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Wo das Glück wohnt

Ein Teller Hackfleischbällchen und Kartoffelpüree
Immer mehr deutsche Arbeitnehmer zieht es in nördliche Gefilde.
Foto: Nicole Schwab

Arbeiten im nordeuropäischen Ausland

Wo das Glück wohnt

Naturschauspiele, faszinierende Landschaften und charmante Städte – das nordeuropäische Ausland hat viel zu bieten. Aber nicht nur Urlaubern, sondern auch deutschen Arbeitnehmern halten Skandinavien, Island und Großbritannien attraktive Möglichkeiten bereit.

David Kehler aus Würzburg ist derzeit in der schwedischen Niederlassung der ebm-papst Gruppe tätig. Der 32-Jährige, der in Mosbach „International Business – Angewandte Technik“ studiert hat, wurde von dem Hersteller für Elektromotoren und Ventilatoren nach Stockholm entsandt, um dort den Vertrieb auszubauen. Als Vertriebsleiter trägt er dort die Verantwortung für zwölf Mitarbeiter. Einen typischen Arbeitsalltag gibt es dabei für ihn nicht: „Im Vertrieb ist jeder Tag anders. Zum Teil bin ich im Betrieb, aber auch viel unterwegs, um Kunden zu besuchen.“

Dass ihn sein Weg nach Schweden geführt hat, war kein Zufall: Bereits in Deutschland war er als Projektleiter für den Raum Skandinavien zuständig und dadurch bestens mit den Gegebenheiten des Landes vertraut. „Als mir das Unternehmen anbot, nach Schweden zu gehen, war mein Interesse schnell geweckt“, erklärt er.

Im Januar 2014 zog David Kehler zusammen mit seiner Familie nach Stockholm. Um die Vorbereitungen kümmerte sich das Unternehmen. Da in seinem Beruf Kommunikation eine große Rolle spielt, hat er drei Monate vor seinem Umzug begonnen, Schwedisch zu lernen. „Auf dem Weg zur Arbeit habe ich im Auto einen Audiosprachkurs gemacht. Das war eine gute Basis“. Mittlerweile spricht er die Sprache fließend. „Ich habe mit meinen Kollegen von Anfang an Schwedisch gesprochen und sie gebeten, nicht auf Englisch auszuweichen. Das hat mir sehr geholfen.“

„Man verliebt sich unheimlich schnell in dieses Land“

Ein Porträt-Foto von David Kehler

David Kehler

Foto: privat

Da er bereits im Vorfeld Kontakt zu den Mitarbeitern in Stockholm hatte, fiel ihm die Eingewöhnung in sein neues Arbeitsumfeld nicht schwer. Aufgefallen sind ihm die flachen Hierarchien, die in der schwedischen Unternehmenskultur üblich sind. Zum Beispiel duzen sich alle – vom Chef bis hin zum Kunden. Außerdem spielen die Gemeinschaft und der Zusammenhalt im Unternehmen eine wichtige Rolle: „Bei der traditionellen ‚Fika‘, der täglichen Kaffeepause treffen sich alle Mitarbeiter, um bei einer Tasse Kaffee über arbeitsrelevante, aber auch über private Themen zu sprechen. Das sorgt für ein entspanntes Arbeitsklima“, erzählt er. „Die Kollegen haben mich sehr offen aufgenommen und immer unterstützt.“

Zudem haben Familie und Freizeit einen sehr hohen Stellenwert. „Trotz oder gerade deshalb schaffen es die Schweden, unheimlich produktiv und innovativ zu arbeiten.“

Auch außerhalb des Arbeitsumfelds fühlt sich der Vertriebsleiter sehr wohl: „Man verliebt sich unheimlich schnell in dieses Land“, sagt er. „Die Natur ist unbeschreiblich schön. Und ich habe das Glück, mit ganz tollen Menschen zusammen zu arbeiten.“ Sein persönliches Highlight steht aber noch bevor: „Im Winter wird unser zweites Kind in Stockholm zur Welt kommen. Darauf freuen wir uns ganz besonders.“

Hoher Lebensstandard, vorbildliche Sozialstruk

Wie David Kehler werden viele Mitarbeiter von ihren Unternehmen ins Ausland entsandt, um wertvolles Know-how auszutauschen. Andere planen den Trip auf eigene Faust. „Wer nach einem Auslandsaufenthalt zurückkommt, bringt nicht nur Fremdsprachenkenntnisse und neu gewonnene interkulturelle Kompetenzen mit, sondern hat sich häufig auch persönlich weiterentwickelt“, meint Sabine Najib, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Osnabrück. Nordeuropa liegt ihrer Meinung nach absolut im Trend: „Die nordeuropäischen Länder sind typische Sehnsuchtsorte“, weiß die Beraterin.

