisches Personal“

Im Gespräch mit Gabi Rosenstreich, Human Resources Coordinator bei „Ärzte ohne Grenzen“ in Berlin, sprach abi>> über Voraussetzungen für ein Engagement bei der Organisation und mögliche Einsatzgebiete.

abi>> Der Name „Ärzte ohne Grenzen“ legt nahe, dass sich bei Ihnen vor allem Mediziner engagieren können. Stimmt das?

Gabi Rosenstreich: Ja und nein. Wir benötigen einerseits medizinisches Fachpersonal, wie Chirurgen, Anästhesisten, Krankenpflegepersonal, Hebammen und Psychologen. Darüber hinaus brauchen wir aber auch nicht-medizinisches Personal: Diese Leute stellen die Rahmenbedingungen her, damit die Arbeit der Organisation funktioniert. Wir haben Interesse an den unterschiedlichsten Fachleuten: vom Architekten bis hin zur Personalfachkraft. Gerade Menschen, die vielfältige Erfahrungen mitbringen, sind bei uns gefragt. Wenn jemand eine technische Ausbildung hat und Organisationstalent mitbringt, ist er oder sie auch für die Tätigkeit der Vorratshaltung interessant. Wir bekommen viele Medikamente und andere Materialien, die wir für unsere Arbeit brauchen – das muss verwaltet werden. Wir benötigen aber auch Leute, die im Konstruktionsbereich tätig sind und zum Beispiel für unsere Patienten und Mitarbeitenden eine Dusche oder eine ganze Klinik aufbauen können. Und schließlich brauchen wir Leute in der Buchhaltung und Personalarbeit.

abi>> Was sollte man mitbringen, wenn man sich bei „Ärzte ohne Grenzen“ engagieren möchte?

Ein Porträt-Foto von Gabi Rosenstreich

Gabi Rosenstreich

Foto: Privat

Gabi Rosenstreich: Berufserfahrung ist sehr wichtig. Gut ist auch, wenn man bereits Arbeitserfahrungen in einem Land mit schwierigen Lebensbedingungen gemacht hat. Denn dann hat man eine ungefähre Vorstellung davon, worauf man sich einlässt. Gute Englischkenntnisse sind wichtig, um mit den Mitarbeitenden aus aller Welt zusammenarbeiten zu können. Französischkenntnisse sind auch super. Und natürlich sollte man eine hohe Motivation mitbringen. Für den Ersteinsatz brauchen wir Leute, die sich zumindest für neun Monate zur Verfügung stellen könnten. Die anderen Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Berufsgruppe.

abi>> In welchen Einsatzgebieten sind Sie aktuell tätig?

Gabi Rosenstreich: Im Moment sind wir in mehr als 60 Ländern weltweit im Einsatz. Zurzeit ist beispielsweise die Situation in der Zentralafrikanischen Republik sehr angespannt und der medizinische Bedarf ist enorm; dort arbeiten viele Mitarbeitende unter schwierigen Bedingungen. Auch im Tschad, im Südsudan und in anderen afrikanischen Ländern sind wir aktiv. Und nach wie vor in Westafrika in den Ebola-Projekten. Aber wir sind auch in Myanmar oder in Syrien, wo wir Flüchtlinge versorgen. Zudem leisten wir auf drei Schiffen im Mittelmeer geretteten Menschen, die auf der Flucht sind, erste medizinische Hilfe. Im zentralasiatischen Tadschikistan sind wir im Bereich Tuberkulose und HIV aktiv.

abi>> Gibt es abgesehen vom Auslandseinsatz auch andere Möglichkeiten, sich für „Ärzte ohne Grenzen“ zu engagieren?

Gabi Rosenstreich: Wer Elan und Interesse mitbringt, kann sich ehrenamtlich einbringen. Es hilft aber auch, wenn Menschen, die sich für unsere Arbeit interessieren, Informationen verbreiten, die wir zum Beispiel über unseren Newsletter, über Facebook oder Twitter veröffentlichen. Diese Unterstützung ist nicht zu unterschätzen. Denn neben der direkten humanitären Hilfe für Menschen in Not ist es auch ein wichtiger Teil unserer Arbeit, zu erzählen, was wir erleben, und damit Aufmerksamkeit für die Menschen in Not zu gewinnen. Wir freuen uns, wenn Organisationen unsere Mitarbeitenden auf Veranstaltungen über Erfahrungen im Projekt erzählen lassen. Und wir haben auch Schulmaterial, das zum Beispiel Lehrkräfte, die mit jungen Leuten arbeiten, nutzen können.

Weitere Informationen

Ärzte ohne Grenzen

www.aerzte-ohne-grenzen.de

Médecins Sans Frontières (MSF) International

www.msf.org

Jennifer Engel und das Slum Mathare in Nairobi, Kenia – eine Multimediareportage von Ärzte ohne Grenzen

story.msf.de

abi>> 16.10.2015