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„Die Dankbarkeit der Patienten ist unbeschreiblich“

Ein Kompass liegt auf einer Weltkarte
Weltweit im Einsatz – Ärzte ohne Grenzen helfen dort, wo sie am dringendsten gebraucht werden.
Foto: Ann-Kathrin Hörrlein

Ärzte ohne Grenzen

„Die Dankbarkeit der Patienten ist unbeschreiblich“

Für „Ärzte ohne Grenzen“ war Jennifer Engel (35) acht Monate in Kenia im Slum Mathare in der Hauptstadt Nairobi tätig. Dort hat sie vor allem Patienten mit Tuberkulose behandelt.

Als Medizinstudentin an der Universität Duisburg-Essen hatte Jennifer Engel an einem Stand der „Ärzte ohne Grenzen“ erfahren, wie die Organisation sich um Menschen in Not kümmert. Von da an hatte sie die Hilfsprojekte mit Spenden unterstützt, die Arbeit im Newsletter verfolgt und von einem Einsatz als Ärztin ohne Grenzen geträumt. Als sie dann ihren Facharzt in Innerer Medizin und Lungenfachkunde in der Tasche hatte, wollte sie sich ihren Wunsch erfüllen: „Ich hatte auf der Lungenstation einer Tuberkuloseklinik gearbeitet, wo ich auch Patienten aus Afrika hatte, darunter viele Flüchtlinge, die mir von ihren Schicksalen erzählten. Ich wollte vor Ort helfen und fühlte mich fachlich bereit dafür“, erzählt die 35-Jährige.

Ideelle und praktische Vorbereitung

Ein Porträt-Foto von Jennifer Engel

Jennifer Engel

Foto: Privat

Bei „Ärzte ohne Grenzen“ bewirbt man sich nicht auf eine bestimmte Stelle, sondern für eine Berufsgruppe. Die Organisation prüft dann, ob ein Projekt auf das Profil des Bewerbers passt. Bei Jennifer Engel war das der Fall: Kurz nach ihrer Bewerbung auf Englisch mit Lebenslauf und Motivationsschreiben, wurde sie in den Pool der potentiellen Mitarbeitenden aufgenommen. Sie kündigte ihren Job und nahm an einem Vorbereitungskurs in Barcelona teil. „In dem Seminar ging es um unterschiedliche Themen: Was sind die Grundideale der Trägerorganisation „Médecins Sans Frontières (MSF) International“? Wie kann man sich schützen, damit man während des Einsatzes kein Burnout bekommt? Wie baut man ein Moskitonetz auf?“, erzählt sie.

Aufgaben und Herausforderungen

In Nairobi war Jennifer Engel dafür zuständig, Patienten mit multiresistenter Tuberkulose zu versorgen. Sie sprach mit ihnen, verschrieb Medikamente und kümmerte sich als einzige Ärztin der Klinik um die Untersuchung. Sie schulte in Krankenhäusern der Umgebung Menschen, wie man die Krankheit behandelt, um die Gesundheitsstrukturen im Land zu verbessern. Sie war außerdem daran beteiligt, Patienten mit nicht-diagnostizierter multiresistenter Tuberkulose ausfindig zu machen, um sie medizinisch zu behandeln.

„Manchmal kamen auch Patienten zu Fuß in die Klinik, die am ganzen Körper schwerste Entzündungen und Wunden hatten. Bei vielen Menschen in Kenia werden chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck nicht diagnostiziert und therapiert. Das liegt daran, dass es keine Krankenversicherung gibt und die ärmeren Menschen sich keine Behandlungen leisten können. Sie suchen dann bei uns Hilfe“, erzählt sie.

Gerade in der Versorgung der Patienten war die sprachliche Barriere eine Herausforderung. „Die Kommunikation über einen Dolmetscher war oft schwierig, gerade bei heiklen Themen“, meint sie. Andere Arbeitsumstände als in Deutschland hatte sie aber nicht. Das Krankenhaus war gut ausgestattet.

Nur die Sicherheitsbeschränkungen in Nairobi waren für Jennifer Engel ungewohnt. Sie durfte zum Beispiel im Dunkeln nicht allein aus dem Haus gehen, wurde im Supermarkt von Sicherheitsleuten durchsucht und musste nach Betreten des Hauses immer die Tür und ein zusätzliches Gitter verschließen. Trotzdem ging die 35-Jährige wie zuhause nach der Arbeit joggen. Abends kochte und aß sie gemeinsam mit ihren internationalen Kollegen, mit denen sie auch zusammenwohnte. Und an den freien Wochenenden unternahm sie Ausflüge, um das Land kennenzulernen.

Rückkehr nach Deutschland

Nach acht Monaten flog Jennifer Engel wieder nach Hause. Zurzeit sucht sie nach einer Stelle. Gerne würde sie in der Flüchtlingserstversorgung arbeiten, also Menschen in Flüchtlingsunterkünften untersuchen und behandeln. Dabei würde sie von ihrer Zeit in Kenia profitieren: „Ich habe nicht nur Erfahrungen mit Tuberkulose gesammelt, sondern auch viele Krankheiten gesehen, die es in Deutschland selten gibt“, erklärt die Fachärztin.

Der Einsatz in Kenia hat Jennifer Engel dermaßen beeindruckt, dass sie sich in der Zukunft gerne noch einmal für „Ärzte ohne Grenzen“ engagieren möchte: „Ich arbeite gerne als Ärztin in Deutschland. Aber die Dankbarkeit, die mir in Kenia entgegengebracht wurde, ist unbeschreiblich. Auch Patienten, die zwanzig Monate lang jeden Tag zur Therapie kommen und viele Medikamente mit schlimmen Nebenwirkungen nehmen mussten, haben immer gelächelt vor Freude darüber, dass ihnen überhaupt jemand eine Therapie anbietet. Das hat mich ausgefüllt, das war eine tolle Erfahrung.“

abi>> 16.10.2015