Am Image vom wirtschaftsstarken Norden mit hohem Lebensstandard und vorbildlicher Sozialstruktur ist aber auch einiges dran. Nicht ohne Grund landen Dänemark, Norwegen, Finnland, Schweden und Island regelmäßig auf den vorderen Plätzen des „World Happiness Report“, einer Glücksstudie der Vereinten Nationen.

Sympathisch unbürokratisch

Ein Porträt-Foto von Trine Jess

Trine Jess

Foto: Deutsch-Norwegische Außenhandelskammer

Ein weiterer Pluspunkt für das nordeuropäische Ausland: Die bürokratischen Hürden für einen Aufenthalt sind niedrig. „Vor allem bei den EU-Mitgliedsstaaten gestalten sich die Vorbereitungen relativ unkompliziert“, meint Sabine Najib.

Was man zum Beispiel für einen Aufenthalt im EU-Mitgliedsstaat Finnland beachten musst, erklärt Dr. Jan Feller, stellvertretender Geschäftsführer der Deutsch-Finnischen Handelskammer: „Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise nach Finnland lediglich einen Personalausweis. Möchte man länger als drei Monate bleiben, muss man seinen Aufenthalt registrieren lassen.“

Norwegen gehört zwar nicht zur EU, doch auch hier sind die Bedingungen nur unwesentlich komplizierter. „Wer länger als drei Monate im Land bleiben möchte, muss sich mit einem gültigen Reisepass registrieren lassen und einen Nachweis erbringen, dass er über ausreichend finanzielle Mittel verfügt oder seinen Lebensunterhalt in Norwegen bestreiten kann“, erklärt Trine Jess. Sie ist Pressesprecherin der Deutsch-Norwegischen Außenhandelskammer.

Generell gilt: Wer einen Arbeitsaufenthalt im nordeuropäischen Ausland plant, sollte sich frühzeitig informieren, welche Voraussetzungen gelten. „Um auf dem neuesten Stand zu sein, fragt man am besten direkt bei den lokalen Behörden nach“, rät Trine Jess. „In den nordischen Ländern sind in der Regel alle Informationen auf Englisch verfügbar.“ Auf dem Laufenden halten sollten sich vor allem diejenigen, die sich für einen Aufenthalt in Großbritannien interessieren. Welche Änderungen mit dem geplanten Ausstieg aus der EU einhergehen werden, ist noch unklar (Stand November 2016).

Qualifizierte Fachkräfte gefragt

Ein Porträt-Foto von Dr. Jan Feller

Dr. Jan Feller

Foto: Deutsch-Finnische Handelskammer

„In den nordeuropäischen Ländern sind – wie auch in Deutschland – vor allem qualifizierte Fachkräfte, wie Ingenieure, Ärzte, Pflegekräfte, IT-Spezialisten und Handwerker, gefragt“, weiß Sabine Najib. Dennoch gibt es in den einzelnen Ländern und Regionen Unterschiede. So werden in Finnland derzeit besonders Programmierer gesucht. „Zum Teil besteht auch Personalmangel bei einigen Pflegeberufen“, ergänzt Jan Feller. Welche Wirtschaftszweige in den einzelnen Ländern besonders stark vertreten sind, kannst du auch in den Steckbriefen zu den jeweiligen Ländern nachlesen.

„Da in Deutschland ausgebildete Fachkräfte ein hohes Ansehen haben, gibt es für sie in Norwegen viele Möglichkeiten, einen guten Job zu finden“, sagt Trine Jess. „Es ist jedoch auch wichtig, zu erwähnen, dass sich nicht alle Ausbildungen und Qualifizierungen eins zu eins übertragen lassen.“ Daher rät sie Bewerbern, im Anschreiben vor allem auf Ausbildungsinhalte, Fähigkeiten und Tätigkeiten einzugehen: „Viele Norweger sind mit dem deutschen Schul- und Ausbildungssystem nicht vertraut und haben abweichende Berufsbezeichnungen und -beschreibungen. So kann der Arbeitgeber die Bewerbung besser einordnen und sich ein klareres Bild vom Bewerber machen.“

Weitere Informationen

Länderinformationen des Auswärtigen Amtes

www.auswaertiges-amt.de

Länderinformationen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)

www.daad.de/laenderinformationen/de

EURES

Europäisches Portal zur beruflichen Mobilität, das umfangreiches Infomaterial, zum Beispiel zu Alltag und Arbeiten, enthält.
www.ec.europa.eu/eures

Deutsch-Norwegische Außenhandelskammer

http://norwegen.ahk.de

Deutsch-Finnische Handelskammer

www.dfhk.fi

Deutsch-Schwedische Außenhandelskammer

www.handelskammer.se/de/node/25

Deutsch-Dänische Außenhandelskammer

www.handelskammer.dk

Deutsch-Isländische Außenhandelskammer

http://island.ahk.de

Deutsch-Britische Außenhandelskammer

http://grossbritannien.ahk.de

abi>> 19.12.2016