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Von Ellwangen über Singapur nach Shanghai

Handgeschriebene chinesische Schriftzeichen
Um in China Fuß zu fassen, sind Sprachkenntnisse sehr wichtig.
Foto: Winfried Rothermel

Arbeiten in China

Von Ellwangen über Singapur nach Shanghai

Nach dem Studium wollte Nicolas Scribe aus Lindlar bei Köln nach Asien. Über ein Praktikum und eine erste Festanstellung gelangte der 28-Jährige an seine heutige Stelle in der Einkaufsabteilung der chinesischen Niederlassung des Batterieherstellers Varta Microbattery GmbH in Shanghai.

Der Arbeitsalltag als Verantwortlicher für den strategischen Einkauf aller fertigen Batterien und Elektronik-Halbteile bei Varta bringt für Nicolas Scribe engen Kontakt zu chinesischen Kollegen und Geschäftspartnern mit sich. Etwa wenn es um die Koordination der Batterielieferungen geht: Nicolas Scribe betreut die Lieferanten, mit denen er schon länger zusammenarbeitet, ist aber auch immer auf der Suche nach neuen Anbietern, zu denen er Geschäftsbeziehungen aufbaut. „Dazu gehört vor allem das Führen von Preisverhandlungen und der Abschluss von Verträgen“, erklärt er.

Der Hauptsitz seines Arbeitgebers liegt im schwäbischen Ellwangen. „Als Einkaufsverantwortlicher bin ich in der Zentrale in Ellwangen angestellt. Der Einkauf findet aber größtenteils in Asien statt. China spielt dabei eine zentrale Rolle“, sagt er. Aus diesem Grund wechselte er nach knapp eineinhalb Jahren von Ellwangen in die Niederlassung in Singapur und ist aktuell acht Monate lang in Shanghai.

Hierarchische Unternehmensorganisation

Ein Porträt-Foto von Nicolas Scribe

Nicolas Scribe

Foto: Kodak Foto Express

Während dieser Zeit gewinnt er tiefe Einblicke in die chinesische Unternehmenskultur: „Das Varta-Werk in Shanghai würde ich als typisch chinesisch beschreiben: Es gibt einen Chef, den die meisten chinesischen Kollegen auch ein wenig als Vaterfigur ansehen. Die Organisation ist streng hierarchisch und wird auch so gelebt“, weiß er. Die Arbeitszeiten werden penibel eingehalten, einen Urlaubsanspruch von zehn bis 15 Tagen pro Jahr erwirbt man erst nach längerer Firmenzugehörigkeit. Moderne Arbeitszeitmodelle sind dennoch möglich: „Wenn ich nicht unterwegs bin, arbeite ich im Büro und tageweise von zu Hause aus“, sagt er. Dann kann er seine Frau entlasten, die ebenfalls ihrem Beruf nachgeht, und bei der Kinderbetreuung unterstützen.

An kulturelle Besonderheiten hat sich der 28-Jährige längst gewöhnt. „Außerhalb des Jobs sind Chinesen herzlich und offen“, beschreibt Nicolas Scribe. Sich sensibel mit der Kultur auseinanderzusetzen, sei der Zugang zu Land und Leuten. „Als Ausländer tut man gut daran, stets den ersten Schritt zu machen, das kommt in der Regel immer gut an.“ Ohne Kenntnisse der chinesischen Sprache sei es allerdings schwer, Fuß zu fassen.

Sprachkenntnisse ausbauen im Praktikum

Er selbst hatte damit keine Probleme. Fundierte Sprachkenntnisse erwarb er während seines Bachelorstudiums in „East Asia Management“ und Chinesisch an der privaten Cologne Business School. Auf den Abschluss folgte ein Praktikum bei VW im nordchinesischen Dalian. „Ein Praktikum reizte mich damals mehr als direkt eine feste Stelle anzutreten. So konnte ich zunächst das Land besser kennenlernen und meine Sprachkenntnisse ausbauen – das wäre mir von Deutschland aus sicher schwerer gefallen.“ Es gefiel ihm so gut, dass er anschließend noch zwei Jahre blieb und in Shanghai beim Unternehmen Schüco im Photovoltaik-Einkauf einstieg. „Als die Stelle mit der Restrukturierung der Solarwirtschaft wegfiel, sah ich mich um, fand die freie Stelle bei Varta“, blickt er zurück. Für seine Zukunft hat Nicolas Scribe noch keine konkreten Pläne gefasst. Nach seinem Einsatz in Shanghai wird er zunächst in die Niederlassung nach Singapur zurückkehren.

abi>> 04.09.2015